Grevenbroicher Familie revolutioniert die Notfallrettung

Familie aus Grevenbroich arbeitet am Küchentisch

Grevenbroicher Familie revolutioniert die Notfallrettung

Von Moritz Börner

  • Familie erfindet nach Unfall neue Ortungstechnik
  • "Emergency Eye" funktioniert ohne App
  • Technik kommt bald in ganz Deutschland zum Einsatz

Es passierte in der Bretagne - beim Urlaub vor zwei Jahren. Günter Huhle und seine Frau Carola Petri verunglückten mit dem Motorrad. Weil die Rettungsdienste den Unfallort auf einer Landstraße nur schwer finden konnten, dauerte es 90 Minuten, bis Hilfe kam. Carola Petri hatte mehrere Wirbelbrüche erlitten und lag wochenlang im Krankenhaus.

Die Idee entstand am Küchentisch

Inzwischen ist sie wieder gesund, doch das lange Warten auf Hilfe ließ der Familie keine Ruhe. Beim Brainstormen zu Hause in Grevenbroich kam das Ehepaar zusammen mit den beiden Söhnen Benne und Viktor zu dem Schluss: Mit Hilfe von Smartphones müsste eigentlich eine deutlich schnellere Ortung von Verletzten möglich sein. Denn Smartphones haben ja GPS-Technik standardmäßig verbaut, die den genauen Standort mitteilt. "Wir waren verwundert, dass das heutzutage noch nicht möglich ist."

Schnelle Hilfe im Notfall dank Notfall-Ortungssystem 02:40 Min. Verfügbar bis 22.10.2019

"Emergency Eye" ist keine App

Die Familie arbeitete bei der Entwicklung mit Programmierern und Rettungsleitstellen zusammen, organisierte sogar zwei "Hackathons", also Programmier-Wettbewerbe für IT-Fachleute. Das Ergebnis ist "Emergency Eye". Die Technik erlaubt den Rettungskräften, auf das Smartphone von Verunglückten zuzugreifen, den Standort zu ermitteln oder die Kamera zu aktivieren. Es gibt zwar viele Apps, die das ermöglichen. Das Besondere an "Emergency Eye" ist aber, dass es eben keine App ist.

Mitarbeiter der Leitstelle an ihrem Arbeitsplatz.

Das neue Ortungssystem unterstützt die Mitarbeiter der Leitstelle bei ihrer Arbeit.

Betroffene bekommen lediglich einen Link per SMS zugeschickt, den sie bestätigen müssen. "Der Vorteil einer Nicht-App ist, sie brauchen sich als Bürger um nichts zu kümmern. Wir nutzen ihre Technik nach ihrer Freigabe", erklärt Thomas Dilbens von der Neusser Leitstelle, "so können wir jedem ohne die Vorinstallation von Software helfen!"

Ortungstechnik kommt bald deutschlandweit

Das System zeigt erste Erfolge: Zum Beispiel hatte sich ein Spaziergänger am Neusser Rheinufer den Fuß verletzt. Wo er genau war, konnte er nicht sagen. Der Mann wurde mit "Emergency Eye" per GPS geortet. Die Notärzte waren deutlich schneller bei ihm, als es ohne das Ortungssystem möglich gewesen wäre. Und die Erfolgsgeschichte der Grevenbroicher Familie geht weiter: "Emergency Eye" soll bald deutschlandweit in allen Rettungsleitstellen eingesetzt werden.   

Neusser Familie revolutioniert 112-Ruf

WDR 5 Westblick - aktuell 22.10.2018 04:02 Min. Verfügbar bis 22.10.2019 WDR 5

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Stand: 22.10.2018, 13:30

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