Kölner Erzbistum will Gutachten zu Missbrauch doch Opferbeirat übergeben

Der Kölner Dom bei Nacht.

Kölner Erzbistum will Gutachten zu Missbrauch doch Opferbeirat übergeben

Der Streit um ein Gutachten zu sexueller Gewalt im Erzbistum Köln geht weiter. Es soll nun doch an den Beirat der Betroffenen übergeben werden.

Das hat das Kölner Erzbistum zugesagt, nachdem es öffentlich kritisiert worden war. In der vergangenen Woche hatte das Erzbistum erklärt, dass das Gutachten wegen schwerwiegender inhaltlicher Fehler nicht veröffentlicht werden soll und ein neues Gutachten bei einer Kölner Kanzlei beauftragt wurde. Das umstrittene Gutachten sollen die Mitglieder des Betroffenenbeirats aber erst erhalten, wenn auch das neue Gutachten fertig ist.

Das soll im März der Fall sein. Ziel der Untersuchung ist es, Taten sexuellen Missbrauchs im Erzbistum nachzuverfolgen und verantwortliche Täter namentlich zu benennen.

Frühere Entwicklungen

Zuletzt hatte ein Mitglied des Kölner Betroffenen-Beirats verkündet, er werde von seiner Aufgabe im Beratungs-Gremium von Kardinal Woelki zurücktreten. Gegenüber dem WDR sagte der Mann, der selbst als Kind jahrelang von einem Geistlichen missbraucht wurde, das Erzbistum habe den Betroffenen-Beirat über den Tisch gezogen. Man sei das Feigenblatt des Kardinals dafür, dass ein kritisches Gutachten nicht das Licht der Welt erblicke.

Kanzlei von ihren Aufgaben entbunden

Am vergangenen Freitag hatte das Erzbistum verkündet, ein Gutachten nicht zu veröffentlichen, in dem die Namen von Verantwortlichen genannt werden, die Missbrauch vertuscht haben sollen. Die Münchner Rechtsanwaltskanzlei Westpfahl Spilker und Wastl, die im Auftrag des Kölner Erzbischofs die Missbrauchsfälle im Erzbistum untersuchen sollte, war von ihren Aufgaben entbunden worden. Sie habe handwerkliche Fehler gemacht und diese nur unzureichend korrigiert. Das sei die Einschätzung mehrerer Juristen, die das Gutachten überprüft hätten.

Einige Betroffene fühlen sich überrumpelt

In der Pressemitteilung des Erzbistums hieß es, auch die Mitglieder des Betroffenen-Beirats hätten für ein alternatives Gutachten gestimmt. Einige Betroffene dagegen sagen im Nachhinein, sie seien überrumpelt worden und hätten nicht ausreichend Zeit gehabt, sich mit der juristischen Situation zu befassen. Das Erzbistum Köln war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Kölner Fachanwalt Björn Gercke soll neues Missbrauchsgutachten anfertigen

Bis März 2021 soll laut Erzbistum ein neues Gutachten veröffentlicht werden. Dafür beauftragt wurde Björn Gercke, Kölner Fachanwalt für Strafrecht. Er soll das Gutachten über die Missbrauchsfälle neu verfassen und Verantwortliche identifizieren und benennen. Zustimmung für die Beauftragung der neuen Kanzlei gibt es vom Betroffenenbeirat.

Zu den Vorwürfen teilte die Kanzlei Westpfahl Spilker und Wastl mit: "Aus unserer Sicht kann das Gutachten jederzeit veröffentlicht werden, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein umfassendes Bild zu machen."

Stand: 04.11.2020, 11:18