Experiment: Wie verhalten sich große Menschenmassen?

Menschenmasse in einer großen Halle

Experiment: Wie verhalten sich große Menschenmassen?

Etwa 1.500 Freiwillige haben in Düsseldorf vier Tage lang an wissenschaftlichen Experimenten teilgenommen. Forschende wollen so herausfinden, wie sich Menschenmengen verhalten.

Spätestens die Loveparade-Katastrophe hat gezeigt, wie wichtig es ist, Menschenmengen richtig zu leiten. Wie sie sich verhalten, soll in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle weiter erforscht werden.

Dabei geht es vor allem um die Sicherheit an überfüllten Bahnhöfen oder bei Großveranstaltungen, aber auch, wie sich verschiedene Menschen verhalten - reagieren Männer anders als Frauen oder große Menschen anders als kleine?

Bahnhofssituationen werden simuliert

In der Veranstaltungshalle wurden dafür Bahnsteige errichtet. Die freiwilligen Teilnehmer durchlaufen vor Ort dann verschiedene Experimente, erklärt Professor Armin Seyfried vom Forschungszentrum Jülich: "Bei einem können wir die Gestaltung dessen, was auf dem Bahnsteig steht, verändern und dann schauen wir, wie sich das Warten der Menschen verhält."

Die Forschenden werden in einem weiteren Experiment untersuchen, wie das Ein- und Aussteigen an Zügen vor sich geht. Wie bewegen sich Menschen im Gedränge? Auch die Coronapandemie spielt bei dem Versuchsaufbau eine Rolle: Die Abstände und die Kontaktdauer der Menschen werden erhoben, um zu berechnen, wie wahrscheinlich eine Ansteckung ist.

Teilnehmer sind verkabelt und werden gefilmt

Die Teilnehmer des Experiments sind durch QR-Codes identifizierbar.

Teilnehmer tragen QR-Codes

Für die Untersuchungen tragen alle Teilnehmer eine Mütze mit einem individuellen QR-Code auf dem Kopf, durch die jede Person identifizierbar ist. Kameras beobachten, wie sich die Test-Bahnfahrer im "Labor-ÖPNV" bewegen und verhalten.

Außerdem sind die Probanden verkabelt, um den Herzschlag zu messen."Die Situation wirkt schon real, aber man merkt auch, dass sich die Menschen ein bisschen rücksichtsvoller verhalten", so eine Teilnehmerin.

Experiment soll Bahnsteige sicherer machen

Schon bei früheren Experimenten, beispielsweise in der Düsseldorfer Messe, haben Wissenschaftler Großversuche zum sogenannten "Crowd Management" durchgeführt. Dabei sollen Menschenmassen so gelenkt werden, dass sich die Ströme in möglichst jeder Situation sicher bewegen.

Die Forscher aus Jülich, Wuppertal und Bochum sind überzeugt, dass ihre Versuche viele wichtige Erkenntnisse bringen, um Bahnsteige und Züge sicherer zu machen.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, beteiligt sind die Bergische Universität Wuppertal, die Ruhr-Universität Bochum, die Veranstaltungstochter D.LIVE und das Forschungszentrum Jülich.

Stand: 11.10.2021, 16:38