Sexueller Missbrauch: Weihbischof bekennt Schuld der Kirche

Stand: 18.11.2021, 14:54 Uhr

In einem Bußgottesdienst im Kölner Dom hat Weihbischof Rolf Steinhäuser das Versagen der katholischen Kirche beim sexuellen Missbrauch durch Geistliche bekannt.

Begleitet von Protesten hat der Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser einen sogenannten Bußgottesdienst in Gedenken an die Betroffenen sexualisierter Gewalt durch Geistliche abgehalten. "Von Priestern und weiteren kirchlichen Mitarbeitern unseres Bistums ist eine große Zahl von Verbrechen sexualisierter Gewalt an Schutzbefohlenen verübt worden, "so Steinhäuser.

Bistum wollte liturgisches Zeichen setzen

Als derzeitiger Leiter des Erzbistums sei er "Chef der Täterorganisation Erzbistum Köln", sagte Rolf Steinhäuser. Er vertritt Kardinal Rainer Maria Woelki, der sich in einer mehrmonatigen Auszeit befindet. Lange Zeit habe er an Einzelfälle geglaubt und die Tatsachen nicht wahrhaben wollen.

„Ich habe versucht, diese Kirche zu schützen. Ich habe die Betroffenen nicht im Blick gehabt. Das ist mein Versagen und meine Sünde“. Rolf Steinhäuser
Weihbischof

Die Diskussion über die Verantwortung der Kirche sei mit dem Bußgottesdienst keineswegs beendet, betonte der Weihbischof. Sexuelle Gewalt gebe es auch heute. Mit dem Gottesdienst wollte das Bistum ein liturgisches Zeichen setzen. Zugelassen waren nur 230 geladene Gäste, um einen geschützten Rahmen für die Betroffenen zu schaffen.

Weihbischof Rolf Steinhäuser | Bildquelle: dpa/Henning Kaiser

Einige von ihnen waren an der Vorbereitung beteiligt. Wieviele tatsächlich zugesagt haben, wollte das Erzbistum Köln auf Nachfrage des WDR nicht sagen. Im Gottesdienst wurden die Vornamen von Betroffenen verlesen und zum Gedenken für jeden von ihnen eine Kerze aufgestellt.

Gottesdienst war umstritten

Der Gottesdienst als Form der Aufarbeitung war sehr umstritten. Ein Teil der Betroffenen lehnte eine Teilnahme an dem Gottesdienst ab, weil sie eine Instrumentalisierung und eine allzu starke Erinnerung an ihre erlittenen Qualen fürchteten.

Nicht die Opfer, sondern die Täter hätten die Pflicht, Buße zu leisten. Das hatte Patrick Bauer im Vorfeld erklärt. Bauer war früher Sprecher des Betroffenenbeirats, heute engagiert er sich bei der Deutschen Bischofskonferenz.