In den Wassermassen der Flut versunkene Autos in Erftstadt.

Flut in Erftstadt: Mehr Warnungen ignoriert als bisher bekannt

Stand: 26.08.2021, 06:27 Uhr

Die Stadt Erftstadt hatte vor der Flut Mitte Juli noch mehr Warnungen erhalten als bisher bekannt. Das geht aus Unterlagen der Sondersitzung des Stadtrates vom Dienstagabend hervor.

Von Oliver Köhler

Die Stadt Erftstadt hat eingeräumt, bereits am Nachmittag des 14. Juli um 15.30 Uhr vom Landesumweltamt eine Meldung über die Gefahr von Überflutungen bebauter Gebiete erhalten zu haben. Die Meldepegel im Einzugsgebiet der Erft hatten nach Angaben des Umweltamtes den entsprechenden Wasserstand erreicht und stiegen weiter.

Feuerwehrleute erkundeten Erft-Ufer

Nach Angaben des zuständigen Beigeordneten der Stadt wurde daraufhin die Feuerwehr in Erftstadt mit der Erkundung der Erft-Ufer beauftragt. Die Feuerwehrleute hätten aber keine  Überschwemmungen feststellen können.

In Erftstadt hat die Stadtverwaltung die Bevölkerung gefährdeter Gebiete an dem Nachmittag nicht vor Überschwemmungen gewarnt. Wie aus den Unterlagen der Ratssitzung vom Dienstagabend hervorgeht, hat die Stadt am 14. Juli außerdem die Erft-Pegel oberhalb von Erftstadt beobachtet. Vor allem der Pegel in Bad Münstereifel-Arloff sei eine wichtige Informationsgrundlage gewesen. In Arloff hatte der Wasserstand an dem Tag alle Warnwerte überschritten und gegen 20 Uhr sogar den Wert eines hundertjährlichen Hochwassers erreicht, also eines Hochwassers, das statistisch alle hundert Jahre auftritt.

Flutkatastrophe: Wurden Warnungen ignoriert?

WDR 5 Westblick - aktuell 23.08.2021 04:42 Min. Verfügbar bis 23.08.2022 WDR 5


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Hundertjährliches Hochwasser bereits am 14. Juli erreicht

Auch das war kein Grund für die Stadt Erftstadt, die Bevölkerung zu warnen. Dabei sind durch ein hundertjährliches Hochwasser in Erftstadt etwa 270 Menschen direkt von Überschwemmungen betroffen. Gegen 20.30 Uhr wurde der Pegel Arloff vom Hochwasser zerstört.

Um 1.55 Uhr erhielt die Stadt Erftstadt nach eigenen Angaben einen Bericht des Erftverbandes, in dem vor einem „beispiellosen Hochwasser“ gewarnt wurde. Die Hochwasserwelle werde etwa gegen 6 Uhr Erftstadt-Bliesheim, und kurze Zeit später die anderen Ortsteile von Erftstadt erreichen.

Hochwasserwelle kam wie vorausgesagt um 6 Uhr früh

Die Stadt reagierte aber nicht auf diesen Bericht, weil die Lageeinschätzung mit "großen  Unsicherheiten versehen" gewesen sei. Tatsächlich erreichte die Hochwasserwelle gegen sechs Uhr Erftstadt-Bliesheim und ließ den Pegel dort um mehr als einen Meter in die Höhe schnellen.

Erst um 8.50 Uhr warnte die Stadt Erftstadt die Bewohner von Bliesheim, Blessem und den anderen betroffenen Ortsteilen vor Überschwemmungen. Da standen aber viele Häuser bereits im Wasser.