"Angstraum" Kölner Ebertplatz: Alles auf Anfang

Wenn Orte Angst machen – Leben zwischen Furcht und Fakten

die story 26.09.2018 43:50 Min. Verfügbar bis 26.09.2019 WDR

Download Podcast

"Angstraum" Kölner Ebertplatz: Alles auf Anfang

  • Kreative Aktionen für Verschönerung
  • Erste bauliche Veränderungen
  • Rückgang der Kriminalität

Eine Erfolgsgeschichte hat am frühen Sonntagmorgen (25.08.2019) ein vorläufiges Ende gefunden: Mit dem gewaltsamen Tod eines 25-Jährigen auf dem Kölner Ebertplatz ist der zentrale Ort in der City seinem Ruf als "Angstraum" wieder einmal gerecht geworden.

Tödlicher Messerangriff

Dabei hatte die Stadt einiges dafür getan, dass sich der zentrale Platz in der Kölner Neustadt erholt. Auslöser war der Tod eines 22-Jährigen im Oktober 2017. Offenbar aufgrund von Revierstreitigkeiten in der Drogendealerszene hatte ein 25-Jähriger damals den jungen Mann auf dem Ebertplatz erstochen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte der Ebertplatz seinen Ruf weg: Ein Beton-Schlund mitten in der Stadt, ein Treffpunkt von Dealern und Süchtigen, mit kaputten Rolltreppen und stillgelegtem Brunnen - kurz: ein klassischer Angstraum.

Stadt fürchtete Imageschaden

Auch wegen des massiven Imageschadens, den die Stadt durch die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 verkraften musste, reagierten die Verantwortlichen schnell. Mit einem Sofortbudget von 1,5 Millionen Euro sollten drei Jahre lang "kreative" Aktionen gefördert werden, um den Platz wieder "für die Allgemeinheit zurückzugewinnen". Anschließend sollte der Platz aufwendig umgebaut werden, um die Bausünden der 1970er-Jahre endgültig zu beheben.

Der Ebertplatz in Köln

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 13.03.2019 18:37 Min. Verfügbar bis 11.03.2020 WDR 5 Von Ingo Zander

Download

In der Folge ging der Springbrunnen in der Platzmitte, der über 15 Jahre stillgelegt war, wieder in Betrieb. Alte Blumenkübel, die meist nur noch als Drogenverstecke dienten, wurden abgebaut. Anwohner kümmerten sich um neue Pflanzen, Künstler entdeckten den Platz für ihre Aktionen. Mit mehr Videoüberwachung und Polizeikontrollen wurde die offene Drogenszene zwar nicht völlig verdrängt, bestimmte aber nicht mehr das Straßenbild.

Weniger Diebstähle

Die Veränderungen schlugen sich auch in der Polizeistatistik nieder: Bei den Strafanzeigen gab es zwar 2018 einen deutlichen Anstieg. Allerdings ging es dabei fast ausschließlich um Drogenkriminalität und war auf den größeren Kontrolldruck zurückzuführen. Die klassische Beschaffungskriminalität ging hingegen massiv zurück: weniger Taschendiebstähle, weniger Autoaufbrüche und weniger Gewalt.

Wie es auf dem Ebertplatz weitergeht, bleibt abzuwarten. Eine Veranstaltung, die dort eigentlich für den Sonntagnachmittag vorgesehen war, ist nach der Gewalttat in der Nacht abgesagt worden.

Stand: 25.08.2019, 13:43