11. April 1996: Der verheerende Flughafenbrand von Düsseldorf

Qualm über dem Düsseldorfer Flughafen 1996.

11. April 1996: Der verheerende Flughafenbrand von Düsseldorf

Von Noah Matzat

Vor 25 Jahren brannte der Düsseldorfer Flughafen. Das Feuer ging als schwerstes Flughafenunglück Deutschlands in die Geschichte ein. Über eine Katastrophe, die bis heute nachwirkt.

Eine schwarze Rauchwolke rollt langsam durch den Terminal A am Flughafen Düsseldorf. 17 Menschen sterben an den Folgen des Rauchs und der Flammen, 88 weitere werden verletzt. Zusätzlich entsteht ein Sachschaden von rund einer Milliarde D-Mark. Der 11. April 1996 wird als jener Tag in die Geschichte eingehen, an dem das schlimmste Flughafenunglück Deutschlands passiert ist.

Zum 25. Jahrestag des Brandunglücks sind am Sonntagnachmittag Fluggäste, Besucher und Mitarbeiter über eine terminalweite Durchsage zu einer Gedenkminute eingeladen worden. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) legte gemeinsam mit Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) und Vertretern des Flughafens im Gedenkraum des Airports einen Kranz nieder.

Feuer breitet sich rasend schnell aus

Ein Taxifahrer meldete der Flughafenfeuerwehr damals um 15:31 Uhr, er habe Funken an einer Decke im Terminal A gesehen. Die Feuerwehrmänner überzeugen sich selbst, entdecken die Schweißarbeiten und fordern die Arbeiter auf, aufzuhören.

Doch es ist zu spät. Die Zwischendecke über einem Blumenladen hatte zu glühen begonnen, der Brand breitete sich in der Decke blitzartig aus. Die Zwischendecke "zündete durch", wie Brandexperten sagen. Innerhalb kurzer Zeit entstehen riesige, schwarze Rauchschwaden. Die Menschen sehen nichts mehr, sie tasten sich vorwärts, schließen sich in Schränken und Waschräumen ein oder versuchen verzweifelt einen Ausgang zu finden.

Umliegende Löschzüge kommen zur Hilfe

Die Flughafenfeuerwehr merkt, dass sie den Brand nicht alleine unter Kontrolle bringen kann. Sie fordert Hilfe aus der Umgebung an, unter anderem aus Neuss und Duisburg. Insgesamt kämpfen 1.000 Rettungskräfte gegen die Flammen. Weil die auswärtigen Feuerwehrleute keine Gebäudepläne besitzen, gestaltet sich das Vorankommen schwierig.

Brandkatastrophe 1996: Der Flughafen Düsseldorf in Schockstarre

Das Brandunglück am Düsseldorfer Flughafen jährt sich am 11. April zum 25. Mal.

Qualm über dem Düsseldorfer Flughafen 1996.

Rauchschwaden steigen vom Düsseldorfer Flughafen auf.

Rauchschwaden steigen vom Düsseldorfer Flughafen auf.

Vor dem Flughafen herrscht Chaos.

Die Rauchwolke ist auch außerhalb des Gebäudes nicht zu durchblicken.

Die Rettungskräfte versuchen ihr Möglichstes, um Menschen aus dem Gebäude zu retten.

Teile des Gebäudes sind komplett ausgebrannt.

Erst gegen 16.30 Uhr erreichen sie die Ankunftsebene des Terminals. Dort sind bereits 16 Menschen im Rauch erstickt. Besonders hart trifft es die VIP-Lounge von Air France. Dort sterben acht Menschen, die den Raum wegen des dichten Rauchs nicht verlassen konnten. Lediglich einer von den Gästen schafft es, sich mit dem Wurf eines Sessels durch eine Scheibe zu befreien.

Schlimme Bilanz

16 Tote und 88 Verletzte zählen die Rettungskräfte am Ende des Tages. Ein weiteres Opfer erliegt seinen Verletzungen Wochen nach dem Brand. Der Flughafen ist teils zerstört, teils mit hochgiftigen Dioxinen verseucht. Der Schaden bemisst sich auf rund eine Milliarde D-Mark. Als Brandursache stellt eine Expertengruppe der NRW-Landesregierung die Schweißarbeiten an einer Dehnungsfuge fest aus der glühende Perlen auf Hartschaumplatten aus brennbarem Polystyrol getropft waren. Aber Mängel am Flughafen brachten die Katastrophe erst zu ihrem vollen Ausmaß.

Experten decken gravierende Mängel auf

So gab es keine Rauchmeldeanlage, Fluchttüren fehlten, die Werksfeuerwehr war unterbesetzt, die Aufzüge blieben stecken und die Entrauchungsanlage versagte, stattdessen verteilte die Klimaanlage die lebensbedrohlichen Gase im Terminal. All das ergaben die Ermittlungen einer Expertenkommission. Außerdem hatte ein Architekt in der VIP-Lounge der Air France keine rauchdichte Tür eingebaut.

Wer trägt die Schuld?

Der Flughafen will den Flugverkehr in den kommenden Wochen aufrecht erhalten und baut provisorische Abfertigungszelte für Fluggästen auf. Mitte Mai 1996 werden wieder rund 80 Prozent des Flugverkehrs abgewickelt.

1999: Kräne und andere Baumaschinen errichten den Flugsteig B am Düsseldorfer Flughafen.

1999: Drei Jahre nach dem Brand wird Flugsteig B neugebaut und der alte Tower erhalten.

Die strafrechtliche Aufarbeitung der Katastrophe beginnt im Dezember 1999. In einem Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht müssen sich zunächst elf und später noch neun Angeklagte verantworten. Den Airportangestellten, Architekten, Brandschutzexperten und Schweißarbeitern werden Fahrlässigkeitsdelikte vorgeworfen. Doch nach insgesamt 89 Verhandlungstagen stellt das Gericht den von Pannen überschatteten Prozess im Oktober 2001 gegen Geldauflagen ein - wegen geringer Schuld der Angeklagten.

Baurecht geändert

Erhebliche Konsequenzen hatte der Flughafenbrand hingegen im Baurecht. So führte die Analyse des Großfeuers unter anderem zum Verbot bestimmter Baustoffe. Die Anforderungen an Klima- und Lüftungsanlagen wurden verschärft, auch die Installation von Entrauchungsanlagen zum Freihalten von Rettungswegen wurde vorgeschrieben.

Stand: 11.04.2021, 06:58

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