Aachener E-Auto: David gegen Goliath

Elektromobilität aus Aachen. e.GO Mobile AG entwickelt Elektro-Stadtauto

Aachener E-Auto: David gegen Goliath

  • Aachener Autobauer e.GO liefert erste Exemplare aus
  • Günstiger Preis dank kleiner Batterien
  • Reichen 100 Kilometer Reichweite im Alltag?

Über 3.000 Vorbestellungen, die Testberichte in den Fachzeitschriften sind wohlwollend, und auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will einen haben: Das Elektroauto e.GO Life, dessen erste Exemplare am Donnerstag (09.05.2019) ausgeliefert werden, erlebt derzeit einen regelrechten Hype.

Elektroautos aus NRW

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 09.05.2019 04:05 Min. Verfügbar bis 07.05.2020 WDR 5 Von Arndt Brunnert

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"Schöne David-gegen-Goliath-Geschichte"

Dieser lässt sich anhand der aktuellen Situation auf dem Automarkt leicht erklären, sagt Verkehrsforscher Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach: "Wir haben den Dieselskandal und die Luftreinhaltediskussionen, die natürlich die Elektromobilität mehr in den Fokus rückt. Außerdem liefert e.GO eine schöne David-gegen-Goliath-Geschichte: Ein kleines Start-Up aus Aachen tritt gegen Weltkonzerne wie BMW oder Renault an."

Tatsächlich hat es e.GO geschafft, mit dem Modell Life die derzeit günstigste Variante in seinem Segment anzubieten: Der Viersitzer kostet je nach Antriebsstärke zwischen 16.000 und 20.000 Euro; davon kann man weitere 4.000 Euro Elektrokaufprämie abziehen. Möglich wurde das vor allem durch den Einbau einer kleineren Batterie als bei der Konkurrenz.

Im Schnitt fährt ein Auto nur 40 Kilometer am Tag

Dafür kann man auch nur 100 bis 145 Kilometer weit fahren pro Batterieladung. Zu wenig? Kommt darauf an, wofür man das Auto nutzt, meint Autoexperte Bratzel: "Der e.GO Life ist klar als Zweit- oder Drittwagen angelegt, mit dem man die kurzen Wege in seinem Wohnort bewältigt." Vormittags einkaufen, nachmittags die Tochter zum Fußballtraining fahren - theoretisch ist die Reichweite dafür durchaus ausreichend. Denn im Schnitt fährt ein Auto in Deutschland gerade einmal 40 Kilometer am Tag.

Garage mit Stromanschluss nötig

Neben kurzen Wegen im täglichen Leben besitzt man als potenzieller e.Go-Fahrer am besten auch eine eigene Garage mit Stromanschluss. Die Batterieladezeiten mit einem normalen Schuko-Stecker dauern laut Hersteller je nach Modell zwischen 5,4 und 9,8 Stunden. Und auch mit einem einphasigen Spezialstecker muss man mindestens 3,8 Stunden warten.

Trotz allem: Elektroautos sind Nischenthema

Ob das alles reicht, um massenhaft neue Kunden für das Thema "E-Mobilität" zu begeistern? Man dürfe sich da nichts vormachen, sagt Verkehrsforscher Stefan Bratzel. Trotz Vorschusslorbeeren und vieler Medienberichte rollt der e.GO in einer absoluten Nische. Selbst wenn die anvisierten 3.000 Exemplare im Jahr 2019 verkauft werden sollten, macht das nicht einmal 0,1 Prozent des deutschen Marktes aus. Und auch in diesem kleinen Bereich dürfte es enger werden. Denn die Experten gehen davon aus, dass die etablierten Hersteller in Zukunft noch mehr in diesen Markt drängen werden.

Stand: 09.05.2019, 12:09