Staatsanwaltschaft Kiel prüft Ermittlungsverfahren gegen Zeugin

Staatsanwaltschaft Kiel prüft Ermittlungsverfahren gegen Zeugin 01:30 Min. Verfügbar bis 29.11.2020

Staatsanwaltschaft Kiel prüft Ermittlungsverfahren gegen Zeugin

Eine nach Auffassung der Kieler Staatsanwaltschaft unglaubwürdige Zeugin im mysteriösen Todesfall der "Gorch Fock"-Kadettin Jenny Böken muss möglicherweise mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Ein Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag (29.11.2019) eine Prüfung, ob gegen die 36-jährige Zeugin ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat oder falscher Verdächtigung eingeleitet werde. Dies berichtet der "Spiegel" in seiner neuen Ausgabe.

Todesumstände ungeklärt

Die Zeugin hatte angedeutet, dass Böken einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen sei. Die damals 18-jährige Kadettin war in der Nacht zum 4. September 2008 während einer Ausbildungsfahrt des Segelschulschiffs der Marine bei einer Wache über Bord gegangen. Die Todesumstände blieben ungeklärt. Die ursprünglichen Ermittlungen wurden 2009 eingestellt.

Aussagen beruhten auf Hörensagen

Im Juni 2019 nahm die Staatsanwaltschaft das Todesermittlungsverfahren wieder auf. Grund war die Aussage der Zeugin. Diese beruhten laut der Behörde im Wesentlichen auf Hörensagen. Die Zeugin sei im Jahr 2008 bei der Bundeswehr gewesen, habe aber weder zur Marine noch zur Besatzung der "Gorch Fock" gehört. Die Kieler Staatsanwaltschaft stellte ihre neuerlichen Ermittlungen Ende November 2019 wieder ein.

Staatsanwaltschaft hält Zeugin für unglaubwürdig

"Wir glauben den Angaben einer Zeugin nicht", hatte der Kieler Oberstaatsanwalt Michael Bimler erklärt. Sollte die Zeugin vorsätzlich falsche Angaben gemacht haben, komme insbesondere der Straftatbestand einer falschen Verdächtigung in Frage, ergänzte Bimler am Freitag. Für die Anklagebehörde gibt es weiterhin keine ausreichenden Anzeichen für ein Tötungsdelikt.

Neue Ermittlungen eine Chance?

Der Anwalt der Familie Böken - Rainer Dietz - sieht in den Ermittlungen auch eine Chance. Vor Gericht könne festgestellt werden, ob die Zeugin die Wahrheit sagt.

Stand: 29.11.2019, 16:58

Weitere Themen