Konsequenzen aus Missbrauchsgutachten: WDR-Religionsredakteurin ordnet Beschlüsse ein

Christina-Maria Purkert - Portrait

Konsequenzen aus Missbrauchsgutachten: WDR-Religionsredakteurin ordnet Beschlüsse ein

Von Celina de Cuveland und Judith Biedermann

Christina-Maria Purkert, Religionsredakteurin des WDR, ordnet die am Vormittag vorgestellten Konsequenzen des Erzbistums aus dem Gutachten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt ein.

Nach der Pressekonferenz des Kölner Erzbistums am Dienstagvormittag zu den Konsequenzen aus dem Gutachten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt möchten wir von WDR-Religionsredakteurin Christina-Maria Purkert wissen: Wie war, ihrer Einschätzung nach, denn der Auftritt von Rainer Maria Kardinal Woelki heute?

"Er hat sich als jemand gezeigt, der sehr persönlich auch betroffen ist und sich persönlich engagieren möchte für Aufarbeitung und Aufklärung. Er hat sein Statement damit begonnen, wie sehr ihn ein persönliches Gespräch mit einem Betroffenen, noch bevor die Studien der Bischofskonferenz veröffentlicht wurden, berührt und auch infrage gestellt hat. Woelki hat das durchgehend auch immer wieder als Motor für seinen Aufklärungs- und Aufarbeitungswillen dargestellt im Verlauf des weiteren Statements."

Es gab nach dem Donnerstag, an dem das Gutachten von dem Strafrechtler Björn Gercke veröffentlicht wurde, auch die Kritik, dass das jetzt zwar die rechtliche Aufarbeitung war, aber die moralische noch nicht stattgefunden hat. Hat Woelki davon heute etwas übernommen?

"Ja, er hat tatsächlich selbst gesagt, dass er moralische Verantwortung trägt und dass er zwar juristisch entlastet ist. Aber er sagt selbst jetzt auch nach dem Nachdenken über dieses Gutachten, dass zum Beispiel in dem Fall des Priesters O, mit dem er befreundet war, von dem er dann erfahren hat, dass er ein Missbrauchstäter war, dass er aus heutiger Sicht es nach Rom melden würde, was er dann in den Akten vorgefunden hat. Er ist ja juristisch entlastet. Das war nicht nötig, weil dieser Mann nicht mehr vernehmungsfähig war. Aber heute sagt er, moralisch war es aber trotzdem falsch, das nicht zu tun."

Es wurde einige Maßnahmen vorgestellt, die das Erzbistum jetzt ergreifen möchte. Darunter eine Aufarbeitungskommission, Akten sollen digital geführt werden, um sie besser vor Veränderung zu schützen und ein anonymes Meldesystem soll es geben. Ihre Einschätzung: Ist das ausreichend?

Erzbistum Köln stellt Konsequenzen aus dem Missbrauchgutachten vor

Rainer Maria Kardinal Woelki auf der Pressekonferenz

"Das ist sicherlich nicht ausreichend. Und das wissen natürlich auch die Verantwortlichen im Erzbistum, der Erzbischof und auch sein Generalvikar. Aber man hat immer wieder betont, dass man jetzt nicht selbst entscheiden möchte, was noch fehlt, sondern dass eine neue, unabhängige Kommission Hinweise geben soll, ob zum Beispiel noch historische Studien, soziologische Studien oder andere Studien gemacht werden müssen zur Aufarbeitung und Aufklärung. Und da wird es ja eine unabhängige Kommission geben demnächst. Und zwar nach den Maßgaben der gemeinsamen Erklärung, die im Mai 2020 von der Deutschen Bischofskonferenz und dem unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung verabschiedet worden ist und die nun für einzelne Bistümer umgesetzt werden soll. Und Köln hat jetzt tatsächlich das unterzeichnet und angegangen. Dazu muss man auch bei der Landesregierung anfragen, wen sie benennt. Ein Großteil der Mitglieder dieser Kommission werden von Landesregierung und Betroffenengremien benannt, nur zwei werden vom Erzbistum dahin entsandt, die dann aber auch der Kontrolle des Bistums entzogen sein sollen. Und von da erhofft man sich dann externen Rat, was noch fehlt und was noch alles verbessert werden muss."

Es wurden zum Schluss der Pressekonferenz fast 40 Minuten lang Fragen von Journalisten gestellt. Das war mehr als bei der ersten Pressekonferenz vergangenen Donnerstag. Spricht das für eine neue, offenere Form der Kommunikation im Erzbistum?

"Zumindest gab es das Bemühen, alle Fragen zu beantworten, auch Wissenslücken und Unsicherheiten einzugestehen, auch gerade seitens des Kardinals. Und er hat sich ja auch schon in seinem Statement gezeigt als jemand, der mehr kommunizieren möchte. Er hat ein Gesprächsangebot gemacht an alle Betroffenen, die in diesem Gutachten benannt sind oder die er kennt, und hat angeboten, er möchte zuhören, er möchte sich den Betroffenen zuwenden. Und er möchte mit jedem, der sich bei ihm meldet, dem bietet er an, dass er mit ihm persönlich spricht. Das sind Zeichen, dass man mehr in die Kommunikation insgesamt gehen möchte, nicht nur mit der Presse."

Stand: 23.03.2021, 15:11