Aachen gedenkt der Befreiung vor 75 Jahren

Kriegsende in Aachen am 21.10.1944

Aachen gedenkt der Befreiung vor 75 Jahren

Von Richard Derichs

  • Gedenkstunde im Aachener Rathaus
  • Langer Weg zur Befreiung
  • Aachener Bevölkerung litt noch lange an Hunger

Fast sechs Wochen lang belagerten die Alliierten das eingeschlossene Aachen. Die westlichste Großstadt Deutschland sollte bis zum letzten Mann verteidigt werden, hatten die Nazis befohlen. Die aussichtslosen Scharmützel forderten hunderte Todesopfer. Erst am 21. Oktober 1944, am Sonntag (21.10.2019) vor 75 Jahren, kapitulierte die Wehrmacht. Im Rathaus wurde in einer Feierstunde der Befreiung gedacht.

Vormarsch bis zur Aachener Stadtgrenze

Kriegsende am Bahnhof Rothe Erde

Am 12. September erreichten US-Panzer den westlichen Stadtrand etwa dort, wo heute die Siedlung Preuswald steht. Gleichzeitig nahmen von Stolberg vorrückende Panzer den Vorort Eilendorf ein. Auch von Norden näherten sich alliierte Verbände – einzig über die Jülicher Straße blieb Aachen für die Wehrmacht offen. Nach langem Zögern hatte die NSDAP die Räumung Aachens befohlen. Obwohl sie als Hochverräter galten, blieben Tausende. Sie hofften auf ein schnelles Ende der Kämpfe – vergebens.

Belagert und beschossen

Die Alliierten hatten es nicht eilig. Nach dem raschen Vormarsch aus der Normandie warteten sie ab, bis genügend Verstärkungen eintrafen. Hitlers Wehrmacht setzte die Reste zweier Panzerdivisionen in Marsch Richtung Westen. Die Eingeschlossenen, etwa 5.000 Menschen, litten Hunger. Konserven, etwas Obst von den Bäumen, viel mehr blieb ihnen nicht außer der täglichen Angst um das Leben. Denn immer wieder gerieten sie zwischen die Fronten und wurden beschossen.

Der Ring schließt sich

Kriegsende an der Trierer Straße in Aachen

Anfang Oktober 1944 wurde Aachen komplett eingekesselt. Die Alliierten stellten Ultimaten, warfen Flugblätter ab: Kapitulation oder Zerstörung, schrieben sie, mehr Optionen hätten die Aachener nicht. Standortkommandant Oberst Wilck wählte den Untergang. Ab 12. Oktober rückten US-Truppen in die Innenstadt vor. Um jede Straße, um jedes Haus wurde gekämpft. Historiker schätzen, daß durch diesen Beschuß mindestens soviele Häuser in der historischen Stadt zerstört wurden wie durch Fliegerbomben.

21. Oktober 1944, 12:01 Uhr.

Der Kommandobunker am Fußes des Lousbergs war die letzte Bastion der Wehrmacht. Erst als die US-Truppen fast in Rufweite waren, gab er auf. Damit war Aachen befreit. Es fehlte an Wasser, Nahrung, Strom, Heizmaterial. In der heutigen Lützow-Kaserne an der Trierer Straße wurden 4.000 Aachener mehr schlecht als recht aus Feldküchen versorgt. Und der Krieg blieb in der Region. Im Hürtgenwald bei Düren wurde weiter geschossen. Im Winter starteten die Nazis ihre sinnlose Ardennenoffensive. Erst im Februar 1945 überschritten die Alliierten bei Düren die Rur.

Aachen gedenkt der Befreiung vor 75 Jahren

00:28 Min. Verfügbar bis 21.10.2020

Aachen wird befreit 05:41 Min. Verfügbar bis 22.10.2020

Stand: 20.10.2019, 17:27