Erftstadt-Blessem: Keine großen Bewegungen an der Abbruchkante

Bagger in einer Straße in Erftstadt-Blessem

Erftstadt-Blessem: Keine großen Bewegungen an der Abbruchkante

Von Sabine Büttner

Die Stadt Erftstadt hat die Menschen aus dem Hochwasser-Gebiet im Ortsteil Blessem über die aktuelle Lage informiert. Geologen haben demnach keine signifikanten Bewegungen an der Abbruchkante festgestellt. Die Arbeit, weiteren Menschen die Heimkehr zu ermöglichen, geht weiter.

Etwa 70 Menschen waren zu der Info-Veranstaltung gekommen, um zu hören, was der Krisenstab beschlossen hatte. Eine wichtige Information: Man arbeite weiter daran, den Sicherheitsbereich zu verkleinern. Wenn die Sicherung abgeschlossen sei, hieß es, könnten weitere Häuser freigegeben werden, so Roland Strauß vom Geologischen Dienst NRW.

Er erklärte aber auch, dass einige Häuser aus Sicherheitsgründen abgerissen werden mussten - eine Anzahl nannte Strauß nicht. Der Geologe betonte, dass andere Häuser hingegen erhalten werden können, auch die Burg könne bis auf einen kleinen Teil erhalten bleiben. „Wir sind auf einem guten Weg“, so Strauß.

Aus vielen Häusern in Blessem sind inzwischen die vom Wasser zerstörten Möbel und Habseligkeiten ausgeräumt, die Keller trocken gelegt. Jetzt fragen sich die Anwohner, wie es weitergeht.

Erftstadt-Blessem: Soforthilfe und Freiwillige im Ort für die Betroffenen

Den Anwohnern der gesperrten 100-Meter-Zone an der Abbruchkante hatte die Stadt am Dienstag angeboten, für eine Stunde zurückzukehren, um Sachen aus den Häusern und Wohnungen zu holen. Sie haben wie viele andere im Ort alles verloren.

Bei der Stadt waren innerhalb von 5 Tagen fast 1300 Anträge auf Soforthilfe eingegangen, bislang wurden mehr als 3,3 Millionen Euro Soforthilfe ausgezahlt. Viele Anwohner zeigen sich überwältigt von der Hilfsbereitschaft unzähliger freiwilliger Helfer im Ort.

Der Kreis verspricht außerdem zum Beispiel Hilfe im Straßenverkehrsamt, wenn es darum geht, verloren gegangene Führerscheine oder Fahrzeugpapiere neu zu beantragen.

Bürger in Erftstadt-Blessem kritisieren: zu viel Bürokratie, zu wenige Informationen

Aus den Reihen der Anwohner kommt allerdings immer wieder Kritik. Vor allem in den Tagen, als der Ort gesperrt war, klagten die Bewohner über mangelnde Informationen.

Nun, da die Menschen auch damit beschäftigt sind, ihr Zuhause wieder herzustellen, schilderte ein Anwohner dem WDR, dass es schwierig sei, von der Stadt einen Stempel zu bekommen, um etwa Vergünstigungen beim Stromanbieter oder beim Einkauf von Baumaterial zu erhalten.

Am Donnerstagmittag gab die Stadt bekannt, dass sie ab sofort Hochwasserbescheinigungen für Betroffene ausstelle – diese können im Rathaus abgeholt werden.

Erftstadt-Blessem: Sand auf Spielplätzen getauscht, Böden untersucht

Gleichzeitig geht das Aufräumen weiter, die Stadt sammelt Elektroschrott und Schadstoffe ein, auf Spielplätzen wird der Sand getauscht. Die Böden in und um Blessem werden auf mögliche Schadstoffe untersucht, nach Angaben des Rhein-Erft-Kreises führt die Landwirtschaftskammer diese Untersuchungen durch.

Doch bis zum Beispiel auch alle Straßen rund um das Hochwassergebiet wieder befahrbar sind, wird es noch dauern. Insbesondere die B265 als wichtige Verkehrsachse war durch die Überflutungen stark zerstört worden.

Diese Woche hatte Verkehrsminister Henrik Wüst den Ort besucht. Es heißt, man arbeite mit Hochdruck daran, Straßen und Brücken instand zu setzen.

Retten, helfen, aufräumen: Drei Orte nach der Flut Menschen hautnah 08.09.2021 59:08 Min. UT Verfügbar bis 31.12.2099 WDR Von Jens Eberl, Felix Becker, Bamdad Esmaili, Marion Försching, Anna Herbst, Philipp Kappius, Jörg Laaks, Madelaine Meier, Esat Mogul und Anett Selle

Stand: 29.07.2021, 19:29