Zu sehen ist eine Häuserzeile an einem Fluss oder Bach. Man sieht Schilder wie Cafe und Apotheke. Davor stehen Bauarbeiter.

Infrastruktur nach der Flut: Was geschafft wurde, was noch zu tun ist

Stand: 12.07.2022, 14:39 Uhr

Ein Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe in NRW läuft der Wiederaufbau in den betroffenen Städten und Kommunen. Das Land hat ihnen mehr als 740 Millionen Euro bereitgestellt – etwa um Kitas, Feuerwehrhäuser, Straßen und Brücken neu zu bauen. Dabei soll besonders auf Hochwasserschutz geachtet werden.

Von Marius Reichert

Überall Hämmern, Klopfen, Sägen. So klingt Bad Münstereifel ein Jahr nach der Katastrophe. Bereits vor der Flut wollte die Stadt vieles verändern. Mehrere Konzepte hatte Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian (CDU) dafür in der Schublade - auch Pläne für mehr Hochwasserschutz: „Wir werden sehr viel anders machen“, sagt die CDU-Bürgermeisterin. Sie denkt dabei vor allem an Rückhaltebecken und Retentionsflächen vor den Stadttoren. In der Stadt bekommt das Pflaster breitere Fugen, damit Wasser besser abfließen kann.

Leitungen nicht über Brücken

Auch die Energieversorger wollen Lehren aus der Flut ziehen. Das Wasser hatte Gas-, Strom- und Wasserleitungen zerstört. „Nach der Flut lagen viele unserer Versorgungsleitungen frei. Dafür suchen wir jetzt andere Trassen“, erklärt Markus Böhm, Geschäftsführer beim regionalen Energieversorger e-regio. Außerdem sollen wichtige Leitungen nicht mehr über Brücken geführt werden.

Neue Brücke bei Swisttal

Vor einem Jahr glichen manche Autobahnabschnitte auf A1 und A61 einer Seenlandschaft. Heute sind alle Abschnitte wieder befahrbar, viele Brücken wurden wegen vereinfachter Vergabeverfahren in Rekordzeit saniert. Nur eine, über den Schießbach bei Swisttal, soll erst Ende 2023 fertigwerden. „Wir werden Brücken in Zukunft – da wo es geht – breiter bauen. Aber bei solchen Katastrophen muss auch klar sein: Sie sind nicht zu 100 Prozent beherrschbar“, sagt Thomas Ganz von der Autobahn GmbH.

Bahnstrecke frei bis Kall

Bei der Bahn bleibt dagegen noch viel Arbeit. Seit dem 12. Juni können Pendler immerhin die 10-km-Strecke zwischen Mechernich und Kall wieder nutzen. Bis Ende 2023 werden die Bahngleise bis Nettersheim wiederhergestellt. Hier waren die Schäden so groß, dass mehrere Brücken neu gebaut werden müssen. Zudem ist laut Bahn geplant, die Strecke zu elektrifizieren.

Zurück in Bad Münstereifel. Bauarbeiter arbeiten im Akkord. Zum Jahrestag und einer großen Gedenkfeier will die Stadt sich herausputzen. Auch wenn allen klar ist, dass noch viel zu tun bleibt, ist sich die Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian sicher: „Wir gucken nach vorne und machen unsere Stadt Stück für Stück schöner und nachhaltiger.“

Über dieses Thema berichten wir am 14. Juli 2022 im WDR5-Morgenecho.

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