Umstrittener Gastschulaufenthalt auf US-Militärbasis

Flugzeuge

Umstrittener Gastschulaufenthalt auf US-Militärbasis

Von Werner Czaschke

  • Gericht muss klären, ob US-Militärbasis als Wohnort zumutbar ist
  • Vater des 16-jährigen Schülers verklagt Reiseveranstalter
  • Agentur soll 13.000 Euro zurückzahlen

Eigentlich wollte Simon M. seinem Sohn ein Gastschuljahr in den USA ermöglichen. Doch als es konkret wurde, stornierte der Vater die Reise. Der Veranstalter hatte ihm kurz zuvor mitgeteilt, bei welcher Familie der 16-Jährige wohnen sollte.

Der Vater setzte sich an den Computer und recherchierte. Das erste Mal schluckte er, als er erfuhr, dass die Gastfamilie nur einen Steinwurf entfernt von einem großen Flughafen wohnt. Er recherchierte weiter und fand schließlich heraus, dass der Flughafen eine amerikanische Air Base ist, ein hermetisch abgeschottetes Gelände. Und die Gasteltern sind eine amerikanische Soldatenfamilie.

Klage gegen Reiseveranstalter

Rund die Hälfte der vorab bereits bezahlten 13.000 Euro bekam Simon M. vom Düsseldorfer Reiseveranstalter zurückgezahlt. Wegen der anderen Hälfte hat er Klage beim Landgericht Düsseldorf eingereicht. Sein Anwalt Hilmar de Riese hält einen einjährigen Aufenthalt eines 16-Jährigen auf einer US-Air-Base mit dem so bezeichnenden Namen "Fairchild" für unzumutbar.

1994: Amoklauf mit mehreren Toten

Die Menschen dort seien seit Jahrzehnten traumatisiert. 1994 habe es dort einen Amoklauf mit mehreren Toten gegeben. Nur wenig später sei ein als waghalsig beschriebener Pilot mit seiner Maschine bei einer Flugschau abgestürzt, ausgerechnet an dem Tag, als gerade die Opfer des Amoklaufes zu Grabe getragen worden waren.

Soziale Einschränkungen wegen des Militärstützpunktes

Außerdem fand der Anwalt heraus, dass einer der vier Zugänge zu dem komplett abgesperrten Areal den Namen "Rambo Gate" trägt. Selbst amerikanische Staatsbürger dürfen nicht ohne weiteres das Gelände betreten. Das bedeutet, dass der 16-Jährige nie Klassenkameraden in das Haus seiner Gasteltern mitbringen könnte.

Zudem müsste der Junge seinen Umgang mit den sozialen Netzwerken einschränken, denn die Bewohner des Stützpunktes seien gehalten, nur das Allernötigste zu posten, um bloß nicht versehentlich Militärgeheimnisse preiszugeben.

Bedenklich, so der Anwalt, sei auch, dass das Grundwasser durch Gift im Löschwasser der Flughafenfeuerwehr kontaminiert sei: "Das alles ist nicht die richtige Umgebung für einen deutschen Sprachschüler."

Gericht äußert sich skeptisch

Der Düsseldorfer Reiseveranstalter weigert sich, mehr als die Hälfte des Reisepreises zu erstatten. Die von ihm ausgesuchte Gastfamilie sei "von mittlerer Art und Güte", also genau das, was vertraglich geschuldet sei.

Ähnlich sieht das offenbar auch das Düsseldorfer Gericht. In der mündlichen Verhandlung legte sich der Vorsitzende Richter bereits fest: Entscheidend seien nicht die vielleicht hochgesteckten Hoffnungen und Erwartungen des Reisebestellers in Deutschland - auch, wenn dieser dafür viel Geld zahle.

Stattdessen müsste die Qualität einer Gastfamilie allein durch einen Vergleich mit anderen amerikanischen Gastfamilien ermittelt werden. Mitte Dezember will das Gericht entscheiden, wie es in dem Prozess weitergeht. Große Hoffnungen macht sich Anwalt Helmut de Riese schon jetzt nicht mehr. Er denkt bereits an die nächste Instanz.

Stand: 17.11.2017, 17:34