Fahrgäste stoppen führerlose Straßenbahn in Bonn

Fahrgäste stoppen führerlose Straßenbahn in Bonn

Von Dietrich Sondermann

  • Bonner Straßenbahnfahrer wird ohnmächtig
  • Fahrgäste stoppen Bahn mit Hilfe der Polizei
  • Fahrgäste unverletzt - Fahrer aus Klinik entlassen

Nach der Ohnmacht eines Straßenbahnfahrers in Bonn haben die Fahrgäste in der Nacht zu Sonntag (22.12.2019) einen kühlen Kopf bewahrt. Als sie bei offenen Schranken bereits mehrere Straßen passiert hatten, konnten sie die führerlose Straßenbahn endlich stoppen.

Geschwindigkeit der Bahn ist unklar

Die Bahn der Linie 66 war nach Mitternacht von Siegburg Richtung Bonn unterwegs, als die Fahrgäste bemerkten, dass der Zug an mehreren Haltestellen einfach durchfuhr. Wie schnell die Bahn unterwegs war, ist unklar. 

Dass die Bahn trotz der Ohnmacht des Fahrers weiterfuhr, liegt am Sicherheitssystem der Stadtwerke Bonn. Während der Fahrt muss der Fahrer permanent einen Hand- oder einen Fußhebel gedrückt halten, sonst stoppt die Bahn. Offenbar hatte der 47-Jährige seinen Fuß auf diesem Hebel, so dass die Bahn keinen Fehler bemerkte.

Fahrgäste handeln besonnen

Die Fahrgäste versuchten vergeblich, die Bahn zu stoppen. Versuche, die Notbremse zu ziehen, zeigten keine Wirkung. Die Notbremsen in den Fahrgastbereichen funktionieren nur, wenn die Bahn an einer Haltestelle steht - beispielsweise, wenn ein Fahrgast sich in der Türe eingeklemmt hat.

Auf freier Strecke, also bei Fahrbetrieb, bewirkt der Zug an der Notbremse ein Warnsignal beim Fahrer. Der kann dann einen kontrollierten Halt einleiten. Die Bahn will damit verhindern, dass die Bahn unkontrolliert oder mutwillig auf offener Strecke gestoppt wird. Da zusätzlich die Türentriegelung betätigt wurde, wäre die Bahn allerdings nach einiger Zeit langsamer geworden und wäre früher oder später ausgerollt.

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Per Fernanleitung wird die Bahn gestoppt

Von links: Anja Wenmakers, Geschäftsführerin Stadtwerke Bonn, Bus & Bahn, Robert Scholten, Pressesprecher PPBonn; daneben ein Mitarbeiter der Stadtwerke, namentlich unbekannt.

Zentraler Leitstand der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Bonn: links Stadtwerke-Geschäftsführerin Anja Wenmakers

Die Fahrgäste reagierten besonnen. Sie telefonierten mit der Polizei, und die kontaktierte während des Gesprächs mit den Fahrgästen die Stadtwerke. Von dort kam schnelle technische Hilfe. Per Telefon konnte ein Techniker erklären, wie die Türe zur Fahrerkabine von außen zu öffnen ist. Das schafften zwei Männer im Alter von 26 und 29 Jahren, indem sie die Scheibe einschlugen.

Passagiere bleiben unverletzt

Blick in die gewaltsam geöffnete Fahrerkabine der Straßenbahn

Nach telefonischer Anleitung öffneten Fahrgäste die Fahrerkabine gewaltsam

In der Folge konnten sie die Bahn abbremsen und an der Haltestelle Adelheidisstraße in Bonn-Beuel zum Stillstand bringen. Alle Fahrgäste konnten die Bahn mit einem gehörigen Schrecken, aber unverletzt verlassen.

Fahrer ohnmächtig am Steuer

In der Fahrerkabine fanden die Retter den Bahnfahrer ohnmächtig vor. Der Mann wurde zu weiteren Untersuchungen in eine Klinik gebracht, die er mittlerweile verlassen konnte. Zu den Gründen für seine Bewusstlosigkeit wurden keine Angaben gemacht. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Stand: 22.12.2019, 18:23

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