Eltern in Not: Personalmangel in Bonner Kitas

Eltern in Not: Personalmangel in Bonner Kitas

  • Fehlendes Personal in Kitas stellt vollberufstätige Eltern vor Probleme
  • Städte wollen Öffnungszeiten verkürzen
  • Bonn will Fachkräfte aus dem Ausland anwerben

Der Personalmangel in den Kitas in NRW hat sich dermaßen zugespitzt, dass einige Städte jetzt die Reißleine ziehen. Sie verkürzen die Öffnungszeiten und stellen damit berufstätige Eltern vor ein großes Problem. Denn wenn die Kita schon um 16 Uhr schließt, ist es mit einer Vollzeitstelle schwierig. Ab August sollen auch in Bonn alle Kitas, die bislang länger geöffnet hatten, früher schließen.

Eltern in Vollzeitjobs stehen unter Zeitdruck

Wenn Atussa Ziai im Büro vor dem Computer sitzt, blickt sie ab dem Nachmittag ständig auf die Uhr. Hoffentlich kommt nichts dazwischen und sie kann pünktlich Feierabend machen. Denn die junge Mutter muss ihre Tochter Niku noch aus der Kita abholen.

"Das kann man gar nicht beschreiben was für ein Druck das ist. Das zieht sich den ganzen Tag durch, man sitzt bei der Arbeit und hat die Zeit im Nacken, das ist nicht angenehm", sagt sie.

Ihr Partner pendelt jeden Tag zur Arbeit, die Tochter kann er nicht aus der Kita abholen. Auch Atussa Ziai arbeitet Vollzeit. Die Kita ihrer Tochter liegt am anderen Ende der Stadt. Im Moment schließt sie noch um 17 Uhr. Schon das ist für die berufstätige Mutter stressig. Ab August will die Stadt Bonn die Öffnungszeiten insgesamt um 10 Stunden in der Woche kürzen. Dann schließt die Kita schon um 16 Uhr.

Eltern droht die Teilzeit-Falle

"Wir können uns auch noch nicht vorstellen, wie wir damit umgehen sollen. Das übliche Problem: die Frauen landen in der Teilzeitarbeit. Und dann wundern sich alle, dass Frauen weniger Rente kriegen. Es wird einem wirklich schwer gemacht," so Atussa Ziai, der es unter diesen Umständen unmöglich wäre, noch Vollzeit zu arbeiten.

Die Stadt sieht keine andere Möglichkeit als die Öffnungszeiten der Kitas von 55 auf 45 Stunden in der Woche zu kürzen. Es fehlen mehr als 40 Betreuerinnen und Betreuer.

"Die Kitas müssten sich deshalb wieder auf die Kernzeiten konzentrieren", sagt Sabine Lukas vom Bonner Jugendamt. "Wir haben einen akuten Fachkräftemangel, der aus meiner Sicht in diesem Jahr sich nochmal zugespitzt hat und wenn wir die Zeiten strecken, dann müssen wir natürlich auch Personal vorhalten, das wir eigentlich in den Kernzeiten brauchen", fügt sie hinzu.

Eine aktuelle Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung zeigt: Nur eine von 10 befragten Kitas in Deutschland hat genügend Personal. NRW-Städte wie Grevenbroich, Hamm oder Geldern planen deshalb wie Bonn die Öffnungszeiten der Kitas zu kürzen. Familienminister Stamp will den Einrichtugen ab dem Kita-Jahr 2020/21 zwar 1,3 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stellen, den Personalmangel löst das aber nicht so schnell, denn es fehlt an Ausbildungsplätzen und an Interessenten. Ein Problem: Die Bezahlung ist mit knapp 3000 Euro brutto nicht gerade üppig.

Stadt Bonn sucht Lösungsansatz

Bonn hat sich deshalb etwas überlegt, erklärt Sabine Lukas vom Jugendamt: "Wir machen einen ganz experimentellen Versuch jetzt hier, Fachkräfte im Ausland anwerben zu wollen. Da sind wir gerade dabei ein Konzept zu erarbeiten und versuchen aus Italien, gut ausgebildete Erzieherinnen für hier zu gewinnen."

Für Atussa Ziai kommt das zu spät. Bis August müssen sie und ihr Partner sich etwas überlegt haben: "Dann müssen wir wirklich sehen, also irgendetwas müssen wir auf jeden Fall anders organisieren." Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder sie beschäftigen einen Babysitter oder Atussa Ziai arbeitet nur noch Teilzeit.

Familienminister Stamp zum Kita-Notstand: "Umfassende Reformen"

WDR 2 29.03.2019 08:04 Min. WDR Online

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Stand: 04.04.2019, 08:56

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