Fischzählung an der Ahr

Fischzählung an der Ahr Lokalzeit Live 20.10.2021 02:37 Min. Verfügbar bis 20.10.2022 WDR Bonn Von Anette Flentge

Fischzählung an der Ahr

Von Anette Flentge

Welche Auswirkungen hat die Flut auf den Fischbestand an der Ahr? Das versucht die obere Fischereibehörde Koblenz herauszufinden.

"Groppe 8, Groppe 7, zwei Schmerlen 7" – Der Mann, der das ruft steht mit seinem Kescher im Wasser der Ahr. Es ist keine Geheimsprache, sondern die Fischart und ungefähre Länge. Derzeit sind die Fischzähler an der mittleren Ahr bei Dernau unterwegs.

Spezialkescher locken die Fische ins Netz

Am Ufer wird dazu Strichliste geführt. Eingefangen nach nur wenigen Sekunden mit Spezialkeschern von Biologe Jörg Schneider und seinem achtköpfigen Team. Mit drei Elektrokeschern scheuchen sie die Fische auf, geben sie dann zum Zählen in größere Netze.

20 Fischarten waren vor der Flut in der Ahr

Sie sind schnell. Gehen dem Strom entgegen, um die Fische nicht doppelt zu zählen. Groppen, Schmerlen, Neunaugen, Döbel zappeln im Netz. Aber auch eine Forelle, die sie gleich vermessen. 38 cm ist sie lang, klingt für den Biologen nach einer normalen Größe.

Eine Forelle an der Ahr wird durch den Fischereiverband Rheinland-Pfalz gemessen

38 Zentimeter: Eine Forelle an der Ahr wird gemessen

20 verschiedene Fischarten gab es vor der Flut in der Ahr. Roland Mauden von der oberen Fischereibehörde Koblenz hat das Team beauftragt. "Die Ahr hat bisher eine sehr wertvolle und natürliche Fischlebensgemeinschaft gehabt. Und wir wollen jetzt anhand der Ergebnisse prüfen, ob hinreichend Fische in der Ahr verblieben sind, um in Zukunft wieder einen ordentlichen und naturnahen Bestand aufzubauen."

Belastung der Ahr durch die Flut

Das Klimaschutzministerium hatte zuvor herausgefunden, dass die Belastung des Wassers durch Mineralöle aus Autos und Tankstellen angestiegen war. Allerdings seien die Werte nicht beunruhigend.

Die Belastungen nehmen aber vom Ober- zum Unterlauf zu, so das Ministerium, insbesondere unterhalb von Bad Neuenahr und Sinzig. Auch gebe es viel weniger Kleinstlebewesen in der Ahr als vor der Flut.

Noch alle 20 Fischarten sind vorhanden

An verschiedenen Stellen der Ahr - jeweils auf einer Länge von etwa 100 Metern - zählt das Team der Fischereibehörde jeden einzelnen Fisch. Anschließend werden die Tiere wieder ausgesetzt und das Ergebnis auf die Gesamtlänge des Flussabschnitts hochgerechnet. Mehrere hundert Fische fangen sie heute. Erstes Fazit: Positiv sei erstmal, dass keine Fischart fehle, sagt Roland Mauden. Allerdings seien insgesamt nur noch halb so viele Fische in der Ahr wie vor der Flut.

Das, so hofft er, kann die Artengemeinschaft in wenigen Jahren wieder ausgleichen. Dass sie sogar zwei kleine Lachse einfangen, die in der Ahr geschlüpft sind,  sei sowieso ein Glücksfall.

Stand: 21.10.2021, 11:53