Mann zeigt Schäden, die drei Monate nach der Flut immer noch an seinem Haus zu sehen sind

Schleppende Wiederaufbauhilfe verärgert Flutopfer

Stand: 15.11.2021, 07:05 Uhr

Flutopfer im Rheinland sind verärgert über die schleppende Auszahlung von Wiederaufbauhilfe. Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) bestätigt, dass die Auszahlung begonnen habe.

Von Erik Butterbrodt

Stefan Müller ist sauer. Sein komplettes Hab und Gut und das seiner Lebensgefährtin Marianne Kappes hat es am 14. Juli weggespült. Vor sechs Wochen hat er einen Antrag auf Wiederaufbauhilfe nach der Flutkatastrophe gestellt - über das Land NRW. Geld geflossen ist bis heute nicht. Gemeinsam hat das Paar ein Haus in Bergisch Gladbach. Der Gutachter beziffert den Schaden auf über eine halbe Million Euro.

"Gefühlt auf dem Stand von vor drei Monaten"

Wenn er das Ausmaß der Katastrophe heute sieht, ist er immer noch fassungslos. “Das ist das Schlafzimmer, wo die Decke eingekracht ist. Die komplette Wand hat es durchgeschlagen. Vom 14. Juli bis jetzt sind wir gerade mal so weit, dass wir die Böden rausgerissen haben, weil es gar nicht anders ging – weil das Wasser unter dem Estrich stand. Gefühlt sind wir auf dem Stand von vor drei Monaten.

NRW-Bauministerium: Bereits tausende Anträge eingegangen

So wie Marianne Kappes und Stefan Müller geht es vielen Menschen im Rheinland. Sie kommen mit dem Wiederaufbau nicht voran, weil das beantragte Geld nicht fließt. NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) steht aufgrund der schleppenden Auszahlung in der Kritik. Gegenüber dem WDR erklärt sie: „Wir haben Stand heute rund 30 Prozent aller Anträge bewilligt. Die Herausforderung ist: wir haben rund 8300 Anträge vorliegen. Und jeder Antrag muss angesehen werden. Ob er plausibel ist oder ob noch Unterlagen fehlen, die dann auch nachgefordert werden. Und da wir fast die Hälfte des Landes betroffen haben, gilt es, die Mitarbeiter so zu schulen, dass auch Gleiches gleich beschieden wird. Und da kommen wir jeden Tag besser ins Verfahren.

Leverkusen: Mitarbeiter für Fluthilfe abgestellt

Auch in Leverkusen sind viele Menschen Opfer der Flut geworden. Sie wollen Hilfsgelder beantragen. Doch kommen einige nicht zurecht mit den Antragsformularen im Netz. Deshalb suchen sie Hilfe bei der Stadt, die auf den Ansturm der Betroffenen reagiert hat.

 „Wir haben Mitarbeiter zusammengezogen, die die Menschen im Bürgerbüro persönlich beraten. Die kommen dahin, bringen ihre Unterlagen mit. Wir füllen die aus für die, weil das oftmals zu kompliziert ist. Das Angebot halte ich eigentlich für das Wesentlichste. Und das wird auch gut angenommen.“, sagt Kämmerer Michael Molitor (CDU).

Allein an städtischen Gebäuden sind in Leverkusen Schäden in Höhe von 87 Millionen Euro entstanden. Deshalb dauere es bis Ende des Jahres, bis diese komplett erfasst und Fluthilfe beantragt sei. So hat die Stadt mit eigenem Geld und  einer Soforthilfe von einer Million Euro vom Land erste Schäden beseitigt.

10.000 Soforthilfe und Spenden

Marianne Kappes und Stefan Müller aus Bergisch Gladbach haben bislang aus Spenden und Soforthilfe gut 10.000 Euro erhalten. Damit können sie kaum etwas anfangen. Sie mussten ins Dachgeschoss ziehen, den einzigen noch bewohnbaren Bereich des Hauses. Und jetzt kommt der Winter.

Das Wasser ist reingekommen durch die Fenster, die jetzt im Moment zu sind. Die haben wir für den Winter schon mal ein bisschen vorbereitet.“, sagt Stefan Müller im Badezimmer stehend, das jetzt eine Ruine ist. Dass ihr Antrag angekommen ist, wissen Stefan Müller und Marianne Kappes zumindest schon mal. Nun soll das Warten endlich ein Ende haben.

Stefan Müller: „Das alles hier wurde in 30 Jahren aufgebaut und in einer halben Stunde vernichtet. Das muss wieder aufgebaut werden. Das ist eine Art der Rente.