Der 1. FC Köln kürzt eigenmächtig Stadionpacht

Eine leere Tribüne im Stadion des 1. FC Köln

Der 1. FC Köln kürzt eigenmächtig Stadionpacht

Von Jochen Hilgers

Der 1. FC Köln kann die Pacht für das Stadion nicht mehr in voller Höhe bezahlen. Deshalb muss die Stadt den Kölner Sportstätten 1,5 Millionen Euro zuschießen.

Sportlich lief es bei dem Erstligisten am vergangenen Wochenende nach dem Auswärtssieg in Dortmund gut. Finanziell scheint der Verein offenbar nicht ganz so gut dazustehen.

Nach Informationen aus dem Rathaus hat der 1. FC Köln die rund neun Millionen Euro jährlichen Pachtkosten für das Stadion eigenmächtig gekürzt. Demnach überweist der Verein derzeit gerade einmal 25 Prozent der vereinbarten Pacht. Und das seit Beginn der Pandemie.

Stadt: 1,5 Millionen Zuschuss für Sportstätten

Wegen der ausfallenden Pachtzahlungen muss die Stadt den Kölner Sportstätten 1,5 Millionen Euro zuschießen. Der Finanzausschuss des Rats wird sich im nicht-öffentlichen Teil mit dem Sachverhalt beschäftigen.

Verhandlungen über Pachtzahlungen

Weder die Kölner Sportstätten, noch der 1. FC Köln wollten sich am Dienstag zu konkreten Zahlen äußern. Beide Seiten bestätigten aber, dass über die Pachtzahlungen derzeit hinter verschlossenen Türen verhandelt werde. Durch eine entsprechende Anfragen des WDR informiert, reagiert nun die Kölner Politik.

Die Kölner Sportstätten sind eine hundertprozentige Tochter der Stadt. Das Geld, das der FC einspare, fehle damit dem Kölner Stadtsäckel, heißt es von verschiedenen Parteien.

Ärger über Eigenmächtigkeit

Manfred Richter, stellvertretender Fraktionschef der Grünen wird am deutlichsten: "Es ist Profisport und wir müssen sehen, dass die Mindereinnahmen nicht abgewälzt werden auf den städtischen Haushalt und die Steuerbürger. Der jetzige Zustand ist nicht tolerabel." Richter ärgert sich vor allem über die anscheinende Eigenmächtigkeit des Erstligisten.  "Die Eigenmächtigkeit kam überraschend", sagt er im Interview mit der Kölner Lokalzeit. "Partner müssen die Verträge einhalten, da waren wir sehr irritiert."

Pachterlass unerlaubte Beihilfe?

Auch CDU-Parteichef Bernd Petelkau ist alles andere als erfreut. Der FC sei wie alle anderen Vereine natürlich in einer besonderen Situation. Die Stadt habe aber nur beschränkte Möglichkeiten, Profivereine zu unterstützen, sagt der Landtagsabgeordnete. Und Petelkau sorgt sich wegen des strengen EU-Rechts.

Eine Unterstützung des FC in Form einer Pachtermäßigung könne ein wettbewerbsrechtlicher Verstoß, sein. Eine unerlaubte Beihilfe, sagt der erfahrene langjährige CDU-Politiker. 

Für den FC kommt die Diskussion zur Unzeit. Geschäftsführer Alexander Wehrle verwies lediglich auf laufende Verhandlungen. Ungemütlich wird es auch an anderer Stelle für den Verein: Der will im Naturschutzgebiet im Grüngürtel sein Trainingszentrum ausbauen.

Zum einen stellt sich jetzt die Frage, wie der FC das überhaupt finanzieren will. Zum anderen haben Naturschützer angekündigt am Donnerstag Klage dagegen einzureichen.

Stand: 02.12.2020, 19:26