Ehemaliger Kölner Förderschüler erhält Schadenersatz

Ehemaliger Kölner Förderschüler erhält Schadenersatz

Von Markus Schmitz

  • Kölner Landgericht stellt Amtspflichtverletzung fest
  • Land NRW zu Schadenersatz verurteilt
  • Ehemaliger Sonderschüler wurde jahrelang falsch eingestuft

Zur Diskussion

Das Kölner Landgericht hat im Fall eines Förderschülers das Land NRW zu Schadenersatz verurteilt. Der jetzt 21-Jährige hatte geklagt, weil er etwa 11 Jahre lang auf eine Förderschule geschickt wurde, obwohl er auch eine Haupt- oder Realschule hätte besuchen können. Grundlage war ein Intelligenztest als Grundschüler, der in den Jahren danach nicht wiederholt wurde.

Das Gericht hat am Dienstag (17.07.2018) eine Amtspflichtverletzung festgestellt. Den Pädagogen hätte bei einer jährlichen Überprüfung auffallen müssen, dass der Jugendliche keinen Förderbedarf im Bereich geistige Entwicklung brauchte. Über die Höhe des Schadenersatzes will das Gericht später entscheiden.

Intelligenztest ohne Dolmetscher

Der mittlerweile 21 Jahre alte Nenad arbeitet zur Zeit als Aushilfe in einem Supermarkt. Er möchte bald die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machen, Bewerbungen dazu laufen. Jahre zu spät, sagt er. Nenad wurde als Kind in einer bayerischen Schule als Förderschüler eingestuft. Das war das Resultat nach einem Test, den Pädagogen mit ihm machten. Sein Intelligenzquotient lag laut Test bei 59.

Förderschüler Nenad

Ehemaliger Förderschüler Nenad

Der Junge war mit seiner Familie aus Serbien nach Deutschland gekommen und sprach kein Deutsch. Bei dem Test war kein Dolmetscher dabei. Diese Einstufung sollte jahrelang seinen schulischen Werdegang bestimmen. Auch als die Familie nach Köln zog, blieb er Förderschüler.

Hilfe von Kölner Vereinen

Mit den Jahren steigert sich Nenads Unzufriedenheit. Er selbst sagt, dass er auf der Förderschule in Köln-Poll nichts gelernt habe. Er bleibt hin und wieder lieber zu Hause und liest dort Bücher. In der Schule geht er auch zum Direktor und sagt ihm: "Ich will einen ordentlichen Abschluss machen, ich will auf eine andere Schule!“

Erst kurz vor seinem 18. Geburtstag schafft es Nenad mit Hilfe von Kölner Vereinen auf ein Berufskolleg zu wechseln und dort einen Hauptschulabschluss zu machen - mit der Note 1,6 als Klassenbester. Später klagt er gegen das Land NRW auf Schmerzensgeld und Schadenersatz in Höhe von mehreren zehntausend Euro - schließlich seien ihm viele Jahre verloren gegangen.

Gutachterin stellt Fehler fest

In dem Prozess hat eine Gutachterin festgestellt, dass in der schulischen Betreuung des jungen Mannes viele Fehler gemacht wurden. Zum Beispiel hätten die Pädagogen versäumt, einen neuen Intelligenztest zu machen, so die Expertin. Sein IQ liege nun bei 94 und somit voll im Bevölkerungsdurchschnitt. Offenbar war der junge Mann nur einmal am Anfang seiner Schulzeit getestet worden, anschließend beließ man es bei dieser Bewertung.

Ex-Förderschüler verklagt NRW

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen | 07.03.2017 | 05:54 Min.

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Stand: 17.07.2018, 10:08

Kommentare zum Thema

10 Kommentare

  • 10 Abendsonne 19.07.2018, 04:12 Uhr

    Ich fände es gut wenn man das jetzt auch zum Anlass nehmen würde und das System hinterfragt. Ich selber hatte Startschwierigkeiten in der Schule wodurch die Frage aufkam, ob ich nicht lieber auf die Förderschule gehen sollte. Mein Glück war, dass ich es dennoch weiter probieren durfte auf der Grundschule. Und so habe ich nur die 1. Klasse wiederholt. Meine Schullaufbahn habe ich mit dem Fachabitur abgeschlossen. Wäre ich damals auf der Förderschule gelandet, wäre ich untergegangen.

  • 9 H. Stock 18.07.2018, 23:37 Uhr

    Bravo Nenad, gratuliere dir von ganzem Herzen. Alles Liebe und Gute fuer dich. Ich umarme dich, heidi

  • 8 DT 18.07.2018, 16:03 Uhr

    Was für eine Perspektive hätte er in Serbien gehabt ? Ein Land zu verklagen, indem man sich auf jeden Fall weiterbildet ??..Fragwürdig. Im Jahre 2000 wollte ich mich zum MCSE weiterbilden...Mein damaliger IT Betrieb hatte mir diesen Kurs (ca. 15000 DM) nicht mitfinanziert... Das Arbeitsamt hätte mir nur im Falle von Arbeitslosogkeit diesen Weg mitfinanziert...Ich hätte mich als heute benötigter "Facharbeiter" weiter qualifizieren können und meinen damaligen Posten für jemand anderen freigemacht....Aber Fehlanzeige... Dadurch sind mir auch JAHRE verloren gegangen, da ich auf der Stelle getreten habe....Hätte ich mal NRW verklagt....Nein Scherz beiseite....Runterschlucken und weiter... Ich verstehe diese gesetzliche Ausbeutung nicht...Alle treten nur noch auf Gesetzen herum, um an Geld zu kommen... Das sind Steuergelder...

    Antworten (1)
    • Flo 18.07.2018, 17:36 Uhr

      Es spielt keine Rolle welche Perspektive er in Serbien gehabt hätte. Ihre Situation ist wohl, nicht auch nur annähernd damit zu vergleichen, was der Junge hat durch machen müssen. Sie berufen sich auf die Gesetze?! Welche dem Jungen laut Artikel 1 GG die Menschenwürde zugesteht. Hätte das System (vom Gesetz) richtig gearbeitet wäre es nicht zu dem Eklat gekommen. Ich verstehe nicht wie Leute immer an allem Rum nörgeln können. Schönen Abend

  • 7 andrea 18.07.2018, 08:29 Uhr

    Klasse! Ich hoffe, die damals Tätigen und Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen - ihnen gehört der Posten oder die Pension entzogen! Aber Hauptsache die Akte ist erledigt! Wahrscheinlich hatte der Junge damals schon einen höheren IQ als die Personen, die ihn als Förderschüler - als Serbe ohne Dolmetscher! - eingestuft haben.

    Antworten (1)
    • Zensurminister 18.07.2018, 15:00 Uhr

      Der Typ hat nen IQ von 94... Durchschnitt in Deutschland ist zwischen 85 und 115. Somit bewegt er sich im unteren Drittel des Durchschnitts.

  • 6 Anonym 18.07.2018, 02:19 Uhr

    Also eine Sache stört mich immer an dem Thema, dass man sich nämlich nicht erklären kann wieso so ein IQ-Test so unterschiedlich ausfallen. Einfache Erklärung, wenn der Prüfer veraltete Herangehensweisen benutzt und dann meint der- oder diejenige sei geistig behindert,dann darf das einen nicht wundern. Mit mir wurden bis jetzt zwei Test, die unterschiedlicher nicht sein konnten gemacht. Der erste , da war ich bereits auf einem Gymnasium und war zwar nicht mehr der Beste der Klasse, was aber eher an Faulheit lag,da wurde mir ein IQ von knapp 90 gegeben,hab das aber erst im Nachhinein erfahren. Dann bekam ich wegen Leistungsdruck Ritalin verschrieben und mein neuer Arzt wollte nachdem er von dem ersten Test erfuhr einen neuen machen. Der war dann auch wirklich ein Test, also wie in dem Video und nicht irgendwas was mal gerade 30 Minuten dauert.

  • 5 Tri Komplex 17.07.2018, 14:27 Uhr

    Krass! und wohl kein Einzelfall - wenn ich an mich selbst denke, wurde ich in der Grundschule als Legastheniker eingestuft. Meinen Eltern gab man die "gut gemeinte" Empfehlung, dass die Sonderschule wohl die bessere Alternative für mich wäre. Glücklicherweise ließen sie sich darauf nicht ein. Heute nach Abitur und Studium weiß ich, dass ich einfach nur zu früh eingeschult wurde.

  • 4 Anonym 17.07.2018, 13:56 Uhr

    ja zur meine Schulzeit wurden die Gastarbeiter kinder gern in der Sonderschule geschickt. die wenigsten Eltern dieser kinder haben überhaupt verstanden um was genau das es geht. heute sind die alle Hilfsarbeiter oder hartzer

  • 3 moeschtijall 17.07.2018, 13:44 Uhr

    Auch in den Schulen gilt...der Schwächere bleibt immer auf der Strecke! Die Klassen sind zu groß und Pädagogen/Lehrer haben immer weniger Intresse daran sich mit den Problemen der Kinder zu beschäftigen. Wie auch... inzwischen haben Kinder und Eltern ja mehr zu sagen als die Pädagogen/Lehrer. Sogar die Schulform der weiterführenden Schule bestimmen inzwischen die Eltern...nicht das Fachpersonal!

    Antworten (1)
    • Sabine 17.07.2018, 15:24 Uhr

      Nicht nur die Schwachen haben das Nachsehen. Auch die stärkeren. Alle, die sich nicht der Masse anpassen. Alle sollen gleich schnell lernen und auf die selbe Art und Weise, doch das funktioniert nicht. Mich empfand meine damalige Grundschullehrerin als störend und konnte mich nur abwerten. Ich konnte als erste lesen, rechnen, schreiben, war völlig unterfordert. Sollte mich „runterdummen“. So viele, die von der Schule abgehen, werden als dumm und faul abgestempelt. Dahinter stecken aber oft ganzandere Dinge....

  • 2 Förderschule 17.07.2018, 13:42 Uhr

    Hallo Dies scheint wohl öfter zu pasieren ! Auch ich habe in meiner Bekanntschaft einen "Jungen" (inszwischen 40 Jahre alt), der bei seiner Einschulung so eingestuft wurde. Ich und auch andere, meine Bekannte sowieso, halten ihn für recht intelegent ! Zumindest einseitig begabt scheint er zu sein ! In Sachen Compute z.B. kann ihm kaum jemand einen vormachen. Aber - - aufgrund seiner Vorgeschicht bekam er keine Ausbildung in diese Richtung ((Administrator z.B, würde er sicherlich schaffen. Ich kenne die Ausbildung von meinem besten Freund) Jetzt arbeitet er bei der Lebenshilfe in der Werkstatt und sotiert Schrauben ect. !!! Seine Mutter wäre unheimlich froh ,wenn er einen Beruf erlernen könnte, mit dem er sich ernähren könnte + mehr. Es würde auch die Gesellschafft endlasten !!! Vieleicht wäre das auch ein Thema für Ihre Magazinsendungen. Liebe Grüße Christel Lehmhaus

  • 1 Wassertrinker 17.07.2018, 13:08 Uhr

    Richtig so! Das Unrecht stinkt zum Himmel. Da sollte direkt die Befähigung der Verantwortlichen, Lehrer, Schulleiter etc. geprüft werden. Aber nach jahrelanger linksgrünroter Politik sind wir ja alle gleich (schlau!). ;-)