Friseur im Lockdown – so klappt das Haare selber schneiden

Frisör Andreas Dierdorf aus Düsseldorf berät Kunden am Telefon und an der Ladentür

Friseur im Lockdown – so klappt das Haare selber schneiden

Der Düsseldorfer Friseur Andreas Dierdorf eröffnet eine Beratungshotline: Die Not der Kunden ist groß und Friseure bleiben noch länger geschlossen. Uns hat er verraten, wie das selber Schneiden zuhause klappt.

WDR: Im Lockdown werden die Haare grau, und die Schnitte wachsen raus – wie viele Kunden legen da gerade selbst Hand an?

Andreas Dierdorf: Sehr viele. Bei den meisten Kunden, die mich anrufen, geht es um Haarfarbe. Die Leute fühlen sich unwohl, weil graue Haare zu sehen sind oder weil Ansätze rausgewachsen sind. Manchmal rufen sogar Leute an, die ich gar nicht kenne. Da muss ich erst gucken, wie ich helfen kann. Ich lasse ich mir über WhatsApp Fotos von den Haaren schicken, dann gucke ich nach der Farbe.

WDR: Geht da beim Färben auch schon mal was schief?

Andreas Dierdorf: Generell ja, natürlich – oft sogar. Aber die Leute, die bei mir anrufen, wollen ja, dass das möglichst nicht passiert. Die sind Anfänger – und vorsichtig. Sie fragen, bevor sie ihre Haare selbst färben.

WDR: Haare selbst Färben – was geht und was nicht?

Andreas Dierdorf: Grauabdeckung klappt in der Regel ganz gut, Ansätze nachfärben auch – wenn es um dunkle Farbe geht. Vom Haare selbst heller Färben und von hellen Strähnen rate ich dringend ab. Die Erfahrung zeigt: Die Gefahr ist groß, dass da etwas schief geht, wenn man rumexperimentiert - und dann sind wir Frisöre ja gerade auch nicht da, um das zu reparieren.

WDR: Wie läuft das mit der Farbe?

Andreas Dierdorf: Wir geben an unsere Kunden Carepakete raus. Das ist eine Tüte mit allem, was man braucht. Hinten auf der Tüte stehen die Farb-Rezeptur und die Einwirkzeit. Das muss man unbedingt beachten – sonst klappt es nicht.

Natürlich kann man auch Farbe aus der Drogerie nehmen. Aber viele, die das gerade zum ersten Mal machen, haben Schwierigkeiten, die richtige Farbe auszuwählen und zu entscheiden, wie lange die Farbe einwirken soll.

WDR: Wie trägt man die Farbe auf?

Andreas Dierdorf: Ist die Farbe einmal angerührt, trägt man sie mit einem Pinsel auf den Ansatz auf. Dafür eignet sich ein Friseurpinsel am besten – aber ein sauberer Backpinsel tut es zur Not auch. Einwirken lassen, auswaschen – das war's dann auch schon.

WDR: Haare selber schneiden – was ist da möglich?

Andreas Dierdorf: Pony selber schneiden, das kann man gut selbst probieren. Das geht am besten mit der Fransenschere. Wichtig: Den Pony immer trocken schneiden. Die Haare müssen so geschnitten werden, wie sie von alleine trocken fallen. Sonst sieht das hinterher doof aus.

WDR: Haarlänge - wie viel kann ich denn da abschneiden?

Andreas Dierdorf: An die Länge tastet man sich vorsichtig ran. Haare wachsen etwa einen Zentimeter im Monat. Wenn zuletzt vor zwei Monaten geschnitten wurde, könnten also zwei Zentimeter weg.

WDR: Selbst schneiden – was geht noch?

Andreas Dierdorf: Haare an den Seite selbst schneiden geht im Prinzip genauso – ist aber schon schwieriger. Davon, hinten selbst mit der Schere zu schneiden, rate ich ab. 

WDR: Und wie oft werden Sie gefragt, ob Sie nicht doch mal eben schneiden können?

Andreas Dierdorf: Da fragen viele. Aber das mache ich nicht. Es hat ja einen Grund, warum Salons geschlossen sind.

WDR: Jetzt wird der Lockdown noch mal verlängert. Wie ist die Stimmung unter Frisören?

Andreas Dierdorf: Viele haben Angst um ihre Existenz – jeder auf seine Art und Weise. Viele Frisöre gucken zum Beispiel auch genau auf Politiker oder Leute im Fernsehen: Schneidet denen jemand die Haare? Wenn das so aussieht, ärgern sich viele. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, weil sie gerade niemandem die Haare schneiden dürfen.

Und aktuell weiß ja auch niemand, wie es weitergeht. Wie viele Wochen müssen unsere Läden wohl noch geschlossen bleiben?

Die Fragen stellte Sabine Schmitt.

Stand: 28.01.2021, 09:13