Das Kölner Arbeitsgericht

Erzbistum Köln: Arbeitsgericht kippt Kündigung wegen Bürostuhl

Stand: 18.01.2022, 16:49 Uhr

Die Mitnahme eines Bürostuhls ins Homeoffice rechtfertigt keine fristlose Kündigung. Das Arbeitsgericht Köln hat am Dienstag der langjährigen Justiziarin des Erzbistums Köln Recht gegeben.

Von Jochen Hilgers

Die Mitarbeiterin hatte zu Beginn der Corona-Pandemie einen ergonomischen Bürostuhl mit nach Hause ins Homeoffice genommen und war deswegen entlassen worden. Dies dürfe nicht zur fristlosen Kündigung führen, da es allenfalls eine Pflichtverletzung sei, begründete das Gericht seine Entscheidung.

Erzbistum Köln muss 55.000 Euro Gehalt nachzahlen

In der konkreten Situation 2020, nach relativ frischem Ausbruch der Corona-Pandemie, sei es turbulent zugegangen. Da habe auch die Arbeit in einem Homeoffice zunächst einmal organisiert werden müssen. Das müsse man berücksichtigen.

Der Argumentation des Erzbistums, der Stuhl habe aber erheblichen Wert und dies habe die Justiziarin nicht so einfach machen dürfen, folgte die Kammer nicht.

Auch, dass das Erzbistum die seit April 2020 als arbeitsunfähig gemeldete Justiziarin wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt hatte, sei hinfällig, entschied das Arbeitsgericht. Das Erzbistum habe nicht den notwendigen medizinischen Sachverstand eingeholt. Die Bezüge vom vergangenen August bis Januar in Höhe von rund 55.000 Euro seien nebst Zinsen nachzuzahlen.

Justiziarin hatte sich mit Missbrauchsfällen im Erzbistum beschäftigt

Brisant ist die Kündigung, weil die Justiziarin mehr als zehn Jahre auch mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Erzbistum beschäftigt gewesen ist. Mit den daraus resultierenden psychischen Belastungen sei sie vom Erzbistum alleine gelassen worden, so ihr Anwalt, der deswegen 50.000 Euro Schmerzensgeld für seine Mandantin gefordert hatte. Dies lehnte das Gericht aber ab.

Laut des Vorsitzenden Richters hätte die leitende Volljuristin die von ihr vermissten Schulungen und Supervisionen selbst veranlassen können.