Kraftwerk Neurath

IHK-Studie: vorzeitiger Kohleausstieg unrealistisch

Stand: 12.04.2022, 19:33 Uhr

Eine Studie im Auftrag der IHKs Aachen, Köln und mittlerer Niederrhein kommt zu dem Ergebnis, dass ein Kohleausstieg vor 2038 zu Problemen bei der Energieversorgung führen könnte. Grund sei unter anderem der Krieg in der Ukraine.

Von Erik Butterbrodt

Geht es nach der regierenden Ampelkoalition, soll so schnell wie möglich Schluss sein mit der Stromerzeugung aus Braunkohle – am liebsten schon 2030. Das Rheinische Revier gilt als einer der Vorreiter beim Kohleausstieg. Die IHKs aus dem Rheinland hatten deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie realistisch das sei. Ergebnis: Ein Kohleausstieg vor 2038 könnte Probleme bei der Energieversorgung bringen. Durch den Krieg in der Ukraine müsse die Industrie dringend auf mögliche Engpässe bei der Gaslieferung aus Russland reagieren können.

„Wenn die Kohle raus ist, dann gibt es eine Stromlücke. Die Versorgungssicherheit ist dann nicht gewährleistet. Die Idee war ja eigentlich, Gas als Brückentechnologie einzusetzen“, sagt Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.

Industrie im Rheinland von russischem Gas abhängig

Braunkohlebagger vor Hambacher Forst

Durch den Gasstreit mit Russland oder gar ein mögliches Embargo sei Gas als Brückentechnologie nun aber mehr als fraglich. Ein Problem für die Industrie, beispielsweise im Chemiesektor. Neben Kohle braucht man hier Gas für Strom und Dampf. Sonst kann nicht produziert werden. Mit verheerenden Folgen, wie der Werkstoffhersteller Covestro dem WDR bestätigt: 

"... Versorgungsengpässe würden nicht nur energieintensive Industrien wie die Chemie, sondern auch nachgelagerte Branchen wie das Gesundheitswesen, das Baugewerbe oder die Automobilindustrie betreffen. Es könnte zum Zusammenbruch kompletter Produktions- und Lieferketten kommen, mit massiven Auswirkungen für die Versorgung der Bevölkerung in Deutschland und Europa ..."

Ausbau erneuerbarer Energien müsse beschleunigt werden

Die IHKs kritisieren, dass es zwar einen Plan für den Kohleausstieg gäbe. Aber keinen Ausbauplan für erneuerbare Energien.

Schnell drehen sich die Rotoren von Windrädern in einem Windenergiepark

Neue Energie aus Sonne und Wind

„Es ist mehr eine Ausbauhoffnung“, sagt IHK Köln-Chef Uwe Vetterlein. Es müsse deutlich mehr Unterstützung von Bund und Land kommen für den Ausbau erneuerbarer Energie. Allein im rheinischen Revier müssten 100 Windkraftanlagen pro Jahr gebaut werden. Außerdem viele Solaranlagen. Passiert das nicht - würde ein vorgezogener Kohleausstieg laut der neuen IHK-Studie die Energieversorgung gefährden.

Über dieses Thema berichten wir am 12. April 2022 im WDR Fernsehen: Lokalzeit Köln, 19:30 Uhr