Spendengelder und Treuhandkonto im Bonner Münster zweckentfremdet?

Bonner Münster

Spendengelder und Treuhandkonto im Bonner Münster zweckentfremdet?

Von Jochen Hilgers

  • Gelder vom Treuhandkonto zweckentfremdet
  • Anwalt nennt angebliche Schadenssumme „utopisch“
  • Schumacher gelegentlich noch als Seelsorger unterwegs

Im Finanzskandal in der Bonner Münstergemeinde streitet der frühere Stadtdechant Wilfried Schumacher die neuen gegen ihn erhobenen Vorwürfe ab. Nach Informationen des Erzbistums Köln waren in der Gemeinde nicht wie anfangs gedacht eine Million, sondern bis zu 3,5 Millionen Euro zweckentfremdet ausgegeben worden. Darunter Spendengelder und Gelder aus dem Treuhänderkonto, die eigentlich sozialen und karitativen Zwecken dienen sollen.

Spendengelder für andere Zwecke verwendet?

Die Vorwürfe wiegen schwer und könnten jetzt auch strafrechtliche Konsequenzen für den ehemaligen Stadtdechanten haben. Und sie sind zumindest moralisch fragwürdig. So sollen Gelder aus dem Treuhandkonto zum Teil für Reisen, Bewirtung und Hotels verwendet worden. Ein Treuhandkonto dient aber dazu, dass Pfarrgemeinden schnelle Hilfe zum Beispiel an sozial Schwache, für Obdachlose oder Flüchtlinge verwenden.

Hohe zweckgebundene Spenden für die Orgel im Bonner Münster und das dortige Archiv sollen im  allgemeinen Finanzhaushalt der Gemeinde verbucht worden sein. Um zukünftige Spender nicht zu verunsichern hat das Erzbistum die zweckgebundenen Spenden mittlerweile ihrem ursprünglichem Zweck zugeführt.

Substanzvermögen aufgebraucht

Die Schadenssumme von 3,5 Millionen Euro nannte der Anwalt Schumachers, Volkmar Mehle dem WDR gegenüber "utopisch". Mehle kündigte eine umfangreiche Erklärung an. Schumacher selbst hatte sich in einem Telefonat mit dem WDR überrascht über die neuen Vorwürfe gezeigt. Unter der Verantwortung des ehemaligen Stadtdechanten soll das sogenannte Substanzvermögen, also die eiserne Reserve der Innenstadtgemeinde aufgebraucht worden sein.

Am Abend schickte Schumachers Anwalt, Till Dunckel aus Hamburg  eine erste Erklärung: "Sämtliche Ausgaben dienten ausschließlich seelsorgerischen Zwecken. Unser Mandant kann daher weder die Vorwürfe selbst nachvollziehen noch, dass das Erzbistum sie auf diese Weise öffentlich macht."

Picken folgt nach

Schumacher  hatte im vergangenen Mai auf Druck des Erzbistums auf sein Amt verzichtet. In wenigen Wochen tritt der in Bonn bekannte frühere Bad Godesberger Dechant Wolfgang Picken Schumachers Nachfolge an. Nach Angaben des Erzbistums arbeitet Schumacher derzeit auf eigenen Wunsch gelegentlich freiwillig in der Einzelseelsorge und hilft bei Gottesdiensten aus.

Stand: 04.02.2019, 12:51