Flutopfer finden neue Heimat in Tagebaudorf Kuckum

Mann und Frau sitzen an einem Tisch auf einer Terasse eines Hauses

Flutopfer finden neue Heimat in Tagebaudorf Kuckum

Von Thomas Wenkert

Eigentlich soll der kleine Ort Kuckum schon bald dem Tagebau Garzweiler weichen. Doch jetzt gibt er den Menschen eine neue Heimat, die durch die Flut alles verloren haben.

Johnny und Clarissa sitzen im Wohnzimmer eines Einfamilienhauses in dem kleinen Ort Kuckum driekt am Rande des Tagesbaus. In diesem Haus haben einmal andere Menschen gewohnt, jetzt ist es ihr Zuhause - zumindest vorübergehend.

In Stolberg alles verloren

Kuckum ist eines von sechs Ortschaften, die für den Braunkohlentagebau Garzweiler II abgerissen werden sollen. Nach der großen Flutkatastrophe im Juli hat RWE den Betroffenen angeboten, in die leerstehenden Häuser ziehen zu können. Die 24-jährige Clarissa und ihr zwei Jahre älterer Freund haben das Angebot angenommen.

Die schlimmsten Stunden ihres Lebens hat das junge Paar in Stolberg erlebt. “Wir hatten dort eine sehr schöne Wohnung. Ein sehr große”, erzählt Johnny, der in der IT-Branche arbeitet. Es war schwer, eine solche Wohnung zu finden. Johnny und seine Freundin haben schon überlegt, die Wohnung zu kaufen.

“Fußbodenheizung, offene Küche, großer Garten, da hat einfach alles gepasst”, schwärmt Clarissa mit Tränen in den Augen. Um nun Zeit zu haben, eine neue Bleibe zu finden, haben sie das Angebot von RWE angenommen, wohnen seit August in Kuckum.

Neue Bleibe bringt Ruhe

Natürlich ist das Haus in Kuckum noch karg eingerichtet. Aber das Nötigste haben sie - auch, weil RWE geholfen habe. So gibt es eine komplette Küche und auch die ersten Möbel stehen schon.

“Wir fühlen uns wohl. Es ist ein schönes Haus, es ist hell. Der Platz ist da, um alles aufstellen zu können, was wir noch mitnehmen konnten. Man muss sich halt daran gewöhnen”, sagt Johnny. Er kann von zu Hause arbeiten, seine Frau pendelt jeden Tag nach Übach-Palenberg, sie ist gelernte Industriemechanikerin.

Überraschender Besuch der Vorbesitzer

Überrascht hat sie der Besuch der Vorbesitzer des Hauses. Diese hätten sich gefreut, dass das unbewohnte Haus nun doch wieder genutzt wird und Menschen in dieser schwierigen Situation helfen kann.

Bis zu 15 Monate dürfen Johnny und Clarissa in dem Haus in Kuckum bleiben. Ob sie bis dahin eine neue Bleibe gefunden haben, wissen sie nicht. Das junge Paar will jetzt in Kuckum zur Ruhe kommen und Pläne für das gemeinsame Leben schmieden. Fest steht schon jetzt: Sie wollen heiraten.

Stand: 20.08.2021, 17:48