Leverkusen: Entwarnung nach Explosion - aber Anwohner müssen weiter aufpassen

Rußteile in einem Garten in Leverkusen-Bürrig

Leverkusen: Entwarnung nach Explosion - aber Anwohner müssen weiter aufpassen

Nach der Explosion im Chempark Leverkusen hat das Landesumweltamt keine Dioxine oder andere gefährliche Schadstoffe festgestellt. Ist die Gefahr gebannt? Fragen und Antworten.

Seit der Explosion im Chempark Leverkusen am Dienstag sind Anwohner in Sorge. War die riesige Rauchwolke giftig, die über Leverkusen und angrenzende Städte zog? Und was ist mit den Rußflocken, die bis heute in Gärten, auf Balkonen und Spielplätzen gefunden werden? Am Freitagnachmittag gaben Stadt und Landesumweltamt vorläufig Entwarnung: Was bedeutet das genau?

Vorläufige Entwarnung? Was heißt das konkret?

Dass sich die schlimmen Befürchtungen der vergangenen Tage nicht bestätigt haben - zumindest bis jetzt nicht. In den nach dem Brand niedergegangenen Rußpartikeln konnten die Spezialisten des Landesumweltamts (LANUV) keine Dioxine feststellen. Auch bei den Polychlorierten Biphenylen (PCB) und den Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) seien nur sehr geringe Werte gemessen worden, die nicht als gefährlich gelten.

Aber: Das bedeutet noch keine endgültige Entwarnung. Noch seien die Tests nicht abgeschlossen, erklärte das LANUV. Man wisse noch nicht mit Sicherheit, ob bei dem Unfall nicht noch weitere Stoffe freigesetzt wurden. Deshalb sollen ab sofort die betroffenen Bereiche noch einmal auf Schadstoffe überprüft werden, die bisher nicht Teil der Analyse waren. Das sei aber eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Bilder zur Explosion in Leverkusen

Im Chempark Leverkusen hat es eine schwere Explosion gegeben. Dabei ist im Entsorgungszentrum der Betreiberfirma Currenta ein Tanklager in Brand geraten.

Rußteile im Gras in einem Garten in Leverkusen-Bürrig

Das Landesumweltamt erklärte, dass in den Rußrückständen nach dem Brand im Chempark Leverkusen bisher keine Rückstände von Dioxin festgestellt worden sind. Die Ermittlungen, welche weiteren Stoffe ausgetreten sind, dauern noch an

Das Landesumweltamt erklärte, dass in den Rußrückständen nach dem Brand im Chempark Leverkusen bisher keine Rückstände von Dioxin festgestellt worden sind. Die Ermittlungen, welche weiteren Stoffe ausgetreten sind, dauern noch an

In Leverkusen und den angrenzenden Bereiche von Leichlingen und Opladen sollen die Menschen weiterhin auf den Verzehr von Obst und Gemüse aus dem Garten verzichten.

Derzeit läuft in Leverkusen die Ursachenforschung für die Explosion.

Einsatzkräfte der Feuerwehr sind mit Löscharbeiten im Chempark beschäftigt.

Durch die Explosion beschädigtes Gebäude im Chempark Leverkusen.

Nach ersten Informationen der Polizei wurden bei dem Brand und der anschließenden Explosion mehrere Menschen verletzt.

Werksfeuerwehr und Feuerwehr Leverkusen werden von den Kameraden aus Köln unterstützt.

Die Polizei sperrte mehrere Straßen und Autobahnen im Bereich des Chemparks.

Eine riesige Rauchsäule baute sich über Leverkusen auf.

Nach der Detonation, die bis Leichlingen zu hören war, zog ein erst weißer dann schwarzer Rauchpilz hunderte Meter nach oben.

Der Knall der Explosion erschütterte das ganze Stadtgebiet und war sogar im weit entfernten Bergisch Gladbach zu hören.

Infolge der Explosion wurde die Warn-App Nina ausgelöst. Die Feuerwehr weist die Anwohner daraufhin, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Noch immer ist diese Rauchsäule kilometerweit zu sehen und zieht ins Bergische Land.

Ein Rettungshubschrauber startet nahe des Chemparks.

Wann wissen wir mehr?

Die Messungen sollen nun fortgesetzt werden. Der abschließende Bericht zu den Schadstoffbelastungen soll aber schon an diesem Wochenende fertig sein und Anfang der Woche im Internet veröffentlicht werden. Wenn die Ergebnisse so bleiben wie bisher, könne dann wohl endgültig Entwarnung gegeben werden, sagte eine LANUV-Vertreterin.

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Welche Stoffe sind verbrannt?

Nach Angaben der Kölner Bezirksregierung vom Samstag enthielten die Tanks "flüssige Reststoffe aus der Produktion von Chemikalien für die Landwirtschaft". Der Hauptbestandteil seien "phosphor- und schwefelhaltige Chemikalien" gewesen. Der genaue Inhalt der Tanks in der Sondermüllverbrennungsanlage war zuvor nicht öffentlich bekannt gewesen.

Was bedeutet das für die Anwohner?

Die Menschen in Leverkusen und Teilen von Leichlingen und Opladen müssen sich noch mindestens an diesem Wochenende an die gültigen Vorsichtsmaßnahmen halten. Zur Erinnerung:

  • kein Obst und Gemüse aus dem Garten verzehren.
  • keine Spielplätze, Spielgeräte, Gartenmöbel oder Pools nutzen, auf denen Ruß niedergegangen ist.
  • verschmutzte Gegenstände nicht reinigen.
  • bei nicht aufschiebbaren Arbeiten im Garten Handschuhe tragen.

Wer Rußflocken entdeckt oder andere ungewöhnliche Beobachtungen macht, soll sich weiterhin bei der Bürgerhotline der Stadt Leverkusen melden: 0214-4063333.

Wie sieht es an der Unglücksstelle aus?

Dort läuft die Suche nach den zwei vermissten Arbeitern weiter. Die Staatsanwaltschaft hat zwar ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Explosion eingeleitet. Die Polizei wird aber voraussichtlich mit den Untersuchungen vor Ort erst dann beginnen, wenn die dringenden Such- und Bergungsarbeiten abgeschlossen sind. Es kann also noch dauern, bis es erste Informationen zur Unglücksursache gibt.

Wurde die Anlage regelmäßig überprüft?

Bei den amtlichen Sicherheitschecks gab es offenbar Pandemie-bedingte Lücken. Laut Bezirksregierung Köln gab es die letzte "kombinierte Störfall- und Umweltinspektion" der Anlage am 8. April 2021. Dazu gehören üblicherweise eine Besprechung und eine Anlagenbegehung. Letztere war damals wegen Corona verschoben worden und sollte erst in diesem August nachgeholt werden. Laut Bezirksregierung Köln wurden alle vorgeschriebenen Fristen eingehalten.

Wer ist zuständig?

Die Bezirksregierung Köln als zuständige Aufsichtsbehörde, das LANUV, die kommunalen Behörden und das Umweltministerium arbeiten bei der Aufklärung des Explosions- und Brandereignisses zusammen. Das Umweltministerium nimmt in diesem Zusammenhang eine koordinierende Funktion ein. Eine von Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser neu eingerichtete "Task Force" soll dabei helfen.

Hintergründe zur Explosion in Leverkusen: Behörden stellen Ergebnisse vor WDR aktuell 30.07.2021 01:05:30 Std. Verfügbar bis 30.07.2022 WDR

Stand: 31.07.2021, 18:34