Hochwasser an der Ahr: So sah es 1910 und 1804 aus

Stand: 03.01.2022, 16:00 Uhr

Schon früher gab es im Ahrtal verheerende Hochwasser. Zuletzt 1910. Die Fotos und Zeitungsartikel sind der Flut von 2021 erstaunlich ähnlich.

Von Angela Sinne

Den vergilbten Zeitungsartikel besitzt Elmar Schmitz eigentlich schon lange. Er hat ihn von seinem Großvater geerbt. Aber richtig entziffert hat er den einundert Jahre alten Text erst vor ein paar Wochen. Er erzählt von der großen Ahrtal-Flut im Juni 1910.

Die Jahrhundertflut 1910

Auch dies war eine Jahrhundertflut. Tagelanger Regen, dann heftige Wolkenbrüche. Die Ahr stieg sprunghaft an und riss alles mit sich. Die Zerstörung: gigantisch. Häuser dem Erdboden gleich, Brücken mitgerissen, 52 Tote.

Die Tragödie auf Postkarten

Zerstörte Brücke in Maischoß durch die Ahrflut 1910

Heinz Ley hat sogar Postkarten davon. Obwohl ein Großteil seiner Sammlung in Dernau in diesem Sommer weggeschwemmt wurde, ist ausgerechnet der Ordner mit den Karten von 1910 trocken geblieben. Ein wahrer Schatz: Mehr als 60 Bilder, die das damalige Unglück zeigen. Und die er heute mit anderen Augen ansieht: "Man denkt direkt, es hat ähnlich ausgesehen wie 2021."

Zwar war 1910 nicht jedes Dorf betroffen, die Schäden trotzdem riesig. Damals wurde gerade die Bahnstrecke gebaut. Viele Gastarbeiter wohnten in Baracken nah am Fluss. Die meisten konnten nicht mehr fliehen.

Die Jahrhundertflut 1804

Ponsart: Das Hochwasser der Ahr im Jahre 1804

Geograph Dr. Thomas Roggenkamp hat die Hochwasser der Ahr für die Bonner Uni erforscht. Auch die große Flut vor 200 Jahren. Im Juli 1804, mit 63 Toten: "Wir wissen, dass entlang der Ahr Menschen gestorben sind und ganze Orte zerstört wurden. Es wurden Brücken und Häuser zerstört und es war im Prinzip die gleiche Katastrophe, die wir auch jetzt festgestellt haben."

Die gleiche Wassermenge wie 2021

Er hat berechnet, dass die Wassermassen 1804 fast genauso groß waren wie die im Juli 2021. Trotzdem stieg das Wasser diesmal noch höher. Weil die Menschen in den letzten 200 Jahren so viel gebaut haben. Die Ahr hatte weniger Platz, um in die Breite zu gehen und ist dadurch viel stärker in die Höhe gestiegen.

Problem des Vergessens

Durch den langen zeitlichen Abstand sei bisher jede dieser Katastrophen irgendwann in Vergessenheit geraten: 

"Die 100 Jahre dazwischen haben immer wieder ausgereicht, um die Hochwasser und auch das Risiko zu vergessen, das in so einem Tal besteht. Insofern ist es ganz wichtig, diese Erinnerungen an alte Hochwasser lebendig zu halten. Und damit das Risikobewusstsein zu schärfen."

Fotostrecke der Ahrfluten 1910 und 1804

Flutbilder von 1910 und 1804

Zerstörte Brücke in Maischoß durch die Ahrflut 1910

Zerstörte Brücke in Maischoß durch die Flut 1910

Zerstörte Brücke in Maischoß durch die Flut 1910

Überflutete Poststraße in Bad Neuenahr durch die Flut 1910

Zerstörte Häuser in Müsch

Särge mit Flutopfern in Schuld

Straßentunnel in Altenahr nach der Flut 1910

Überflutete Straßen in Marienthal

Ponsart: Das Hochwasser der Ahr im Jahre 1804