Amtsgericht Euskirchen verurteilt Flut-Plünderer

Flut-Plünderer vor Amtsgericht Euskirchen.

Amtsgericht Euskirchen verurteilt Flut-Plünderer

Von Christoph Hensgen

Vor dem Amtsgericht Euskirchen ist ein Mann zu zwei Jahren und drei Monaten Haft wegen versuchten Diebstahls in einem besonders schweren Fall verurteilt worden. Der 37-Jährige wollte nach der Flutkatastrophe in der Euskirchener Innenstadt Geschäfte plündern.

Die Bonner Staatsanwaltschaft wirft dem mehrfach vorbestraften Mann drei Einbrüche vor. Eine Woche nach der Flut war der Mann laut Anklage erst in ein Wettbüro, dann in ein Handy-Geschäft und schließlich in eine Buchhandlung eingedrungen – mit Hilfe einer Axt. Alle Geschäfte liegen in der Euskirchener Innenstadt, die vom Hochwasser Mitte Juli besonders stark getroffen wurde.

Angeklagter nutzt "gemeine Gefahr" aus

Die Geschäfte waren nach der Überflutung geschlossen worden, wegen des Stromausfalls funktionierten die Alarmanlagen nicht. "Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte damit für seine Taten eine gemeine Gefahr ausgenutzt", erklärt Tobias Gülich, Stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Euskirchen.

Im Wettbüro habe der Mann nichts erbeutet, sondern lediglich einen Süßigkeitenautomaten aufgebrochen. In dem O2-Geschäft und der "Thalia"-Buchhandlung, so die Anklage, hatte der Mann jeweils vergeblich versucht, den Tresor aufzubrechen. Beamte der niedersächsischen Bereitschaftspolizei hatten den 37-Jährigen am letzten Tatort festgenommen. Die Polizisten hatten ihre örtlichen Kollegen nach der Flutkatastrophe unterstützt.

Blutspuren überführen 37-Jährigen

Im Strafprozess gestand der Angeklagte lediglich in die Buchhandlung eingestiegen zu sein. Doch das Gericht lastete dem mehrfach vorbestraften 37-Jährigen auch den Einbruch in das Wettbüro an. Dort hatte die Polizei Blutspuren des Mannes gesichert. Nur die dritte Tat konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Zwei Jahre und drei Monate muss der Mann jetzt ins Gefängnis. Schon während der Einbrüche hatte er sich wegen zuvor begangener Straftaten nur zur Bewährung auf freiem Fuß befunden.

Bis heute sind die Folgen der Flutkatastrophe in der Euskirchener Innenstadt noch deutlich sichtbar. Zahlreiche Geschäfte, die noch saniert werden müssen, stehen leer.

Stand: 29.11.2021, 17:19