Ein Maskierter Täter steht vor einem schwarzen Auto.

Millionendiebstahl Emmerich: Staatsanwaltschaft Polen mit neuen Details

Stand: 22.06.2022, 08:01 Uhr

Nach dem Millionendiebstahl im Zollamt Emmerich wurden in Polen drei weitere Männer festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Polen hat gegenüber dem WDR neue Details genannt.

Die Staatsanwaltschaft in Polen bestätigte am Mittwoch die Festnahmen der drei Männer. Sie sollen zu einer organisierten Verbrechergruppe gehören; unter ihnen befindet sich demnach auch der Anführer der Gruppe.

Internationale Zusammenarbeit

Das von der Staatsanwaltschaft in Wrocław geführte Verfahren betreffe eine organisierte kriminelle Gruppe, die in der Zeit vom 30. Oktober bis zum 01. November 2020 einen Einbruch ins Zollamt in Emmerich begangen hat. Die Täter haben dabei mehr als 6,4 Millionen Euro erbeutet.

Staatsanwälte der niederschlesischen Abteilung der polnischen Polizei und Beamte des Zentralen Ermittlungsbüros (CBŚP) nahmen die Ermittlungen auf, nachdem sie Informationen erhalten hatten, dass die Täter aus Niederschlesien stammen. Im Laufe des Verfahrens wurde mit der deutschen Staatsanwaltschaft und Beamten des Polizeipräsidiums Krefeld, die Mitglieder des Untersuchungsausschusses "Kern" sind, zusammengearbeitet.

"Deutschen Zollbeamten zur Zusammenarbeit überredet"

Ansicht Zollamt Emmerich

Das Zollamt in Emmerich.

Die Staatsanwaltschaft habe im Zuge der Ermittlungen festgestellt, dass die Gruppe einen Mitarbeiter des deutschen Zolls zur Zusammenarbeit überredet habe; er sei für die Planung, Bewertung und Zertifizierung von Räumen zur Aufbewahrung von Wertgegenständen zuständig gewesen. Er habe den Mitgliedern der Gruppe Pläne des Tresors übergeben, die Unterlagen über seine Sicherheit, seinen Standort und seine Beschaffenheit beinhalteten.

Dieses Wissen sei für die Planung und Vorbereitung des Einbruchs notwendig gewesen, so die Staatsanwaltschaft in Polen. Die Mitglieder der Gruppe führten die Tat mit speziellen Baumaschinen aus, mit deren Hilfe sie Löcher an den am schlechtesten gesicherten Stellen bohrten. Auf ihrer Flucht vom Tatort benutzten sie Fahrzeuge mit sogenannten geklonten Nummernschildern.

Täter gingen professionell vor

Generell gingen die Täter bei dem Einbruch sehr professionell vor. Um ihre Spuren zu verwischen, reinigten sie den Tresorraum mit einer Chlorlösung. Anschließend legten sie falsche DNA-Spuren, um die Polizei in die Irre zu führen.

Hinweise zur Tätergruppe führten schließlich ins polnische Wrocław. Gegen die festgenommenen Männer erhob der Staatsanwalt der Regionalabteilung Niederschlesien Anklage wegen Gründung und Leitung einer organisierten kriminellen Vereinigung, während die anderen festgenommenen Personen wegen Beteiligung an einer organisierten kriminellen Vereinigung angeklagt wurden. In Polen geht man davon aus, dass den mittlerweile sieben Festgenommenen der Prozess gemacht wird. Sie erwartet jeweils eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. 

Verbleib der Beute noch nicht bekannt

Nach Angaben einer polnischen Zeitung soll einer der Männer auch Besitzer eines dunklen Fahrzeugs sein, das schon damals auf den Fahndungsfotos zu sehen war.

Zum Verbleib der Beute gibt es allerdings keine neuen Hinweise. Laut polnischen Medienberichten wurde die Beute angeblich in einem Fass versteckt und anschließend vergraben. Zuvor berichteten polnische Zeitungen, dass die Täter in Streit um die Millionenbeute gerieten. Das habe sich in kriminellen Kreisen herumgesprochen und schließlich auch die Fahnder erreicht.

Über dieses Thema berichten wir am 22. Juni 2022 im WDR Hörfunk sowie WDR Fernsehen: Lokalzeit aus Duisburg, 19:30 Uhr.