Protestwochenende im Rheinischen Revier

Aktivisten auf Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler

Protestwochenende im Rheinischen Revier

Von Britta Kuck

Dem Rheinischen Revier steht ein unruhiges Wochenende bevor. Braunkohlegegner wollen an den Tagebauen aktiv werden. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.

Im Rheinischen Revier steht wieder ein Streikwochenende an. Es werden neue Proteste gegen die Braunkohleförderung erwartet. Die Polizei wird mit mehreren Hundertschaften im Einsatz sein.

Zu den Aktionen hat das Bündnis Ende Gelände aufgerufen. Die Bewegung Fridays for Future, die Initiative "Alle Dörfer bleiben" und die "Anti-Kohle-Kidz" (AKK) will die Proteste unterstützen. Das haben Vertreter aller Organisationen am Mittwochvormittag bei einer Pressekonferenz in Berlin mitgeteilt. Gemeinsam fordern sie einen schnelleren Ausstieg aus der Braunkohle.

Vorwurf an die Bundesregierung

"Anders als in der Coronakrise handelt die Bundesregierung in der Klimakrise nicht", sagte Quang Paasch, Sprecher von Fridays for Future, in Berlin. Die Regierung wolle noch 18 weitere Jahre Kohle abbaggern. Fridays for Future fordere eine "konsequente und gerechte Klimapolitik". Die Klimakrise treffe vor allem diejenigen, die jetzt schon unter sozialen Ungerechtigkeiten leiden. Dagegen will das Bündnis eintreten. Darin sind sich alle Bündnisse einig.

In Berlin äußerte sich auch Britta Kox von "Alle Dörfer bleiben", die selbst im Erkelenzer Ortsteil Berverath lebt. "Menschen werden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen", sagte sie. Die sogenannte Kohlekommission, die von der Bundesregierung eingesetzt war, hatte seinerzeit die Landesregierungen aufgefordert, mit Betroffenen in einen Dialog um die Umsiedlungen zu treten, um soziale und wirtschaftliche Härten zu vermeiden. Diese "Härten" seien aber nicht vermieden worden, so Kox.

Polizei rechnet mit Großeinsatz

Die Veranstalter gaben nicht an, mit wie vielen Teilnehmern sie am Wochenende rechnen. Die Aachener Polizei erwartet mehrere tausend Teilnehmer und hat sich nach eigener Aussage intensiv auf darauf vorbereitet. Es werden Polizeibeamte aus ganz NRW, aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei im Einsatz sein.

Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach appelliert an alle Beteiligten, "sich selber und andere nicht in Gefahr zu bringen und sich keinen strafbaren Aktionen anzuschließen".

Globaler Klimastreik am Freitag

Die Bündnisse mobilisieren auch für den globalen Klimastreik am 25. September. Dann werden weltweit mehr als 2.500 Demonstrationen stattfinden, etwa 400 davon in Deutschland.

Zum Protest am Freitag ruft auch eine eigenständige Gruppe auf, die derzeit in Aachen ein erstes Klimacamp organisiert. Seit Dienstag finden in dem Camp auf der Hollandwiese, einem Park in der Stadt, Workshops und Vorträge rund ums Klima statt.

Baggerbesetzung im August

Im Rheinischen Revier kommt es immer wieder zu Protesten. Zuletzt hatten Braunkohlegegner Ende August einen Schaufelradbagger im Tagebau Garzweiler besetzt. Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die sich an einer Kundgebung beteiligte, verteidigte die Aktion, die von der Polizei beendet wurde.

Stand: 23.09.2020, 14:13