Ein halbes Jahr nach der Flut: Das Aufräumen geht weiter

verwüsteter Campingplatz im Sonnenschein

Ein halbes Jahr nach der Flut: Das Aufräumen geht weiter

Von Ingo Wagner

Sechs Monate nach der Flut sind die Aufräumarbieten in den besonders schwer getroffenen Kommunen wie Eschweiler, Stolberg und Schleiden-Gemünd noch in vollem Gange.

In Eschweiler haben viele Geschäfte in der Innenstadt zwar wieder geöffnet, aber es bleibt noch viel zu tun. 34 öffentliche Gebäude sind durch die Flut stark beschädigt oder völlig zerstört worden, der Schaden wird von der Stadtverwaltung auf rund 211 Millionen Euro beziffert.

29.000 Tonnen Sperrmüll in Eschweiler

Rund 29.000 Tonnen an Sperrmüll mussten nach der Flutkatastrophe aus der Stadt herausgeschafft werden, das 27–fache der normalen Jahresmenge an Müll. "Trotz des enormen Aufwands liegen wir aber bei der Sanierung der öffentlichen Gebäude im Zeitplan,“ sagt René Costantini, Pressesprecher der Stadt Eschweiler.

Ein halbes Jahr nach der Flut: Ein Blick in betroffene Gebiete

Ein halbes Jahr nach der Flut sind immer noch viele Spuren der Katastrophe sichtbar - in der Eifel, Eschweiler und Stolberg. Wir haben genauer hingeschaut.

leerstehendes und runtergekommenes Haus, in dem die Frontscheibe fehlt

Die Flut im Sommer hat die Urftseestraße in Gemünd besonders hart getroffen. Auch heute stehen hier noch einige Häuser leer. Besonders sticht ein Haus hervor, in dem zuvor fünf Parteien gelebt haben. Mittlerweile sind alle ausgezogen und das völlig zerstörte Haus wurde verkauft.

Die Flut im Sommer hat die Urftseestraße in Gemünd besonders hart getroffen. Auch heute stehen hier noch einige Häuser leer. Besonders sticht ein Haus hervor, in dem zuvor fünf Parteien gelebt haben. Mittlerweile sind alle ausgezogen und das völlig zerstörte Haus wurde verkauft.

Während in der Urftseestraße in Gemünd ein Handwerkerauto neben dem anderen steht, weisen einige Häuser immer noch starke Schäden der Verwüstung auf.

Auch in der Innenstadt von Gemünd herrscht noch Stille. Die Läden sind provisorisch verschlossen und wo einst eine kleine Eisdiele mit Glasfront ihren Platz hatte, findet sich heute eine Fassade aus Spanplatten.

Der Campingplatz Vichtbachtal in Mulartshütte ist auch ein halbes Jahr nach der Flut noch verwüstet.

Die Brücke in Mulartshütte wird derzeit neu gebaut. Denn die Flut hat diese im Sommer schwer beschädigt. Im Moment ist es daher nicht möglich, in Mulartshütte von der einen Seite der Vicht auf die andere zu kommen. Denn auch die kleine Holzbrücke für Fußgänger auf dem Campingplatz wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt.

In Nettersheim hat die Flut im Sommer zahlreiche Häuser zerstört. Heute, ein halbes Jahr später, muss man etwas genauer hinschauen, um die Auswirkungen der Flut noch in dem kleinen Dorf in der Eifel zu sehen. Doch der Schein trügt: Die meisten Häuser stehen vorrübergehend leer, werden getrocknet oder renoviert. Besonders ein Haus fällt auf, dem man auch heute die Katastrophe noch deutlich ansieht.

Auch in Hellenthal muss man ein halbes Jahr nach der Flut genauer hinschauen, um die Auswirkungen der Flutkatastrophe zu erkennen. Blickt man jedoch gezielt auf das weiße Haus im Hintergrund, ist die Wasserlinie an der Hauswand noch heute erkennbar. Ungefähr einen Meter hoch stand das Wasser hier.

Dieses Gebäude (links) in Stolberg würde eigentlich deutlich weiter nach rechts im Bild stehen. Doch es wurde im Sommer von der Flut zum Großteil mitgerissen. Heute liegen die restlichen Teile wahrscheinlich irgendwo im Uferbereich der Vicht verteilt.

Viele Kindertagesstätten in Eschweiler müssen nach der Flut immer noch getrocknet werden. So auch diese Kita in der Dechant-Kirschbaumstraße, die derzeit von mehreren Bautrocknern geziert wird.

Handwerker auch in der Eifel dringend gesucht

Schwieriger ist da die Sanierung vieler privater Häuser und Wohnungen. In der Eschweiler Stadtmitte und in Stadtteilen wie Aue und Weisweiler müssen viele Gebäude ganz erneuert werden. Und es fehlt dabei vor allem an Fachkräften.

Das ist generell ein Problem, auch in den von der Flut zerstörten Orten der Eifel wie etwa Schleiden. "Viele Hauseigentümer suchen händeringend Elektriker, Heizungsbauer oder Fliesenleger“, weiß Marcel Wolter, Erster Beigeordneter der Stadt Schleiden. "Da müssen die Leute manchmal lange warten, bis Fachkräfte frei sind.“

Winterhochwasser behindert Arbeiten an Ufer-Stützmauerrungen

leerstehendes und runtergekommenes Haus sowie Mülltonnen in der Einfahrt

In Nettersheim stehen auch ein halbes Jahr nach der Flut noch viele Häuser leer

Und so müssen Hauseigentümer viel Geduld haben. In Schleiden geht man davon aus, dass die Sanierung vieler Privatwohnungen erst im Sommer abgeschlossen werden kann. Das gilt aber auch für andere Arbeiten in der Eifel-Stadt. So hat zum Beispiel die Olef zur Zeit wieder das typische Winterhochwasser. Das behindert die Arbeiten an den Stützmauern am Ufer des Flusses, die bei der Flutkatastrophe erheblich beschädigt wurden. Auch diese Arbeiten werden wohl erst im Frühjahr fortgesetzt werden.

Schulen in Schleiden können wieder genutzt werden - ab dem ersten Stock

"Immerhin können unsere Schulen trotz der starken Schäden wieder genutzt werden“, sagt Marcel Wolter. "In den Schulgebäuden ist aber ab dem 1. Stock in den Gebäuden Unterricht möglich. Wir haben derzeit an allen Schulen Präsenzunterricht.“ Das trägt dann auch ein wenig zur Entlastung der Eltern bei, die sich um ihre von der Unwetterkatastrophe beschädigten Häuser kümmern müssen.

Europatunnel in Stolberg wieder geöffnet

Die schlimmsten Schäden konnten in Stolberg dank des Einsatzes hunderter Helfer in monatelanger Arbeit beseitigt werden. So gibt es inzwischen das große Loch vor der Stadthalle nicht mehr, auch der lange gesperrte Europatunnel konnte vor ein paar Wochen wieder eröffnet werden. Ein Problem ist allerdings das Rathaus: Es ist durch die Flut so stark beschädigt worden, dass es für mindestens fünf Jahre nicht genutzt werden kann. Derzeit prüfen Experten, ob eher eine Sanierung oder ein kompletter Neubau des Rathauses sinnvoller wäre. Viel ist also schon geschafft in den Flutgebieten, auch Dank vieler freiwilliger Helfer, die überall mit angepackt haben - und doch gibt es noch sehr viel zu tun.

Stand: 13.01.2022, 17:48