NRW-Schulleiter bewerten Schulpolitik mit Note 4

Eine Lehrerin schreibt an eine Tafel, Schüler sitzen im Vordergrund.

NRW-Schulleiter bewerten Schulpolitik mit Note 4

  • Umfrage unter Schulleitern
  • Lehrermangel als häufigstes Problem
  • Schulpolitik in der Kritik

Der Lehrermangel hat sich deutlich verstärkt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die am Freitag (22.03.2019) beim Schulleiter-Kongress in Düsseldorf vorgestellt wurde. In der Umfrage hatten sich mehr als 1.200 Rektoren zu ihrer Berufszufriedenheit geäußert, darunter rund 260 aus NRW.

Zeugnis für Bildungspolitik Aktuelle Stunde 22.03.2019 00:24 Min. Verfügbar bis 22.03.2020 WDR

Deutschlandweit gaben 50 Prozent der Schulleiter an, mit dem Lehrermangel zu kämpfen – in NRW sind es 61 Prozent. "Der Mangel ist kein Randphänomen, er ist bestimmend für die Schullandschaft geworden", kommentierte Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), der die Studie beauftragt hatte.

Die pragmatische Schulministerin - wie Yvonne Gebauer ruhige Schulpolitik macht

WDR RheinBlick 22.03.2019 29:59 Min. Verfügbar bis 22.03.2020 WDR Online

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Immer mehr Seiteneinsteiger

Die Studie zeigt außerdem, dass die fehlenden ausgebildeten Lehrkräfte häufig durch Seiteneinsteiger ersetzt werden: Bundesweit 45 Prozent der Schulleitungen gaben an, Seiteneinsteiger einzusetzen, in NRW liegt der Anteil mit 58 Prozent noch höher.

Die Seiteneinsteiger seien oft nicht ausreichend vorqualifiziert, kritisiert ein Großteil der Schulleiter. Laut VBE sei das schwierig, da diese häufig in Brennpunktschulen eingesetzt würden, an denen die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer besonders gefordert seien. "Hier setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, die bald nicht mehr aufzuhalten ist", so Beckmann.

Lehrer kämpfen mit stärkeren Belastungen

Durch den Lehrermangel würden zudem die ausgebildeten Lehrkräfte immer stärker beansprucht. Laut der Umfrage steigt dadurch die Zahl psychischer Erkrankungen bei Lehrern.

Die Politik erhält insgesamt kein gutes Zeugnis von den Schulleitungen. Nur jeder zehnte Schulleiter fühlt sich durch die jeweiligen Bildungsministerien unterstützt. In NRW erhält die Schulpolitik von den Befragten die Schulnote ausreichend.

Als größte Belastungsfaktoren gaben die Schulleiter das wachsende Aufgabenspektrum sowie die fehlende Beachtung des tatsächlichen Schulalltags durch die Politik in deren Entscheidungen an.

Stand: 22.03.2019, 13:10

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 Stephan Jacobs Seiteneins 23.03.2019, 17:37 Uhr

    Das rumgemähre bezüglich der Seiteneinsteiger geht mir ziemlich auf den Keks. In der freien Wirtschaft ist es überhaupt kein Problem jemanden dessen Qualifikation nicht eins zu eins passt nachzuqualifizieren, wenn derjenige über eine affine qualifizierte Ausbildung verfügt. Bei unseren Seiteneinsteiger passiert nichts anderes. Sie verfügen über ein Fachaffines Studium und werden im Bereich Methodik/ Didaktik/ Pädagogik über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren nachqualifiziert. Pfeiffen dürfte es auf jeder Arbeitsstelle geben und die Anzahl der Pfeifen unter den Seiteneinsteiger wie unter den Regelbewerbern ist nach meiner Beobachtung gleich hoch. Also sollte man aufhören mit diesem Bashing. Mit Regelbewerbern alleine werden in Zukunft nur die Gymnasien auskommen. Alle anderen dürften ohne Seiteneinsteiger erheblich ins Schwimmen kommen.

  • 6 Sandra 23.03.2019, 09:54 Uhr

    Im letzten Schuljahr (11.Klasse) sind zusätzlich zu Lernkompetenztagen, Brückentagen, Ferien und Veranstaltungstagen noch zusätzlich 140 Stunden Unterrichtsausfall also Freistunden angefallen. Was macht das mit den Kindern?! Unterrichtsstoff der für Klausuren und Prüfungen benötigt wird, findet nicht im Unterricht statt und muss je nach Schulklasse teuer privat eingekauft werden. Demotivierte Kinder. Demotivierte Lehrer. Schüler die das Abitur abbrechen, weil sie so keinen Sinn in Schule sehen und lieber eine Ausbildung anfangen.

  • 5 Anonym 22.03.2019, 22:30 Uhr

    Dann ist eine 4 doch noch viel zu gut. Kuschelpädagogik?

  • 4 Ein Vater 22.03.2019, 18:01 Uhr

    Bei dem Scherbenhaufen den ROT/GRÜN hinterlassen hat wundert mich das überhaupt nicht. Es wird sicherlich noch Jahre dauern bis hier wieder eine halbwegs funktionierende Schulpolitik greift. Man erinnere sich: die damalige grüne Bildungsministerin war nicht einmal in der Lage die Ausfallstunden festzustellen.

  • 3 Quod erratisch demonst.. 22.03.2019, 17:55 Uhr

    Es ist keine Auszeichnung der Pädagogik, dass genau dort, wo sie ihre zugesprochene Qualität unter Beweis stellen könnte, nämlich in den Brennpunkten, Absolventen mit Pädagogik-Staatsexamen kneifen und Quereinsteiger die Kastanien aus dem Feuer holen (sollen).

  • 2 aus Bonn und nicht am Gym 22.03.2019, 17:02 Uhr

    Ist es denn eine neue Erkenntnis? Nein. Die Politik wirkt im Schulbereich grob fahrlässig und das seit Jahrzehnten. Man könnte sehr wohl etwas auch mit der vorhandenen Anzahl tätiger Lehrern erreichen, indem man deren Ansehen stärkt. Schulleiter sind die Prügelknaben der Schüler, Eltern und der Politiker, denn ALLES, was in Schule nicht funktioniert, sollen sie regeln und haben doch tatsächlich recht wenig tatsächliche Machtbefugnis. Schulgebäude und Ausstattung (kommunale Zuständigkeit). Personal wird durch die Bezirksregierung beschäftigt. Eltern wollen gymnasiale Kinder, Kinder wollen aber keine Leistung erbringen, Schuld sind die Lehrer. Die Beschwerde richten sie natürlich an den/die Schulleiter/in.

  • 1 Anonym 22.03.2019, 15:48 Uhr

    Warum die Note 4?