Eine eingedrückte Front eines Autos. Im Kreis Mettmann flüchten besonders viele Unfallverursacher.

Mehr Unfallfluchten: Im Kreis Mettmann flüchtet jeder vierte Unfallverursacher

Stand: 13.01.2022, 17:38 Uhr

"Hohes Niveau" und "kontinuierlicher Anstieg" bei Unfallfluchten meldet die Polizei im Kreis Mettmann, in Düsseldorf und in Mönchengladbach. Verkehrspsychologe Michael Haeser erklärt, warum das so ist.

Die Zahlen bei der Unfallflucht nehmen kontinuierlich zu – städteübergreifend. Das melden die Polizeipräsidien in Mönchengladbach, Düsseldorf und im Rhein-Kreis Neuss. Im Kreis Mettmann beispielsweise flüchtet bei jedem vierten Unfall ein Beteiligter unerlaubt.

Mehr Unfallfluchten – mit einer Ausnahme

Eine Sprecherin der Polizei Mettmann verweist auf die Zahlen der vergangenen Jahre. Während es in den Jahren 2018 und 2019 beinahe gleich viele Unfälle gab – etwas mehr als 14.000 – stiegen die Unfallfluchten von circa 3.600 auf 4.000 Fluchten an.

Eine Ausnahme gab es im vergangenen Jahr: 2020 gab es mit etwa 3.400 Fällen zwar weniger Unfallfluchten im Kreis Mettmann, allerdings gab es auch deutlich weniger Unfälle überhaupt: etwa 12.000. Nach der Einschätzung des ADAC und auch der Polizei Mettmann liegt das daran, dass es 2020 durch die Corona-Pandemie insgesamt viel weniger Verkehr gegeben hat.

Verkehrspsychologe Michael Haeser zu Unfallfluchten

00:20 Min. Verfügbar bis 13.01.2023


Egoismus und Gleichgültigkeit im Straßenverkehr

Der Duisburger Verkehrspsychologe Michael Haeser sieht in der Zunahme der Unfallfluchten ein gesellschaftliches Problem. Der Einzelne sehe nur noch sich selber, die Gleichgültigkeit habe zugenommen: "Die Akzeptanz, dass andere Mitmenschen ja auch unter dem eigenen Verhalten leiden, wir immer geringer", erklärt Haeser.

Unfallbeteiligte würden nur feststellen, dass ihr Auto beschädigt sei – der Rest sei ihnen relativ egal, sagt der Verkehrspsychologe. "Ich muss nur zusehen, dass ich meinen eigenen Schaden repariere.

Für die Opfer entstehen durch Fahrerflucht Kosten, auf denen sie in den meisten Fällen sitzen bleiben. Im Kreis Mettmann etwa beträgt die Aufklärungsquote bei kleineren Schäden nur etwas über 40 Prozent. Bei schwerwiegenderen Unfällen mit Verletzten oder Toten werden rund 65 Prozent aufgeklärt. Aber egal, ob großer oder kleiner Schaden – die Polizei geht jeder Anzeige nach.