Ersthelfer-App rettet Leben in Euskirchen

Frau hilft Mann auf der Straße

Ersthelfer-App rettet Leben in Euskirchen

Von Tobias Al Shomer

Im Kreis Euskirchen ist seit einigen Wochen eine neue Ersthelfer-App im Einsatz. Bei Notfällen hilft sie, die Zeit zu überbrücken, bis Krankenwagen und Notarzt vor Ort sind. Die bisherige Bilanz: Zwei Menschen konnten durch die App schon gerettet werden.

Als Ersthelferin Christin Schwarz in Hellenthal-Reifferscheid zu einer alten Dame mit Herzproblemen eilt, weiß sie, dass jetzt jede Sekunde zählt. Sie wurde über die Ersthelfer-App alarmiert, ein neues System, das Menschenleben retten kann. Denn Krankenwagen und Notarzt sind meist erst nach acht Minuten vor Ort. Für Patienten mit Herzstillstand oder Herzinfarkt kann es dann aber schon zu spät sein.

Kurze Wege retten Leben

Christin Schwarz bedient die App auf ihrem Smartphone

Christin Schwarz konnte dank der App einer Frau das Leben retten

Deshalb hat der Kreis Euskirchen seit acht Wochen die Ersthelfer-App im Einsatz. Bei einem Notruf mit lebloser Person sucht das System im Umkreis von dreieinhalb Kilometern nach medizinisch geschulten Ersthelfern wie Christin Schwarz. Die 19-jährige Rettungssanitäterin aus Euskirchen hat sich dort registriert, weil sie aus ihrem Job weiß, wie wichtig der Faktor Zeit bei solchen Notfällen ist.

So funktioniert die Ersthelfer-App

Christin Schwarz konnte durch die App ein Leben retten

Als sie zu der alten Dame mit den Herzproblemen gerufen wird, ist sie bei ihrem Freund zu Besuch und ganz in der Nähe. Glück für die Dame. Als Christin Schwarz am Haus in Hellenthal-Reifferscheid ankommt, sei die Frau schon leicht blau angelaufen gewesen, erzählt Schwarz. Zusammen mit der Tochter sei es ihr aber gelungen, die Frau zu reanimieren und ihr so das Leben zu retten.

Es ist bereits ihr zweiter Einsatz als Ersthelferin. Beim ersten Mal kam jede Hilfe zu spät. Beim zweiten Mal habe es aber geklappt, erinnert sie sich: „Man ist auf jeden Fall erleichtert, dass man es geschafft hat und einer Familie einfach Zeit mit den Angehörigen geben kann, und die die eben noch länger bei sich haben dürfen und weiterhin miteinander Zeit verbringen können.“

Schon zwei Menschenleben gerettet

Der Kreis Euskirchen betreibt das Projekt zusammen mit der Städteregion Aachen, den Städten Aachen und Düren und dem Kreis Heinsberg. Es ist der größte Verbund in NRW. Praktisch ist: Auch wenn ein Ersthelfer aus Aachen im Kreis Euskirchen unterwegs ist, kann er alarmiert werden. Die Bilanz bislang im Kreis Euskirchen: Bei zwölf Reanimationen durch Ersthelfer konnten bereits zwei Menschen gerettet werden. Ohne die Ersthelfer-App wären auch diese beiden Patienten möglicherweise verstorben.

Erste Hilfe – Auch Sie können Leben retten!

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 01.08.2020 15:47 Min. Verfügbar bis 01.08.2021 WDR 4 Von Anne Debus


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Noch Ersthelfer gesucht

Für den Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers (SPD), ist es ein sehr wichtiges Projekt. Aktuell seien bereits 400 Ersthelfer registriert. Perspektivisch sollen es aber 1000 bis 1500 werden. Vor allem im südlichen Teil des Kreises würden noch Ersthelfer gebraucht. Mitmachen können nur medizinisch geschulte Experten wie Ärzte, Rettungssanitäter oder Feuerwehrleute.

Christin Schwarz hat es bislang nicht bereut, dass sie dabei ist. Im Gegenteil. Das Projekt, findet sie, könne helfen, dass die Gesellschaft wieder etwas mehr zusammenrückt, indem man anderen helfe. Schließlich könne solch ein Notfall jede Familie treffen und vor allem in der tiefsten Eifel sei es dann wichtig, dass Ersthelfer schnell vor Ort seien.   

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