Kampf gegen Rassismus: Bundesverdienstkreuz für Dürener

Jo Ecker am Spielfeldrand mit Schildern gegen Rassismus

Kampf gegen Rassismus: Bundesverdienstkreuz für Dürener

20 Jahre hat Jo Ecker aus Düren friedlich gegen Rassismus und Gewalt im Amateur-Fußballsport gekämpft. Dafür wird ihm das Bundesverdienstkreuz im Namen des Bundespräsidenten verliehen. 

Zahlreiche geladene Promis aus Politik und Sport werden anwesend sein, wenn Jo Ecker für sein Engagement gegen Rassismus und Gewalt im Fußball geehrt wird. Sein Name ist mittlerweile bundesweit bekannt.

Aufhören ist keine Option

Seit er 2001 die Initiative „Fussballvereine gegen RECHTS“ gegründet hat, haben ihn zahlreiche Vereine, Politiker, Firmen und Privatpersonen unterstützt. Beispielsweise druckt ein Geschäft in Düren kostenlos sein Logo auf Sporttrickots. An Aufhören denkt der heute 65-Jährige gar nicht erst: „Es macht Spass, weil man fühlen kann, dass sich was bewegt, und es muss sich was bewegen.“

Jo Ecker mit einer Maske gegen Rassismus

Jo Ecker setzt sich seit Jahrzehnten gegen Rechts ein

Angefangen habe alles damit, dass er als Trainer des Fußball-Amateurvereines FC 1908 Düren-Niederau e.V. mitangesehen habe, wie Nazis mit Springerstiefeln und Baseballschlägern Fußballspieler mit Migrationshintergrund bedroht hätten. Er habe den Schiedsrichter darum gebeten, das Spiel zu beenden, bei dem sein Verein 7:0 in Führung gelegen hätte.

Als das aber nicht geschehen sein soll, habe er es selbst beendet und anschließend seinen Verein in Sicherheit gebracht. Er habe etwas ändern wollen und zahlreiche Aktionen ins Leben gerufen, wie zum Beispiel Integrations-Fußballspiele.

10.000 Euro für kostenlose Schilder 

Bereits 2010 hat Jo Ecker neben vielen weiteren Auszeichnungen den Julius-Hirsch-Preis bekommen, benannt nach einem Fußballer, der im Dritten Reich ins Konzentrationslager gebracht wurde. Die Auszeichnung ging mit 10.000 Euro einher.

Von dem Geld lässt er seitdem Anti-Rassismus-Schilder drucken, zuschneiden und klebt davon abends etwa 100 Stück zusammen. „Drei, vier Stunden bin ich damit beschäftigt, aber ich weiß ja wofür es ist, um etwas Böses zu verändern.“ Auf den Schildern seiner Aktion „Vier Schrauben für Zivilcourage“ steht: „Kein Platz für Rassismus und Gewalt.“ 

Knapp 1.500 Vereine machen mit

Jo Ecker schreibt Fußball- und andere Sportvereine aktiv an und gewinnt auf diesem Weg jede Woche zwei bis drei Vereine dazu, die sich von ihm Schilder im Wert von 10 Euro inklusive Porto kostenlos schicken lassen. 1.485 Vereine haben diese Schilder schon in ihren Hallen und an ihren Sportplätzen aufgehängt.

Manchmal werden sie auch zerstört oder verschwinden plötzlich. Dann schickt Ecker einfach neue Schilder: „Wenn ich was mache, dann mach ich das ganz. Ich kann meinen Söhnen und Enkeln sagen, ich hab der Gesellschaft was zurückgegeben, was ich bekommen habe. Es ist ja nicht alles schlecht, was man vom Staat bekommt.“

„Mittlerweile ist mir die Sache wichtiger als die Angst.“

Gegenwind habe er in den vergangenen 20 Jahren genug bekommen. Einen Verein habe er deshalb nie gegründet. „Ich möchte keinen gefährden." Lieber sei er selbst für seine Initiative verantwortlich und bekomme die vielen Drohungen von Rechtsextremen alleine ab. „Ich bekomme Morddrohungen, so zwei, drei im Jahr, mir wird 10-20 Mal im Jahr mit Gewalt gedroht. Seltsamerweise lässt man mich die letzten Jahre mehr in Ruhe als vorher.“

Mit den Drohungen könne er gut umgehen, weil seine Familie ihm Kraft schenke: „Ich werd oft gefragt: Was ist denn, wenn die dich mal killen oder so? Dann sag ich: Dann wird eine Straße nach mir benannt oder wer weiß was.“

Politik und Sport gehören zusammen 

Jo Ecker mit Joachim Gauck auf einer Veranstaltung

Jo Ecker mit dem früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck

Die Unterstützung der Politik sei innerhalb von wenigen Jahren gekommen: Beispielsweise habe NRW-Innenminister Ralf Jäger 2012 die rechtsextreme Gruppierung „Kameradschaft Aachener Land“ verboten, die vorher oft für Ärger auf den Tribünen der Amateur-Fußballspiele gesorgt haben soll. Jetzt seien es hauptsächlich AfD-Mitglieder, die ihm Sorgen bereiten würden.

Zwar träten diese ohne Schlagstöcke auf, würden aber z.B. als Jugendbetreuer in Vereinen hintenrum schlechten Einfluss auf die Kinder ausüben. Seit der Flüchtlingswelle 2015 sei der Fremdenhass im Fußballsport rapide angestiegen. Er sei um jeden Verein dankbar, der seine Initiative unterstützt. 

„Ich würde alles für die Unterstützung des DFB geben"

Der Deutsche Fußball-Bund fahre zwar bereits einige Kampagnen gegen Rechts, aber die Amateurfußballer würden noch größtenteils mit Rassismus-Problemen alleine gelassen, so Ecker. Er wolle sich für alle stark machen.

Auch mit Bundesverdienstkreuz in der Tasche, habe er noch nicht alles erreicht: „Mein Traum ist, dass alle 25.000 Vereine des DFB mein Schild aufhängen. Wenn der DFB mich nicht unterstützt, wird das unmöglich sein. Und ich wünsche mir, dass ich in meiner Freizeit mal Fahrrad fahren und mich um meine Enkel kümmern kann und mich nicht mit Nazis, AfD und sonstigen Idioten rumschlagen muss.“ 

Stand: 11.08.2021, 10:45