Friedensdorf fliegt wieder nach Afghanistan

Die Taliban in Kabul

Friedensdorf fliegt wieder nach Afghanistan

Die neue Taliban-Regierung hat erlaubt, dass die Dinslakener Hilfsorganisation Friedensdorf seine Flüge nach Afghanistan wieder aufnehmen darf – als eine der ersten in Europa.

Am Donnerstag startet das Flugzeug nach Kabul und bringt Hilfsgüter für den Winter und acht Kinder, die in Deutschland medizinisch behandelt worden sind.

84. Afghanistan-Flug

"Ich habe den Eindruck, dass die Kinder, die jetzt nach Hause fliegen, sich sehr freuen, dass das endlich möglich ist, dass sie ihre Familien sehen können, dass sie gesund sind vor allem. Ich habe aber auch den Eindruck, dass die Kinder, die hier bleiben müssen, sich sehr für ihre Freunde freuen", sagt Friedensdorf-Betreuerin Lisa Jung.

Claudia Peppmüller von Friedensdorf International

Es ist zwar bereits der 84. Afghanistan-Flug, aber doch alles andere als Routine. Die Charter-Maschine wird vorsichtshalber sogar Ersatzteile mitnehmen. Claudia Peppmüller, Friedensdorf International: "Wir fliegen ja momentan keinen Airport an, der funktioniert, also der schon für Linienflüge freigegeben ist. Es ist ja alles noch im Aufbau. Natürlich möchte sich die Airline auf solchen Flughäfen absichern, dass wenn der Reifen platzt, auch ein Reifen zur Verfügung steht, auf den man nicht ein halbes Jahr warten muss."

Friedensdorf seit über 30 Jahren aktiv

Seit 1988 holt Friedensdorf kranke und verletzte Kinder zur Behandlung aus Afghanistan nach Deutschland – sogar während der ersten Taliban-Herrschaft vor zwei Jahrzehnten.

Die Friedensdorf-Partnerorganisation Roter Halbmond in Afghanistan gilt als politisch neutral, dennoch war erst ungewiss, ob die neuen Machthaber wieder grünes Licht für die humanitären Einsätze geben würden. "Hier zahlt sich einfach unser Konzept aus, dass wir sagen, ohne eine starke Partnerorganisation vor Ort funktioniert nichts. Und der Rote Halbmond ist da einfach perfekt. Die wissen, wie wir arbeiten, dass wir zuverlässig sind, dass wir ihre Kinder auch zurückbringen. Das ist ja auch ein ganz wichtiger Aspekt", sagt Peppmüller.

Not im Land wächst offenbar

Aber was erwartet Kinder und Helfer jetzt in Kabul? Das ist so ungewiss wie nie. Deshalb bringt Friedensdorf nicht nur die Kinder zu ihren Familien zurück, sondern auch zum Beispiel Decken und Medikamente für den Winter – denn die Not im Land wächst offenbar: "Die Lebensmittelpreise müssen horrend sein aktuell. Unser Partner sagt: Auch die Löhne fließen nicht mehr so, wie sie es gewohnt sind und das macht sie Situation tragisch", so Claudia Peppmüller von Friedensdorf International weiter.

Wenigstens läuft die Hilfe jetzt an. Wenn der Einsatz gelingt, wird es im Friedensdorf demnächst wieder lebhafter zugehen. Dann sitzen hier 27 neue Kinder aus Afghanistan mit am Tisch.

Stand: 04.11.2021, 09:22