Flutweingelder für Winzer kommen nicht an

02:38 Min. Verfügbar bis 26.01.2023

Flutwein-Spende: Ahr-Winzer warten auf diese Hilfe

Stand: 26.01.2022, 17:32 Uhr

Fast sieben Millionen Euro an Spenden sind für betroffene Winzer im Ahrtal zusammengekommen – unter anderem dank einer Initiative, die knapp 200.000 verschlammte Weinflaschen weltweit verschickt hatte. Doch von dem Erlös sehen die Winzer bislang keinen Cent.

Von Marius Reichert

Ein paar Flutweinflaschen, schlammverschmiert, hat Winzer Peter Kriechel noch in seinem Weinkeller stehen. In Kisten, original verpackt und einzeln in einem Weinregal. „Diese Flaschen sind ein Mahnmal und erinnern an die Flut“, sagt der Winzer aus Ahrweiler.

4,5 Millionen Euro Spenden

Woanders sind die meisten Keller leer. Rund 175.000 „Flutwein“-Flaschen wurden über eine Crowdfunding-Plattform gegen Spenden weltweit verschickt. Etwa 4,5 Millionen Euro kamen so zusammen. Mit weiteren Spenden stehen zur Zeit satte sieben Millionen Euro auf dem Hilfe-Konto. Doch bislang kann kein Winzer das Geld nutzen.

Flutweingelder für Winzer kommen nicht an

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Spenden nur an Privatleute

Denn Winzerbetriebe gelten als Unternehmen. Und an die – so sagt es das Finanzministerium in Berlin – dürfen normalerweise keine Spendengelder fließen. Zwei Ausnahmen gibt es, die für die Winzer allerdings nicht in Frage kommen: Spenden für einen gemeinnützigen Zweck oder hohe Steuern auf die Auszahlung der Spendengelder.

Für die Winzer ist das ein Skandal – sie schätzen den Schaden an Betrieben und Weinbergen im Ahrtal auf etwa 300 Millionen Euro. „Hier sind Kollegen, die stehen wirklich vor dem Bankrott, und da werden die Gelder dringend benötigt – und die Gelder, sie sind ja da“, sagt Peter Kriechel.

Weinbaupräsident Hubert Pauly hat Sorge, dass der Streit um die Spendengelder vielen seiner Kollegen Hoffnung für die Zukunft nehmen könnte. Neben den verlorenen Gerätschaften und dem teuren Wiederaufbau in den Betrieben drohen möglicherweise langfristige Ernteausfällen durch zerstörte Anbauflächen.

„Diese Spendengelder sind ein wichtiger Anreiz, und sollen die Menschen auch darin bestärken, weiterzumachen“, sagt Pauly. Seine Winzerkollegen suchten gerade „jeden Strohhalm, an dem sie sich festhalten können“. Die Spenden aus den Flutweinen könnten „eine Lücke schließen zwischen der staatlichen Wiederaufbauhilfe und den eigenen Reserven“ sein, so Pauly weiter.

Opposition schaltet sich ein

Aktuell kommt Bewegung in den Streit um die Spendenerlöse. Die CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz forderte jüngst in einem Papier: „Die Landesregierung muss umgehend eine einfache Ausnahmereglungen auf den Weg bringen, damit die gesammelten Spenden an die Flut-Weingüter fließen und es in den Betrieben weitergehen kann.“ Die Landesregierung sucht – gemeinsam mit dem Bund – nach einer Lösung und geht davon aus, dass sie in zwei Wochen eine Antwort für die Winzer hat.

Winzer Peter Kriechel aus Ahrweiler und seine Kollegen hoffen weiter, dass die Antwort aus Mainz positiv ausfällt und sie bald schon das Geld für den Wiederaufbau nutzen können – ohne darauf hohe Steuern zahlen zu müssen. „Wir wollen das Ahrtal wieder aufbauen. Wir ziehen hier alle an einem Strang.“

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