Ferngasleitung "Zeelink“ offiziell in Betrieb genommen

Zeelink Pipeline

Ferngasleitung "Zeelink“ offiziell in Betrieb genommen

Von Ulrike Zimmermann

Die Ferngasleitung "Zeelink“ ist bei einer Verdichterstation in Würselen offiziell in Betrieb genommen worden.

Die neue Pipeline führt auf einer Länge von rund 220 Kilometern von der deutsch-belgischen Grenze bei Aachen bis nach Legden bei Ahaus im Münsterland.

Umstellung auf andere Gasart

Rund 700 Millionen Euro haben die beiden Unternehmen Open Grid Europe und Thyssengas nach eigenen Angaben in das Zeelink-Projekt investiert. Bau und Planung dauerten rund sechs Jahre. Die Vorräte an L-Gas gingen zu Ende. Damit weiter geheizt werden könne, müsse auf H-Gas umgestellt werden. Das wird durch die neue Pipeline transportiert. Rund fünf Millionen Haushalte, Gewerbe- und Industrieunternehmen würden versorgt.

Zeebrügge als Namensgeber

Die Zeelink-Pipeline ist über das belgische Netz mit dem Hafen in Zeebrügge verbunden. Dort gibt es einen großen Terminal für Flüssiggas, das mit Tankschiffen angeliefert und wieder in einen gasförmigen Zustand überführt wird. Von dort kann nun H-Gas durch die neue Pipeline nach NRW und Niedersachsen gelangen. Zudem ist Zeelink mit anderen Leitungssystemen im Norden verbunden. So kann zum Beispiel auch H-Gas aus Norwegen durch die Leitungen geschickt werden.

Investition in die Zukunft

Verdichter in einer Halle.

NRW-Ministerpräsident Laschet sagte heute beim Festakt, Zeelink sichere nicht nur die Energieversorgung in NRW und erweitere die Bezugsquellen von Erdgas. Das Projekt sei darüberhinaus auch eine wichtige Brücke für die Zukunftstechnologie Wasserstoff. Dieser würde später zum Großteil durch diese Erdgasleitungen geführt. Deswegen sei Zeelink ein Projekt mit großer Wirkung in Richtung Klimaneutralität.

Blick in die Vergangenheit 

Auf Bürgerveranstaltungen in den Gemeinden entlang der Trasse informierten Mitarbeiter schon früh über das Vorhaben. Den Machern war klar, dass ein solches Großprojekt nicht ohne Protest bleibt. Denn um die Pipeline unterirdisch verlegen zu können, musste eine 34 Meter breite Schneise durch die Landschaft geschlagen werden. Stellenweise wurden Alternativrouten gefunden. Zum Beispiel in Aachen. Dort sollten die Leitungen ursprünglich mehrere Naturschutzgebiete durchschneiden. Nach massivem Protest führen sie jetzt entlang der Autobahn 44.

Widerstand von Anwohnern und Landwirten

Anwohnern bemängelten, dass die Erdgasleitungen zu nah an ihren Häusern vorbeiführten. Angst vor Haverie, einer Gasexplosion oder vor dem Werteverlust ihrer Häuser trieb sie um, zum Beispiel in Aachen-Brand oder in Hünxe. Landwirte wiederum kritisierten Einschränkungen durch die Rohrverlegung. Mit ihnen wurden Entschädigungen ausgehandelt.

Rekultivierung

An vielen Stellen ist von der Pipeline unter der Erde schon jetzt nichts mehr zu sehen. Mutterboden wurde aufgeschüttet, Gras ist darüber gewachsen.  

Stand: 06.05.2021, 14:44

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