NRW fördert klimaneutrale Glasproduktion

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gibt beim Saint-Gobain-Glaswerk den Startschuss für eines der größten Wasserstoff-Projekte des Landes im Industriebereich.

NRW fördert klimaneutrale Glasproduktion

Von Michael Esser

Die Saint-Gobain-Glaswerke in Herzogenrath werden zu einer der weltweit ersten klimaneutralen Glasfabriken. Sie stellen die Produktion komplett von fossilen Brennstoffen auf Wasserstoff um.

NRW-Ministerpräsident Wüst gab für die Umstellung den Startschuss. Das französische Unternehmen Saint-Gobain produziert in Herzogenrath Flachglas für den Bau und Windschutzscheiben für die Automobilindustrie. In Standort-Nähe gibt es reiche Vorkommen von besten Quarzsanden. Das Schmelzen der Sande bei 1.500 Grad verschlingt so viel Energie wie eine Kleinstadt im Jahr verbraucht – rund 450 Gigawattstunden. Dabei werden 118.000 Tonnen CO2 ausgestoßen.

Wasserstoffnutzung im Industriemaßstab

Bis spätestens 2030 soll der Standort nun auf Energie aus grünem Wasserstoff umgestellt werden. Vorteil ist, dass die Schmelzwannen ohnehin in den nächsten Jahren erneuert werden. Jetzt soll eine eigene Wasserstoff-Produktion am Standort, ein eigener Elektrolyseur, gebaut werden. Der liefert künftig die Prozessenergie für die Glasherstellung. Was technologisch schon lange geklärt ist, wird nun erstmals im Industriemaßstab umgesetzt.

Die Crux im Detail

Saint-Gobain-Forschungsdirektor Stephan Behle: "Das hört sich so einfach an, wir stellen mal um von Gas auf Wasserstoff. Die Crux liegt im Detail. Sie haben eine komplett andere Atmosphäre in der Schmelzwanne. Das heißt, sie haben künftig Wasserdampf. Die ganze Gas-Chemie – das ist ja ein Chemie-Reaktor – ist vollkommen unterschiedlich zu heute. Das ist ein Jahrhunderte eingespieltes System, das wir umstellen."

Smarte Energiesysteme und Machbarkeitsstudie

Neben der Glasherstellung soll auch der komplette Produktionsprozess auf smarte Energiesysteme und sparsamen Verbrauch umgestellt werden. Insgesamt ist das ein Pilotprojekt nicht nur für die Glasindustrie, sondern für viele energieintensive Branchen.

Wie die Umstellung in der großtechnischen Praxis gelingt, soll zuerst mit einer Machbarkeitsstudie „COSiMa“ ermittelt werden. Daran sind neben Saint-Gobain mehrere wissenschaftliche Institute aus Aachen und Essen beteiligt, außerdem Siemens Energy als Anlagenbauer für den Wasserstoff-Elektrolyseur.

Pilotcharakter für Rheinisches Revier und NRW

Das Projekt hat für das Land Pilotcharakter. Zum einen wegen der technologisch-großindustriellen Aspekte. Zum anderen als Vorbild für den Strukturwandel im Rheinischen Revier weg von der fossilen Braunkohle zur umweltfreundlichen Energieversorgung. Das sei ambitionierter Klimaschutz, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. Er gab zusammen mit Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart in Herzogenrath auch finanziell den Startschuss für das Projekt. Das Land fördert die Umstellung auf CO2-Freie Produktion mit 3,6 Millionen Euro. Saint-Gobain und mehrere Wissenschaftsinstitute der RWTH Aachen und aus Essen teilen sich die Summe. Insgesamt hat das Projekt ein Volumen von 5,6 Millionen Euro.

Bereits im Laufe des nächsten Jahres sollen die ersten Versuche mit Wasserstoff stattfinden. Dann folgt der Austausch der Schmelzwannen. Das Unternehmen hofft, lange vor der selbstgesetzten Zielmarke 2030 fertig zu sein.

 

 

 

Stand: 12.01.2022, 15:49