Engelskirchen: Höhlenforscher finden einzigartige „Eisenblüten“-Formation

Ein Höhlenforscher steht im Dunklen vor der beeindruckenden Kristall-Formation

Engelskirchen: Höhlenforscher finden einzigartige „Eisenblüten“-Formation

Von Oliver Köhler

  • Unberührte Kristall-Formationen
  • Höhle mehr als sieben Kilometer lang
  • Teile der Höhle noch immer unerforscht

In der so genannten "Windloch-Höhle" im oberbergischen Engelskirchen haben Höhlenforscher Kristallformationen entdeckt, die in Europa sonst in dieser Größe und Vielfalt nicht zu finden sind. Die „Eisenblüten“ bestehen aus einem Gespinst von feinen Kristallfäden. Sie sind über Jahrtausende an Decken und Wänden der Höhle im Engelskirchener Mühlenberg entstanden.

Die Entdeckung sorgt europaweit für Aufsehen unter Wissenschaftlern. Das Windloch ist ein System aus unterirdischen Gängen, das erst 2018 von Forschern des „Arbeitskreises Kluterthöhle“ aus Ennepetal entdeckt wurde.

Noch nie ein Mensch zuvor

Die Kristalle wachsen von der Decke

Als Höhlenforscher Stefan Voigt sich mit seinem Team vom Arbeitskreis Kluterthöhle zum ersten Mal durch einen engen Felsspalt in die Windloch-Höhle abgeseilt hatte, ahnte er nicht, welche Überraschungen sich dort verbergen. „Die Höhle war vollkommen unberührt“, berichtet Voigt. „Vor uns war offenbar noch nie ein Mensch in den Gängen und Sälen“.

Für die Forscher ein seltenes Glück. So fanden sie schon auf den ersten Metern unberührte Kristalle und Tropfstein-Formationen. „In den meisten bekannten Höhlen haben Menschen Kristalle und Tropfsteine einfach abgeschlagen und mitgenommen, als Andenken oder um sie zu verkaufen“, berichtet Voigt. In der Windloch-Höhle ist das anders. Das ist ein großes Glück für Forscher.

Sie fanden mehr als  20 Zentimeter lange Gipsnadeln, Gipswatte, Gipskristalle, Bergkristalle und zahllose zum Teil seltenen Tropfsteinformen.

Außergewöhnliche Kristallformen

Die Krönung dieser Funde waren im Frühjahr dieses Jahres die „Eisenblüten“. Diese seltenen Kristalle bezeichnen Wissenschaftler als „aragonitische Sinterformen“. Einige der Kristall-Formationen in der Windloch-Höhle haben einen Durchmesser von bis zu 1,50 Metern „Für europäische Höhlen ist das außergewöhnlich“, sagt Forscher Voigt. Selbst im weltbekannten Erzberg in der Steiermark wurden so große Eisenblüten nicht gefunden.

Die Kristallformen beschäftigen jetzt auch die Mitarbeiter des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen und Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum. Sie untersuchen, wie die „Eisenblüten“ in der Windloch-Höhle so außergewöhnlich groß werden konnten.

Stefan Voigt und sein Team haben die Eisenblüten tief im Inneren der Höhle gefunden. Der Weg dorthin ist beschwerlich. Die Forscher mussten sich abseilen, durch enge Gänge kriechen und über Felsblöcke klettern.

"Vor der Hacke ist es immer dunkel"

Forscher schaut mit Gegenlicht auf den Kristall

Die Windloch-Höhle in Engelskirchen ist eine der größten bisher bekannten Höhlen in Deutschland. Mehr als 7,3 Kilometer Gänge haben Forscher vermessen. „Was uns noch alles unter dem Mühlenberg erwartet, weiß niemand,“ sagt Forscher Voigt. „Vor der Hacke ist es immer dunkel“.

Abgeschirmt von der Welt

Die Windloch-Höhle soll voraussichtlich niemals für Besucher geöffnet werden. „Nur so können wir die einzigartige unberührte Welt erhalten".  

Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Engelskirchen überlegen die Forscher aber, wie die Höhle für ein breites Publikum erlebbar gemacht werden kann, zum Beispiel durch ein virtuelles Besucherzentrum. Nicht weit von der Windloch-Höhle befindet sich die Aggertalhöhle. Sie ist für Besucher geöffnet. Dort könnte ein Höhlenzentrum entstehen, das Interessenten aus ganz Europa anlockt.

Stand: 24.06.2020, 14:15