Kleve: Ermittlungen im Fall Amad A. eingestellt

Tödlicher Brand in der JVA Kleve: Was geschah in Zelle 143?

Kleve: Ermittlungen im Fall Amad A. eingestellt

  • Polizei, Sachbearbeiterin und Gefängnismitarbeiter unschuldig
  • Kein Fehlverhalten bei Brandbekämpfung festgestellt
  • Landtag beschäftigt sich mit Fall

Die Ermittlungen nach dem Tod des unschuldig eingesperrten Syrers Amad A. sind eingestellt worden. Gegen die Polizisten, die den 26-Jährigen festgenommen hatten, war wegen Freiheitsberaubung ermittelt worden.

Sie hätten aber bei ihren Datenabfragen fehlerhafte Angaben erhalten, teilte die Staatsanwaltschaft in Kleve am Dienstag (05.11.2019) mit. So sei der Syrer im Landesdatenbestand fälschlich zur Fahndung ausgeschrieben gewesen.

Kleve: Ermittlungen im Fall Amad A. eingestellt WDR aktuell kompakt 05.11.2019 00:24 Min. Verfügbar bis 05.11.2020 WDR

Der Sachbearbeiterin in Siegen, die die Datensätze des Syrers mit dem eines gesuchten Mannes aus Mali zusammengeführt habe, sei ebenfalls kein vorsätzliches, strafbares Verhalten nachzuweisen gewesen. Die Frau hatte beteuert, immer nur auf Anweisung gehandelt zu haben, sich aber nicht zu erinnern, wer ihr die Anweisung erteilt hatte.

Auch den Beschäftigten des Gefängnisses, in dem der Syrer eingesperrt war, sei keine Straftat nachzuweisen gewesen. Der Syrer war nach einem Feuer, dass er selbst in seiner Zelle gelegt habe, ums Leben gekommen. Ein Fehlverhalten bei der Bekämpfung des Brandes sei nicht festgestellt worden.

Amad A. - Unschuldig hinter Gittern verbrannt Monitor 11.07.2019 15:30 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste

Auch sei nicht feststellbar gewesen, dass der Syrer noch über die Gegensprechanlage seiner Zelle einen Hilferuf abgesetzt habe. Eine Suizidgefahr durch eine psychische Erkrankung, die eine besondere Beachtung erfordert hätte, sei ebenfalls nicht erkennbar gewesen.Die Behörden hatten gegen namentlich acht Beschuldigte – sieben Polizisten und einen Gefängnisarzt – ermittelt.

SPD und Grüne kündigten an, die Arbeit im Untersuchungsausschuss des Landtags fortzusetzen. Der Tod des Syrers hat bereits zu Konsequenzen geführt: So ist bei Fahndungsabfragen nun sofort ein Foto des Gesuchten zu sehen. Früher musste es erst aufgerufen werden. Außerdem werden die Gefängnisse in NRW mit Fingerabdruck-Scannern ausgestattet, um die Identität der Gefangenen überprüfen zu können.

Stand: 05.11.2019, 14:36