Aachen: Demo gegen Atommüll-Endlager

Elisenbrunnen in Aachen mit Demonstranten

Aachen: Demo gegen Atommüll-Endlager

Von Britta Kuck

  • Protest gegen Atommüllendlager
  • Motto der Demo: "Zuerst abschalten - danach Endlager suchen!"
  • Zwei von sieben möglichen Standorten im Grenzgebiet

In Aachen sind am Mittwoch (10.06.2020) etwa 60 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen ein Atommüll-Endlager im deutsch-belgischen Grenzgebiet zu demonstrieren. Aufgerufen zu dem Protest hatte das Aktionsbündnis gegen Atomenergie.

Kritik an Ministerpräsident Laschet und OB Philipp

Zu Beginn der Demo gab es Buhrufe gegen NRW-Ministerpräsident Laschet und Aachens Oberbürgermeister Philipp, die beide nicht zur Versammlung am Elisenbrunnen kamen. Falls ein Endlager im Hohen Venn beschlossen würde, "dann wird's richtig rappeln", sagte Walter Schumacher vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie, der Haupt-Redner bei der Demo. "Wir fordern", so Schumacher weiter, "erst mal aufzuhören, Atommüll zu produzieren! Dieser Müll wird immer mehr." Eine Endlagerung sei ein Trojanisches Pferd.

Bündnis sieht Beteiligung der Öffentlichkeit als unzureichend

Wasserdampf steigt aus den drei Kühltürmen des Atomkraftwerks Tihange

Umstrittenes Atomkraftwerk Tihange

Die Forderung des Aktionsbündnisses war klar: Die belgische Regierung solle endlich das als marode geltende Kernkraftwerk Tihange abschalten. Außerdem kritisiert das Bündnis, dass die derzeitige Suche nach einem Endlager ohne größere Öffentlichkeitsbeteiligung laufe. Mitte April hatte die belgische Behörde eine Befragung gestartet, in der die Bevölkerung sich für oder gegen das Atommüllendlager aussprechen kann.

Beliebte Touristenregion als möglicher Standort?

Die zuständige belgische Behörde hat landesweit sieben mögliche Standorte in die engere Auswahl genommen, darunter zwei im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Eines der beiden: das Plateau von Herve, 30 Kilometer westlich von Aachen. Auch Stavelot bei Malmedy, eine beliebte Touristenregion nahe des Hohen Venns, ist im Gespräch für das unterirdische Atommüllendlager.

Bisher ging man von Endlager in Frankreich aus

Demoplakate am Elisenbrunnen

Forderungen der Demonstranten

Für viele Atomgegner in Aachen kam das überraschend, ging man bislang davon aus, dass ein Endlager nicht in Belgien, sondern in Frankreich eingerichtet wird, in der Region Lothringen. Mit der Kundgebung wollen die Anti-Atombündnisse in Aachen deutlich machen, dass sie die neuen Pläne ablehnen. "Zuerst abschalten - danach Endlager suchen!" ist das Motto der Demonstranten: Sie fordern, erst Kernkraftwerke vom Netz zu nehmen, bevor man über Endlagerung nachdenke.

Abstandsregeln eingehalten

An der Demo nahm auch der Aachener Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko von der Linken teil, der zuletzt wegen der Teilnahme an Anti-Corona-Demonstrationen in der Kritik stand. Bei der Versammlung am Elisenbrunnen wurden die Abstandsregeln eingehalten. Gleichzeitig mit dem Aachener Protest haben auch Menschen in Lüttich und in Maastricht demonstriert.

Stand: 10.06.2020, 20:20