Erdogan-Besuch in Köln: Das ist das Programm

Erdogan-Besuch in Köln: Das ist das Programm

  • Erdogan ist am Samstag zur Moschee-Eröffnung in Köln
  • Schlossbesitzer verhindern geplantes Treffen mit Laschet in Schloss Wahn
  • Polizei-Großeinsatz und Gegendemonstrationen

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist seit Donnerstag in Deutschland. Am Samstag (29.09.2018) will er die große Ditib-Moschee in Köln eröffnen und eine Rede halten. Hier die wichtigsten Informationen dazu, womit an dem Tag in Köln zu rechnen ist.

Wie ist der Ablauf des Erdogan-Besuchs?

Bis zu 4.000 Polizisten sollen für Erdogans Sicherheit sorgen. Der türkische Präsident soll nach - vorläufigen - Informationen der Polizei gegen 14 Uhr aus Berlin kommend auf dem militärischen Teil des Köln-Bonner Flughafens eintreffen. Eigentlich sollte er sich dann auf Schloss Wahn in Flughafennähe mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) treffen. Die Schlossbesitzer ließen aber am Freitag (28.09.2018) wissen, dass sie einen Empfang "aus politischer Überzeugung" ablehnen. Die Universität Köln, die Räume im Schloss seit Jahrzehnten nutze, habe sie nicht über die Pläne informiert, sie widersprächen auch dem vereinbarten Nutzungszweck. Die geplante Nutzung sei nun untersagt und beim Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung beantragt worden. Dem hat das Gericht am Nachmittag stattgegeben.

Die Universität teilte mit, man habe angenommen, dass auch solche Anlässe vom Nutzungsrecht gedeckt sind, und sich deswegen nicht mit den Eigentümern abgestimmt. Sie begrüße nun, "dass ein neuer Ort von Seiten der Staatskanzlei gesucht" werde.

Was ist genau in der Moschee geplant?

Nach dem Treffen mit Ministerpräsident Laschet will Erdogan - wohl gegen 15 Uhr - weiter nach Köln-Ehrenfeld. Dort wird die Zentralmoschee der Ditib mit Kuppel und zwei 55 Meter hohen Minaretten eröffnet. 500 geladene Gäste werden bei der Moschee-Eröffnung erwartet. Die Polizei will den Zugang zur Moschee entgegen ersten Planungen aber sperren. Das heißt, dass Erdogan-Anhänger schon weit vor der Moschee an Absperrungen aufgehalten werden sollen. Die Polizei hatte am Freitagabend (28.09.2018) Sicherheitsbedenken geltend gemacht.

Gemeldete Versammlungen und Sicherheitsbereiche in Köln

Die Polizei rechnete zuvor mit möglicherweise bis zu 25.000 Schaulustigen. Das Sicherheitskonzept, das die Polizei gefordert und die Organisatoren am Freitag vorgelegt hatten, wurde als "völlig unzureichend" abgelehnt.

Welche Demonstrationen gegen den Erdogan-Besuch finden statt?

Die größten Veranstaltungen sind diese zwei: Das Kölner Bündnis "Erdogan not welcome" (u.a. Kurdische Gruppen, Attac, Linkspartei, Jusos) rechnet ab 10 Uhr an der Deutzer Werft mit rund 7.000 Demonstranten.

Die Alevitische Gemeinde erwartet ab 12 Uhr am Ebertplatz rund 3.000 Menschen bei einer Demo für Demokratie in der Türkei. Hinzu kommen kleinere Demonstrationen, teils von linken, teils von rechten Gruppen.

"Erdogan möchte auf Augenhöhe sprechen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 27.09.2018 06:40 Min. WDR 5

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Welche Verkehrsbehinderungen werden erwartet?

Weite Teile der Innenstadt müssen abgesperrt werden - Erdogan gilt als einer der höchst gefährdetsten Menschen der Welt. Die Polizei kalkuliert bislang mit mehreren denkbaren Routen durch die Stadt.

Fest steht, dass mit erheblichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen ist, auch auf dem Kölner Autobahnring. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) kündigten vorsorglich "erhebliche Einschränkungen" im städtischen Bahn- und Busverkehr an. Es gilt zudem eine Flugverbotszone über Köln. Gegen 18 Uhr ist Erdogans Heimflug in die Türkei geplant.

Die Kölner Polizei hat für Infos ein Bürgertelefon geschaltet, das unter der Rufnummer 229-7777 am Samstag von 8 bis 22 Uhr erreichbar ist.

Kölner Ditib-Moschee - von der Grundsteinlegung zur Eröffnung

Von Sabine Tenta

Der repräsentative Prachtbau in Köln-Ehrenfeld war von Anfang an von Kontroversen begleitet. Eine Chronologie.

DITIB-Zentralmoschee in Köln Nordrhein-Westfalen

Nach neun Jahren Bauzeit wird am Samstag (29.09.2018) die Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld eröffnet. Immer wieder gab es im Verlauf der Planungs- und Bauzeit Diskussionen, Demonstrationen und überraschende Wendungen.

Nach neun Jahren Bauzeit wird am Samstag (29.09.2018) die Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld eröffnet. Immer wieder gab es im Verlauf der Planungs- und Bauzeit Diskussionen, Demonstrationen und überraschende Wendungen.

Erste Pläne für die Moschee gab es 2001, zwei Jahre später gab der Kölner Stadtrat grünes Licht für den Bau. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) beauftragte als Bauherrin den renommierten Kölner Architekten Paul Böhm. Der hatte einen Architekturwettbewerb gewonnen. Er plante einen Gebäudekomplex, in dessen Zentrum eine Kuppel und zwei Minarette standen. So sah das erste Modell aus.

Das Bauvorhaben polarisierte. Die rechtsgerichtete Bewegung Pro Köln scheiterte mit einem Bürgerbegehren, das den Bau verhindern sollte. Zu den Kritikern gehörte auch der Publizist Ralph Giordano. Im Visier der Kritiker war unter anderem die Höhe der Minarette. Der Kompromiss, auf den sich der Architekt Paul Böhm einließ, war eine Verkleinerung des Gesamtbaus. Die Höhe der Minarette von 55 Metern wurde beibehalten, aber sie wurden schlanker, filigraner konzipiert. Im Bild präsentiert Böhm das überarbeitete Modell.

Am 7. November 2009 erfolgte die Grundsteinlegung - exakt ein Jahr nachdem die Stadt Köln die Baugenehmigung erteilt hatte. In den folgenden Jahren entsteht ein Gebäude, das weit mehr ist als ein Gebetshaus. Ebenfalls integriert werden eine Ladenpassage, eine Bibliothek, Schulungs- und Seminarräume sowie eine Tiefgarage.

Am 2. Februar 2011 wurde Richtfest gefeiert - das Gebäudegerüst mit seiner 37 Meter hohen Kuppel und den 55 Meter hohen Minaretten ist nun ein markanter optischer Punkt in der Kölner Architekturlandschaft.

Begleitet wurde das Richtfest von Protesten der rechtsgerichteten Organisationen Pro Köln und Pro NRW sowie von Gegendemonstrationen.

Die Vollendung schien zum Greifen nah, bereits im Mai 2012 sollte die Eröffnung sein. Doch im Herbst 2011 wird bekannt, dass die Ditib dem Architekturbüro Böhm wegen vorgeblicher Baumängel gekündigt hat. Hintergrund des Zerwürfnisses war nach Einschätzung von Beobachtern, dass die Ditib sich inzwischen konservativer ausgerichtet hatte. Böhm sprach von vorgeschobenen Argumenten, sah seine Arbeit diskreditiert.

Der ehemalige Kölner OB Fritz Schramma (links im Bild bei der Grundsteinlegung) konnte mit viel Engagement 2012 eine Lösung erreichen. Er vermittelte erfolgreich zwischen den Kontrahenten: Paul Böhm übernahm zwar nicht wieder die Bauleitung, erhielt aber einen Beraterstatus. Der Bau konnte fortgesetzt werden. Eine jahrelange Bauruine im Herzen von Köln war damit abgewendet.

Nach jahrelanger Wartezeit kommt auf einmal recht schnell ein Eröffnungstermin: Im September 2018, rund um einen Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Deutschland, wird die Zentralmoschee eröffnet - wahrscheinlich auf Initiative aus Ankara. Die Baukosten werden auf rund 30 Millionen Euro geschätzt, geplant waren mal 15 Millionen Euro.

Wegen der zunehmend undemokratischen Verhältnisse in der Türkei und der Unklarheiten zum Protokoll sagen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) ihre Teilnahme an der Seite von Erdoğan ab. Ein Jahr zuvor hatte Reker am Tag der offenen Moschee (03.10.2017) noch im Gebetssaal zu den Bürgern gesprochen.

Bleibt am Ende die Frage: Kann die Moschee das Signal der Integration aussenden, auf das viele gehofft haben? Um das weit über die Kölner Stadtgesellschaft hinaus immer wieder gerungen wurde? Das Gebäude bietet das Potenzial. Entscheidend ist, mit welchem Leben die Ditib es füllt.

Stand: 28.09.2018, 19:42

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