Unikliniken Köln und Bonn wollen Effekt von Frühchen-Webcams erforschen

Unikliniken Köln und Bonn wollen Effekt von Frühchen-Webcams erforschen

Von Franca Schön

  • Webcam ermöglicht rund um die Uhr Blick auf das Kind
  • Kameras können Körperkontakt nicht ersetzen
  • Studie untersucht Nutzen der Kameras

Wenn Kinder viel zu früh zur Welt kommen, müssen sie oft monatelang im Krankenhaus bleiben. Der innige rund-um-die-Uhr-Kontakt, den Eltern normalerweise mit ihrem Neugeborenen haben, fehlt bei Familien mit Frühgeborenen.

Deshalb hat die Uniklinik Bonn vor rund zwei Jahren (2017) Webcams über den Brutkästen der Frühchen installiert. Eltern können wählen, ob sie diese Kameras zusätzlich zu ihren Besuchen nutzen möchten oder nicht.

Kameras sind kein Ersatz für Körperkontakt

Hewar Khezrzadeh und ihr Mann Montrée Kaewarporn sind froh über die Kameras. Ihre Tochter Hatao kam völlig überraschend dreieinhalb Monate zu früh zur Welt. Sie wog nur rund 940 Gramm, kann noch immer nicht eigenständig atmen und muss über eine Magensonde ernährt werden.

Seit der überraschenden Geburt ist Hataos Mutter rund um die Uhr in der Klinik. Mittlerweile darf das kleine Mädchen zum Kuscheln mit der Mutter raus aus dem Brutkasten. Diese Momente liebt auch der Vater. Wegen der Arbeit kommt er aber viel zu selten dazu. Wann immer er Zeit hat, ist er online und schaut auf die Webcam. "Die Kamera ist kein Ersatz", findet er, "aber sie hilft mir schon".

Stressfaktor Kamera?

Das empfinden aber nicht alle Eltern so. Manche fühlen sich durch die Kameras gestresst. Ob die Kameras eher nutzen oder schaden, wollen die Bonner Ärzte zusammen mit der Kölner Uni-Klinik und drei weiteren Krankenhäusern herausfinden.

Dafür haben sie eine Förderung vom Bund in Höhe von 1,9 Millionen Euro bekommen und eine Studie auf den Weg gebracht. Sie soll ab Dezember 2019 in der Bonner Uniklinik starten.

Stand: 29.07.2019, 14:47

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