Drohne rettet Rehkitze vor tödlichen Mähmaschinen

Rehkitz Kinder mit Maske

Drohne rettet Rehkitze vor tödlichen Mähmaschinen

Kurz vor der Ernte wird es für Rehe im hohen Gras gefährlich. Ehrenamtliche Helfer im belgischen Grenzgebiet orten sie mit Drohnen, um sie vor den Mähmaschinen zu retten.

Schon früh morgens um halb sechs sind Tierschützer Gerd Xhonneux und Drohnenpilot Christian Wilberz unterwegs auf den Feldern im belgischen Grenzgebiet nahe Eupen. Als Ehrenamtliche fliegen sie hier bei Sonnenaufgang mit einer Drohne über das hohe Gras, das heute gemäht werden soll.

Wärmebildkamera spürt Rehkitze auf

Wärmebildaufnahme von einem Reh

Mit ihrer Drohnen-Kamera suchen sie nach versteckten Tieren. Sie müssen früh anfangen, denn der Boden muss noch kalt sein, damit die Wärmebildkamera die Tiere erkennen kann. "Je höher der Temperaturunterschied zwischen dem Boden und dem Tier ist, desto einfacher können wir sie finden", erklärt Tierschützer Gerd Xhonneux. So können die Rehe sie rechtzeitig entdeckt und in Sicherheit gebracht werden. Es sind vor allem Rehkitze, die die Muttertiere gerne im tiefen Gras der Felder ablegen, um auf Futtersuche zu gehen.

"Die meisten Leute glauben, wenn sie so ein Rehkitz sehen, dass es verletzt ist oder dass es ein Waise wäre und die Ricke es verlassen hätte. Aber das ist nicht so, die Tiere haben den Duckreflex und bleiben im Gras liegen und so schützt die Natur sie eigentlich ganz gut vor Gefahren", sagt Tierschützer Gerd Xhonneux. Vor Mähdreschern und Mähkreiseln sind sie so aber nicht geschützt - im Gegenteil. Die Erntezeit ist für junge Hasen und Rehkitze besonders gefährlich, denn beide Tierarten flüchten nicht bei Gefahr, sondern verkriechen sich noch tiefer ins Gras und können von den Maschinen verletzt oder getötet werden.

Gegen Mähdrescher haben die Tiere keine Chance

Es gibt Schätzungen, dass bundesweit insgesamt mehr als 500.000 Wildtiere bei der Ernte schwer verletzt oder getötet werden. Darunter etwa 100.000 Rehkitze und viele Kleintiere wie Hasen, Frösche, Kröten, Mäuse oder Schlangen.

Landwirt Antoine Schouteden aus Baerlen bei Eupen weiß das und er weiß auch, dass er auf seiner großen Mähmaschine kaum eine Chance hat, die Tiere zu sehen: "Die Rehkitze sind so klein, dass wir sie nicht sehen und die Maschinen sind groß und schnell. Wenn dann etwas passiert, das ist wirklich schrecklich." Deshalb hat er Felder immer mit Hunden und Stangen abgesucht, jetzt hat er zur Unterstützung die ehrenamtlichen Helfer mit ihrer Drohne angerufen.

Rehkitz vor der Ernte gerettet

Erst am Vortag konnte so ein Rehkitz gefunden und gerettet werden. Mitten in der Wiese lag es, tief versteckt im hohen Gras. Die ehrenamtlichen Retter haben es in Sicherheit gebracht - mit Handschuhen und viel Gras, damit das Tier keinen anderen Geruch annimmt und die Mutter es nicht verstößt. Deshalb warnt Tierschützer Gerd Xhonneux Spaziergänger dringend davor, Reh-Kitze selbst anzufassen und rät: "Wer ein junges Reh entdeckt, sollte es besser liegen lassen und die Profis rufen!"

In Deutschland sind das zum Beispiel Tierschützer, Kreisbauernschaften und Kreisjägerschaften. Hier unterstützt das Land NRW auch die Anschaffung und den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras, um die Rehkitze aufzufinden und zu schützen.

Staatlicher und ehrenamtlicher Einsatz zur Rettung der Tiere

In Belgien gibt es keine vergleichbaren Organisationen. Deshalb sind private Initiativen von ehrenamtlich engagierten Menschen wie Tierschützer Gerd Xhonneux und Drohnenpilot Christian Wilberz wichtig. Sie setzen die eigene Mittel ein und und sind auf Spenden angewiesen. Die Landwirte - auch im deutschen Grenzgebiet - können dann ihre Hilfe bei der Suche nach versteckten Tieren in den Feldern kostenfrei anfordern.

Auf den Feldern von Landwirt Antoine Schouteden haben die beiden Helfer heute zwei Rehe entdeckt und aus der Gefahrenzone gebracht. Danach sind sie direkt weitergefahren zum nächsten Feld - und auch morgen warten schon mehrere Aufträge auf sie.

Doch bevor Landwirt Antoine Schouteden wirklich beruhigt auf sein Mähfahrzeug steigt und das Gras mäht, geht er sicherheitshalber noch mal zu Fuß die Ränder seines Feldes ab und hält weiterhin die Augen offen. Denn er weiß : Wo Rehe sind, muss er immer auch mit weggeduckten Rehkitzen rechnen.

Stand: 31.05.2021, 17:35