Frist endet: Erftstadt verteilt mehr als sieben Millionen an Flutopfer

Familie Dunkel aus Erftstadt-Blessem hat einen hohen Gebäudeschaden. Ob sie für diesen Spendengeld bekommt, muss aber noch geprüft werden.

Frist endet: Erftstadt verteilt mehr als sieben Millionen an Flutopfer

Von Sabine Büttner

In Erftstadt endet am Mittwoch (15.09.2021) die Frist für Bürger, die bei der Stadt einen Anteil vom Spendengeld beantragen wollen. Sieben Millionen Euro sind im Topf.

Das Ausmaß der Schäden bei Familie Dunkel in Erftstadt-Blessem ist deutlich zu sehen: Das gesamte Erdgeschoss ist entkernt, im Keller laufen die Bautrockner. Ein Gutachter hat den Schaden am Gebäude auf 86.000 Euro geschätzt.

Diese Summe hat die Familie bei ihrem Antrag auf Spendengeld angegeben. Doch es gibt ein Problem: Im Haus leben die Eltern Ulrich und Maria Dunkel, das Gebäude haben sie aber vor längerer Zeit auf ihren Sohn Thomas überschrieben. Die Richtlinien der Stadt sehen allerdings vor, dass Geld nur an Eigentümer gezahlt wird, die selbst im Gebäude leben.

Erftstadt: Nicht jeder Fall passt in die Richtlinien für Verteilung der Spenden

Nach einer ersten Ablehnung hat Thomas Dunkel sich noch einmal aktiv an die Stadt Erftstadt gewandt. Der Ombudsmann für die Verteilung der Spenden will den Fall jetzt prüfen. Doch die Ungewissheit ist eine Belastung, sagen die Dunkels, die nicht wissen, womit sie rechnen können.

Am anderen Ende des Ortes: Auch beim Ehepaar Heinz und Doris Gottschalk war der Keller überflutet. Das Paar geht von einem Schaden in Höhe von mehreren zehntausend Euro aus. Probleme machte ihnen, dass die Stadt Erftstadt viele Informationen ausschließlich online veröffentlicht. Doris Gottschalk ist 76 Jahre alt, ihr Mann 80.

Bauarbeiter an der Abbruchkante am 15.09.2021 in Erftstadt-Blessem.

Die Abbruchkante am 15.09.2021 in Erftstadt-Blessem.

Nur mithilfe der Tochter, sagen sie, konnten sie den Antrag stellen, mühsam Dokumente zusammen suchen, eine Aufstellung und Schätzung der Kosten zusammen schreiben. Viele Unterlagen, sagen die Gottschalks, sind mit der Flut abhanden gekommen.

Bei der Hälfte der Antragsteller fordert die Stadt Unterlagen nach

In 40 bis 50 Prozent der Fälle mussten Unterlagen nachgefordert werden, heißt es von der Stadt Erftstadt. Sie zählt am Tag vor dem Fristende insgesamt 715 Anträge.

Peter Kamp, der als Ombudsmann die Verteilung des Spendengeldes betreut, war von etwa 2.000 Anträgen ausgegangen – so viele Menschen hatten unmittelbar nach der Flut eine Soforthilfe von der Stadt bekommen.

Kamp will sich darum kümmern, dass die Anträge jetzt schnell bearbeitet werden und stellt eine Zeit von drei Wochen in Aussicht. Betroffene können bis zu 5.000 Euro aus dem Spendentopf der Stadt bekommen. Wer sein Haus ganz verloren hat, bekommt bis zu 10.000 Euro. An einige Menschen sei auch schon Geld ausgezahlt worden, so die Stadt: bislang 340.000 Euro.

Erftstadt: Geld soll komplett an Opfer der Flut ausgezahlt werden

Wenn nach Prüfung aller Anträge noch eine Restsumme von den rund sieben Millionen Euro Spenden übrig bleiben, soll erneut geschaut werden, wie dieses Geld verteilt wird.

Die Stadt betont, dass die Gelder vom Spendenkonto komplett an Betroffene ausgezahlt würden. Es gebe keine Servicepauschale, auch der Ombudsmann Peter Kamp arbeite ehrenamtlich und bekomme nicht einmal eine Aufwandsentschädigung.

Kamp soll zum Beispiel auch bei der Beurteilung von Härtefällen helfen. Nach Angaben der Stadt Erftstadt wurden bislang 28 Härtefall-Anträge positiv beschieden.

Stand: 15.09.2021, 16:10