Nach Metzelder-Urteil: Staatsanwaltschaft legt Berufung ein

Nach Metzelder-Urteil: Staatsanwaltschaft legt Berufung ein

Von Martin Höke und Hanna Makowka

Der frühere Nationalspieler ist für die Weitergabe von kinder- und jugendpornografischen Dateien zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte ein Teilgeständnis abgelegt.

Das Amtsgericht Düsseldorf sah es als erwiesen an, dass Christoph Metzelder in 26 Fällen Dateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt weitergegeben hatte. In einem Fall wurde er für den Besitz bestraft.

In der Urteilsbegründung erklärte die Richterin am Donnerstag, durch das große öffentliche Interesse sei Metzelder bereits umfassend bestraft. Außerdem könne er auf absehbare Zeit nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen. In das Urteil floss zudem ein, dass er Reue gezeigt und frühzeitig eine Therapie absolviert habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Staatsanwaltschaft legt wegen Mobiltelefon Berufung ein

Die Staatsanwaltschaft hat am Freitag Berufung eingelegt. Damit ficht sie aber nicht das verhängte Strafmaß an. Sie will lediglich erreichen, dass das für die Straftaten benutzte Tatmittel dauerhaft eingezogen wird - also das Mobiltelefon, von dem aus die Nachrichten mit den kinderpornografischen Dateien verschickt wurden.

Die Richterin hatte das in ihrem Urteil nicht angeordnet. Die Einziehung des Tatmittels ist bei verurteilten Straftätern sonst üblich. Sollte sich der Streit um das Handy außergerichtlich beilegen lassen, wäre die Berufung wieder hinfällig, hieß es aus Justizkreisen.

Metzelder legt Teilgeständnis ab

Im Prozess am Düsseldorfer Amtsgericht hatte der ehemalige Nationalspieler die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in Teilen eingeräumt. Daraufhin wurde der Prozess gegen ihn bereits am ersten Tag beendet - obwohl zunächst drei Verhandlungstage angesetzt worden waren.

Mit brüchiger Stimme hatte Christoph Metzelder am Donnerstag vor Gericht erklärt: Es bleibe seine persönliche Verantwortung, er habe Fantasien ausgetauscht und Screenshots verschickt. "Ich akzeptiere die Strafe und bitte die Opfer sexueller Gewalt um Vergebung. Ich werde den Rest meines Lebens mit dieser Schuld als Teil der Gesellschaft leben müssen", so Metzelder im Gerichtssaal. Aber er habe nie einen Übergriff geplant oder sei niemals im Darknet aktiv gewesen. Er habe die Taten begangen, obwohl ihm das Leid der Kinder bewusst war und obwohl er wusste, dass er Straftaten begehe.

Metzelder will Auszeichnungen zurückgeben

Metzelder kündigte außerdem an, dass er unabhängig vom Ausgang des Verfahrens alle öffentlichen Auszeichnungen zurückgeben werde wie den Landesverdienstorden NRW und das Bundesverdienstkreuz - "aus Respekt vor den jetzigen und künftigen Preisträgern", so Metzelder.

Christoph Metzelder beim Prozessauftakt in Düsseldorf

Angebliche Affäre brachte Ermittlungen ins Rollen

In der Anklage der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wurde Metzelder unter anderem vorgeworfen, Bilder an eine Chatpartnerin aus Hamburg geschickt zu haben, mit der der 40-Jährige auch eine Affäre gehabt haben soll. Die Frau hatte über einen Boulevard-Reporter die Polizei informiert und so Mitte August 2019 die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Als die Polizei knapp drei Wochen später bei Christoph Metzelder anrückte, sollen auf dem Handy des Ex-Profis fast 300 kinder- und jugendpornografische Dateien gefunden worden sein. Das bestritt Metzelder im Prozess, er gab jedoch zu, im Spätsommer 2019 im Rahmen erotischer Chats 18 kinder- und jugendpornografische Dateien an drei Frauen weitergeleitet zu haben.

Chatpartnerin sagte nicht aus

Zur Aufklärung sollte die Chatpartnerin aus Hamburg beitragen und im Strafprozess in Düsseldorf als Hauptbelastungszeugin aussagen. Gegen die Frau laufe in gleicher Sache noch ein Strafverfahren in Hamburg, hatte ihr Anwalt bekannt gegeben. Sie müsse daher als Beschuldigte in Düsseldorf nicht aussagen, um sich nicht selbst zu belasten.

Metzelders Anwalt Ulrich Sommer gibt Journalisten Auskunft

Das hält Ulrich Sommer, der Verteidiger Metzelders, für einen "Witz", weil sie gleichzeitig der Zeit ein großes Interview gegeben hatte, "wo sie ihre Sicht der Dinge ungefragt, unhinterfragt und wie ich meine, auch falsch wiedergibt".

Anwalt: Chatparterin habe Metzelder angestiftet

Die Frau hatte der Wochenzeitung detailliert berichtet, wie sie und Metzelder per Chat sexuelle Fantasien ausgetauscht und der Ex-Profi ihr schlussendlich kinderpornografische Fotos geschickt haben soll. Die Frau habe seinen Mandanten angestiftet, ihr verfängliche Fotos zu senden, argumentierte Verteidiger Ulrich Sommer vor dem Prozess.

Metzelder führte laut Anwalt Doppelleben

Der Jurist hatte jedoch eingeräumt, dass sein Mandant ein Doppelleben geführt, erotische Chats mit Frauen gehabt, mit sexuellen Tabus gespielt und dabei Fehler gemacht habe. Der Verteidiger hatte allerdings betont, dass die betreffenden Foto- und Videodateien nicht aus illegalen Quellen gestammt hätten, sondern meist Screenshots von öffentlich für jedermann zugänglichen Onlineseiten gewesen seien: "Wenn man meint, aus den Funden schließen zu können, dass es pädophile Neigungen meines Mandanten gibt, dann ist das schlicht falsch. Jeder, der das Handy sieht, weiß, dass das nicht der Fall ist".

Stand: 01.05.2021, 07:59