Viele Gedenkfeiern für Opfer der Novemberpogrome in NRW

In der großen Synagoge in Köln gedenken die Menschen der Opfer der Pogromnacht

Viele Gedenkfeiern für Opfer der Novemberpogrome in NRW

  • Gedenkfeiern in vielen Synagogen
  • Anschläge von Halle thematisiert
  • Auch Umzüge und Aktionen geplant

Mit vielen Veranstaltungen wurde in NRW der Opfer der Pogromnacht von 1938 gedacht. In Blankenheim im Kreis Euskirchen erinnerte am Samstag (09.11.2019) der Heimatverein Uedelhoven mit der Pflanzung eines Baums an Anne Frank.

Auf dem Synagogenplatz in Aachen wurde Samstagabend der Terrornacht mit einer Lesung aus "Nathan der Weise" gedacht. In Herzogenrath gab es unter anderem einen Schweigemarsch zum Rathausplatz.

Kölns Oberbürgermeisterin fordert mehr Toleranz

Vor einer Gedenktafel haben Menschen Kränze niedergelegt, um der Opfer der Pogromnach zu gedenken

Gedenken in Köln

In Köln gab es bereits am Freitagmorgen (08.11.2019) eine große Gedenkveranstaltung der jüdische Synagogen-Gemeinde. Wegen des Feiertags-Schabbat fand die Andacht in Köln schon am 8. November statt. In der großen Synagoge an der Roonstraße hat Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker eine Rede gehalten und einen Kranz niedergelegt.

Sie forderte noch mehr Toleranz und Zivilcourage: "Wer heute in Köln Jüdinnen und Juden verbal oder physisch angreift, dem stellen wir uns mutig entgegen. Das ist unsere Botschaft. Und ich werde mich weiterhin für unser offenes, tolerantes Köln einsetzen. Für ein Köln, zu dem Jüdinnen und Juden fest dazugehören."

Jüdisches Leben unter Polizeischutz WDR aktuell 08.11.2019 Verfügbar bis 15.11.2019 WDR Von Kristina Klusen

Jugendliche reinigen Stolpersteine

Auch in vielen anderen Städten und Gemeinden in NRW fanden bereits Gedenkveranstaltungen statt. In Geilenkirchen an St. Marien fand am Freitag ein Umzug mit Lichtern und Kerzen statt.

Zwischen Monschau und Baesweiler reinigten 300 Jugendliche in einer gemeinsamen Aktion Stolpersteine . Die kleinen Messingplatten erinnern an Menschen, die im Nationalsozialismus verschleppt und ermordet wurden. Die Steine wurden am letzten freiwillig gewählten Wohnort der Opfer in die Bürgersteige eingelassen.

In Siegburg hielt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken am Freitagbend in der Gedenkstätte "Landjuden an der Sieg" einen Vortrag. Schwerpunkt war der Dialog der Religionen.

250 Menschen bei Gedenkfeier in Münster

In Münster haben ebenfalls bereits am Freitag 250 Menschen in der jüdischen Synagoge der Opfer der sogenannten Reichspogromnacht gedacht. Das Gedenken stand stark unter dem Eindruck des Anschlags in Halle. Der Leiter der jüdischen Gemeinde Sharon Fehr bedankte sich in diesem Zusammenhang für die Solidarität der münsterschen Stadtgesellschaft.

Eine Frau und ein Mann unterhalten sich in einer Synagoge

Gedenkfeier in Münster

Er sprach aber auch von einem Gefühl der Unsicherheit, das sich in die jüdische Gemeinde eingeschlichen habe. Gastredner war Heinrich Mussinghoff, emeritierter Bischof von Aachen. Er warnte davor, dass das Erinnern an die Pogrome verblasst.

Dortmund setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld haben Freitag mehrere hundert Menschen an der Seite des Rabbiners Baruch Babaev der November-Pogrome vor 81 Jahren gedacht. Er machte Mut: Niemand, der sich für Frieden und gegen Hass einsetze, müsse Angst haben. Er werde von der Gemeinschaft gestützt.

Mehr Opfer als angenommen

Mindestens 127 Menschen kamen 1938 auf dem Gebiet von NRW während und kurz nach den Novemberpogromen ums Leben. Das ist das Ergebnis eines landesweiten Forschungsprojekts der Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf von 2018.

Damit sind weit mehr Menschen durch antijüdische Ausschreitungen ums Leben gekommen als bisher angenommen.

TV-Dokumentation: "Jüdisch in Europa"

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur 03.09.2019 09:23 Min. Verfügbar bis 02.09.2020 WDR 5

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Stand: 09.11.2019, 19:47