Fahrlehrer steht in der Tür seines Autos

Große Nachfrage nach Führerscheinen in Flutregion

Stand: 26.01.2022, 17:12 Uhr

Viele Jugendliche in der Eifel möchten möglichst bald ihren Führerschein machen. Vor allem in der Flutregion wünschen sich viele schnell mehr Mobilität und Unabhängigkeit.

Marius Blatt ist 17 Jahre alt und wohnt in Kall. Wenn er spontan zu Freunden möchte, muss er immer seine Eltern bitten. Busse fahren selten. Sein Ziel ist der Führerschein: "Dann ist man nicht mehr so abhängig und kann einfach in das Auto steigen und los fahren."

Fahrschulplätze heiß begehrt

Er hat Glück gehabt, einen Platz in der Fahrschule zu bekommen, denn die Nachfrage ist groß. In seiner elften Fahrstunde übt er jetzt das langsame Fahren und Bremsen in Tempo-30-Zonen und gesteht: "Die übersehe ich schon mal gerne."

Schlechtere öffentliche Verkehrsanbindung nach der Flut

Viele Jugendliche in der ländlichen Eifel-Region wollen den Führerschein machen, bestätigt sein Fahrlehrer Michael Lauterbach aus Schleiden: "Wir haben hier eine sehr schlechte öffentliche Verkehrsanbindung", erklärt er. "Außerdem ist die Zugverbindung aufgrund der Flut Richtung Köln unterbrochen", so der 41-Jährige.

Fahrschulen komplett ausgelastet

Michael Lauterbach gibt täglich bis zu acht Fahrstunden in der Eifel-Region und beschäftigt einen Mitarbeiter. Die Nachfrage nach dem Führerschein ist groß. Auch umliegende Fahrschulen im Kreis Euskirchen bestätigen, dass sie wegen der fehlenden Infrastruktur komplett ausgelastet sind.

Lange Wartezeit für Führerscheinprüfungen

Zudem müssten Führerscheinanwärter im Kreis Euskirchen Geduld haben und nach dem Einreichen der Prüfungsunterlagen Monate auf ihre Fahrprüfung warten. "Von der Anmeldung bis zur Prüfung kann also durchaus schon mal ein halbes Jahr vergehen", erzählt Fahrlehrer Lauterbach. Das Straßenverkehrsamt sei derzeit vor allem damit beschäftigt, alte Führerscheine auszutauschen. Dazu komme der coronabedingte Krankenstand.

Straßenverkehrsamt arbeitet an Lösungen

Das Amt arbeite aktuell an personellen Lösungen. Zudem sollen Jugendliche, die für den Arbeitsweg auf dem Land vorwiegend das Auto benötigen zukünftig priorisiert werden, heißt es. Fahrschüler Marius Blatt hatte Glück. Er hat schon jetzt einen Prüfungstermin. "Ich habe nur drei Wochen auf meine Papiere gewartet, aber Freunde von mir warten immer noch auf ihren Prüfungstermin", erzählt der 17-Jährige.

Führerschein ist ein Stück Freiheit

Marius bleiben noch drei Fahrstunden bis zu Prüfung. Wenn er die besteht, steht spontanen Ausflügen von Dorf zu Dorf nichts mehr im Wege. "Marius ist fit", sagt Fahrlehrer Lauterbach. "Jetzt geht es nur noch darum, manche Sachen zu wiederholen." Für Marius bedeutet das in den letzten Fahrstunden: Das Bremsen in den Tempo-30-Zonen nicht zu vergessen.

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