Der schwierige Kampf gegen "Elterntaxis"

Der schwierige Kampf gegen "Elterntaxis"

Von Peter Hild

  • Schulen kämpfen gegen "Elterntaxis"
  • Elternhaltestellen bringen Verbesserung
  • Experte sieht in vielen Kommunen Nachholbedarf

Der achtjährige Mats überquert zielsicher mit seinen Schulkameraden eine Kreuzung. Sein Vater Frank Dellinger begleitet die Schülergruppe an diesem Morgen auf dem Fußweg zur Grundschule Bell in Mönchengladbach: "Die Kinder sind sehr selbständig, jeder schaut nach dem Verkehr. Eingreifen muss ich eigentlich nie", sagt Dellinger.

"Walking Bus" nennt sich das Konzept, bei dem Schüler entlang verschiedener Treffpunkte unter Begleitung von Eltern zusammen zur Schule gehen. In Mönchengladbach funktioniert es offenbar gut. Trotzdem gibt es vor dem Schultor häufig noch ein Verkehrs-Chaos.

Gerade jetzt, in der dunklen Jahreszeit, werden viele Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht: nach einer Studie im Auftrag des ADAC etwa jeder dritte Grundschüler.

Mehr Schulwegprojekte an Schulen

Immer mehr Schulen in NRW haben in den vergangenen Jahren "Elterntaxis" den Kampf angesagt. Viele Städte setzen dabei auf Elternhaltestellen - von Schulen eingerichtete Haltezonen - und den "Walking Bus".

Zwei Männer betrachten ein Schild "Hol- und Bringzone" an einer Laterne

Immer mehr Schulen richten Hol- und Bringzonen ein

Nach Angaben der Landesverkehrswacht gibt es bereits an mehr als 80 Schulen solche Elternhaltestellen. Die Stadt Bonn hat einen Leitfaden für Schulen herausgegeben. In Bergisch Gladbach und Gummersbach wurden Schulwege analysiert, um die Verkehrssituation zu verbessern.

Elternhaltestellen bringen Verbesserung

Schulen, die die Auswirkungen ihrer Maßnahmen im Nachhinein analysieren, berichten von positiven Erfahrungen, etwa die Andreasschule in Essen. In anderthalb Jahren ist dort der Anteil der Kinder, die mit dem "Elterntaxi" gebracht wurden, von 37 auf 20 Prozent gesunken. Deutlich mehr Kinder kommen zu Fuß zur Schule.

Viele Kommunen probierten etwas aus, hätten das Problem aber noch nicht vollständig durchdrungen, sagt der Wuppertaler Bauingenieur und Verkehrsplaner Jens Leven. Er berät bundesweit Schulen und Kommunen zu Verkehrsprojekten.

Verkehrsplanung zugunsten der Kinder

"Viele Städte müssten mal ihre standardisierte Verkehrsplanung zugunsten der Kinder verändern", fordert Leven. Schulen, Eltern und Behörden müssten als Team zusammenarbeiten, nur so könne man das Problem in den Griff bekommen. Da sieht Leven trotz Fortschritten noch deutlichen Nachholbedarf in NRW.

In Mönchengladbach sind Mats und sein Vater mit dem "Walking Bus" sicher an der Schule angekommen. Frank Dellinger: "Nach dem Schulweg sind die Jungs schon hellwach und bereit für den Unterricht. Bei anderen Kindern sieht man, wie sie teilweise noch verschlafen aus dem Auto fallen."

Elterntaxi: besser laufen als fahren

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 18.12.2019 03:50 Min. Verfügbar bis 17.12.2020 WDR 5 Von Almut Horstmann

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Stand: 06.01.2020, 16:52